NAJU räumt am "Saupuhl" auf

"Das riecht ja wie Eau de Toilette - aber im wahrsten Sinn des Wortes": Voller Argwohn stocherte Julian Zeiß mit seinem Rechen im brackigen Wasser des Tümpels herum, und gurgelnd-gluckernd stiegen jene Bläschen hervor, die ihn die Nase rümpfen ließen. Arbeit war angesagt beim Treffen der Altstadter Naturschutzjugend im tiefen dunklen Wald. In Absprache mit dem Forst betreut der Umweltverband dort einen Teich, den er in Eigenregie vor gut 20 Jahren angelegt hatte - als "Vogeltränke" ursprünglich, aber natürlich auch als kleines Biotop für Frösche, Kröten und Molche. "Saupuhl" heißt das kleine und recht versteckt liegende Gewässer, "und schon diese Bezeichnung zeigt, zu welchem Zweck die feuchte Senke früher einmal benutzt wurde", informierte Jugendbetreuerin Christiane Nagel. Will heißen: Der örtliche "Sauhirt" trieb anno dazumal seine Herde an just diese Stelle, wo sich das ihm anvertraute Borstenvieh nach Herzenslust im Schlamm suhlen konnte. Dass heute "zweibeinige Schweine" vor Ort zugange sind, das stach dem Naturschutz-Nachwuchs gleich bei der Ankunft negativ ins Auge: Eine bunte Vielfalt leerer Bierdosen und Flaschen obendrein verunzierten den Tümpel und seine Umgebung.

"Es ist ja wirklich eine wildromantische Stelle hier im tiefen dunklen Wald, ein idyllisches Plätzchen auch zum Saufen. Aber sich so mitten im eigenen Müll volllaufen zu lassen - ich weiß nicht, da hört die Romantik doch auf", meinte die Jugendbetreuerin. Mit ihren Schützlingen legte sie denn Hand an, sammelte die leeren Behältnisse im Handumdrehen ein und ließ sie im "gelben Sack" verschwinden. Mit Spaten, Hacken und Rechen wurden sodann die kleinen Zulaufgräben dann von Abflusshindernissen befreit und auch etwas ausgehoben, so dass der Teich gerade jetzt im Frühjahr immer hinreichend Wasser kriegt. "Nee, so richtig sprudelnde Quellen gibt es hier nicht, das sind eher Sickerwässer, die hier immer für nassen Nachschub sorgen", informierte Christiane Nagel. Vorsicht war dabei geboten, damit die leuchtend grünen Torfmoose, die ersten Vorboten eines richtig gruseligen Moores, bei der Arbeit nicht allzusehr im Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Jugendlichen verstärkten zudem den "Staudamm", damit das Wasser aus dem "Saupuhl" nicht so schnell abfließen kann. Zudem wurde jenes Laub aus dem Wasser gefischt, das letzten Herbst in den Teich gefallen ist. Und diese "Faulgase" der vor sich hin modernden Pflanzenreste waren es, die der Jugendgruppe so unangenehm in die Nase stiegen - und natürlich hinreichend Zündstoff für allerlei anrüchige Witzeleien boten.

M. Baus


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Letzte Änderung: 15. Mai 2002