Ortstermin in der ehemaligen Gerlachhalle

Naturschutzbund watet durch den Müll

"Diese Zustände sind einfach nicht mehr tragbar": Klaus Heintz, Jagdpächter in Altstadt und Vorstandsmitglied im örtlichen Naturschutzbund, sprach den übrigen Teilnehmern der Ortsbegehung aus der Seele. Staunende Sprachlosigkeit machte sich erst einmal breit, als die Umweltschützer den ehemaligen Industriebetrieb der Homburger Gerlach-Werke betraten. Demolierte Autowracks, teilweise umgestoßene Fässer mit Öl und Farben sowie bergeweise Unrat jedweder Art haben das einstige Industrieareal in Altstadt zu einer illegalen Mülldeponie großen Stils verkommen lassen.

Ortstermin im Müll: Die ehedem zur Schienenschweißerei der Homburger Gerlach-Werke waren Schauplatz einer Begehung des Altstadter Naturschutzbundes (NABU). In Bergen von Unrat vom demolierten Autowrack bis hin zu umgestoßenen Fässern mit Öl und Farben wateten die fassungslosen Teilnehmer.

"Es ist ja nicht nur so, dass innerhalb der Halle sich die Abfallberge türmen. Wir als Naturschutzbund sind von dieser Entsorgung auf die billige Tour auch massiv betroffen", informierte Klaus Heintz. Alle Grundstücke in der Umgebung der Halle sind nämlich im Eigentum des Altstadter Umweltverbandes, und auch diese bleiben von den wilden Müllablagerungen nicht verschont- ausrangierte Doppelglasfenster, prall gefüllte Plastiksäcke und nicht zuletzt jede Menge Bierdosen verunstalten das Umfeld. "Dabei hegen und pflegen wir unsere Flächen wie Augäpfel, damit hier seltene Tier- und Pflanzenarten wieder heimisch werden", fügte Klaus Heintz hinzu. Obstbäume wurden dutzendweise gepflanzt, Gebüschreihen und eine "Benjeshecke" angelegt, Trockenrasen werden regelmäßig gepflegt und Lebensraum für Eidechsen geschaffen. "Aber durch solche Vorfälle werden unsere Bemühungen natürlich immer wieder zurückgeworfen oder gar zu nichte gemacht". Die Halle selbst, die bis zu Beginn der 90er Jahre zur längst demontierten Schienenschweißerei der Gerlach-Werke gehörte, bot den Teilnehmer des Ortstermins einen ziemlich desolaten Anblick: Sämtliche Fenster waren zerstört, die Tore gewaltsam aufgebrochen, das mit Asbestplatten belegte Dach durchlöchert. "Dass hier zudem Gelage stattfinden, ist ja nicht zu übersehen", meinte Bernd Binkle, der neue stellvertretende Altstadter NABU-Vorsitzende. Dass "hier einiges abgeht" habe auch in anderer Hinsicht nachteilige Folgen für die Natur. Im Verlauf seiner Inspektionsgänge habe er nicht selten regen erkehr zu dem eigentlich recht versteckt liegenden, unzugänglichen Gelände festgestellt. "Und Autos, zumal in dieser Menge, haben in der freien Landschaft nichts verloren, zumal damit ja auch eine erhöhte Fallwildquote verbunden ist".

Am Zug sieht der Naturschutzbund jetzt einerseits die Behörden, die insbesondere die ordnungsgemäße Entsorgung der wassergefährdenden Abfälle in Angriff zu nehmen hätten. Aber auch der neue Eigentümer der ehemaligen Gerlach-Halle sieht der NABU in der Pflicht, das Gelände so abzusichern, dass es nicht mehr zu den derzeitigen Beeinträchtigungen kommt. "Es kann nicht sein, dass hier ein wilder Müllplatz entsteht, die Umwelt und damit die Allgemeinheit massiv geschädigt wird, und die zuständigen Behörden und die Eigentümer drücken alle Augen zu oder schauen tatenlos weg", kommentierte Klaus Heintz. Schließlich liege das Gelände auch im Wasserschutzgebiet.


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Letzte Änderung: 31. Juli 2001