Libellenexkursion am Jägersburger Möhlwoog

NABU Expedition zu Drachenfliegen, Satansbolzen und Augenstechern

Als "Satansbolzen" würden sie verunglimpft oder gar als "Augenstecher", und in England hießen sie sogar "dragon flies"- "Drachenfliegen" also. - "Alles Unfug, alles Vorurteile", meinte Dr. Axel Didion. "Sie stechen nicht, haben überhaupt keinen Stachel, sie sind nicht giftig und nützlich sind sie obendrein", meinte der Homburger Biologe. Er leitete die Exkursion, zu der der Altstadter Naturschutzbund und die örtliche Volkshochschule gemeinsam eingeladen hatten. Im Blickpunkt standen für dieses Mal Libellen, und die flinken bunten Flieger stießen überraschend auf große Resonanz. Bald zwei Dutzend Naturkundler umrundeten den Jägersburger Möhlwoog auf der Suche nach den quirligen Insektenjägern.

Auge in Auge mit der "Blaugrünen Mosaikjungfer": Hans-Jürgen Sand beschaut sich die 30.000 Facetten, die jedes Auge der Libelle zählt.
Foto: Baus
Ausgerüstet mit großem Käscher, diversen Fern- und Fanggläsern sowie reichlich Fachliteratur empfing Dr. Didion die Exkursion. "Libellen sind uralt", stellte er die Tiergruppe vor und betonte, dass sie schon zu Lebzeiten der Dinosaurier im Erdzeitzalter des Karbons vor gut 250 Millionen Jahren durch die Lüfte schwirrten - allerdings in "Megamaxiausgabe", um einiges größer also als ihre heutigen Nachfahren. Am gleichermaßen überdimensionalen Libell-Modell verdeutlichte er die speziellen Eigenheiten der Flugkünstler. "30 bis 40 Mal schlagen sie pro Sekunde mit ihren Flügeln, dadurch sind sie ungeheuer wendig. Sie können ruckartig rückwärts und vorwärts, seitwärts, hoch und runter fliegen". Allerdings sei im Gegensatz zum Alter der Tiergruppe an sich die Lebenszeit des einzelnen Tieres sehr kurz bemessen: "Vier bis sechs Wochen, wenn sie Glück haben und nicht gefressen werden, dann ist alles schon wieder vorbei". Selber fressen und Fortpflanzung, letzteres in akrobatischen Akten in der Luft, seien derweil die einzigen Lebensinhalte. Die längste Zeit ihres kurzen Lebens verbrächten die Libellen indes unter Wasser, im Larvenstadium nämlich. In Gartenteichen könne man an Pflanzenstengeln deswegen immer wieder verlassene Larvenhüllen finden.

In Deutschland, so Dr. Didion weiter, kenne man 80 unterschiedliche Libellenarten, im Saarland 56, und einige von ihnen liefen den Altstadter Libellenjägern in Jägersburg dann auch über den Weg. "Die farbenprächtige "blaugrüne Mosaikjungfer" etwa, deren 30.000 Facetten je Auge Hans--Jürgen Sand fasziniert unter die Lupe nahm. "Imposant" meinte er angesichts der Feinheiten, mit denen die Flieger in Hubschraubergestalt von Natur aus ausgestattet sind. Die "Pechlibelle" machte es sich indes ganz brav bequem auf dem T-Shirt von Katharina Kolweyh, die sich derlei Rolle als Parkplatz gern gefallen ließ. Für die kleineren Naturkundler geriet die Tour um den naturbelassensten der Jägersburger Weiher ohnehin zur abenteuerlichen Expedition - lernten sie doch zum Beispiel, wie man die Tiere fängt und angreift, ohne ihnen etwas zu Leide zu tun. "Binsenjungfer" und "Heidelibelle" konnten so ganz "hautnah" betrachtet werden.


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Letzte Änderung: 11.09.2001