Neuer Deich in der Bliesaue

"Jetzt braucht ihr ja nur noch einen Deichgraf und den dazu gehörigen Schimmelreiter, den passenden Deich dazu habt ihr ja schon !" - Was radfahrende und spazierende Passanten auf dem Feldweg zwischen Altstadt und Beeden eher humorvoll umschreiben, findet der Altstadter Naturschutzbund gar nicht so spaßig.
Die Rede ist von dem Damm, der in dieser Woche unweit der Blies bei der kürzlich neu gebauten Kaiserstraßen-Brücke aufgeschüttet wurde. Auf Intervention des Umweltverbandes hat die Untere Wasserbehörde des Saarpfalz-Kreises die Bauarbeiten umgehend eingestellt.
Nach Auffassung des Naturschutzbundes handelt es sich bei dem knapp zwei Meter hohen, trapezförmigen Deich um einen Eingriff, der genehmigungspflichtig ist. In der Bliesaue, die als Landschaftsschutzgebiet und zudem als wichtiges Überschwemmungsgebiet ausgewiesen ist, könne ein solche Absperrung in unmittelbarer Nähe zur Blies "nie und nimmer" genehmigt werden, zumal die natürliche Fließdynamik bei Überschwemmungen dadurch massiv eingeschränkt werden.


Noch kein "Altstadter Deichgraf": Illegal aufgeschüttet wurde ein Damm
in der Bliesaue bei Altstadt, der Weiterbau wurde auf Initiative des
Naturschutzbundes vom Landrat eingestellt. Nächste Woche findet dazu ein Ortstermin mit dem Umweltministerium statt.

Foto: Baus

In die Wege geleitet worden war der Deichbau von der Gemeinde Kirkel. Fritz Leibrock, der Leiter der Kirkeler Bauverwaltung dazu: "Der Landwirt, der die Fläche an der Blies bewirtschaftet, ist an uns herangetreten mit der Bitte, für eine entsprechende Abschottung seines Ackers zu sorgen. Bei Hochwasser trägt ihm die Strömung nämlich immer den Mutterboden weg. Und außerdem wird auch immer die Bankette des Wiesenweges beschädigt, die von der Gemeinde dann immer wieder aufs neue angelegt werden muss". Dass nun ein fast zwei Meter hoher, drei Meter breiter Deich angelegt wurde, versteht Leibrock nicht: "Wir wollten eigentlich nur eine kleine Anhöhung von 30, 40 Zentimetern". Für den Naturschutzbund sind die Probleme, die Anlass zum Bau des Dammes waren, "hausgemacht". Seit vielen Jahren werde in diesem Bereich der Bliesaue eine Variante der Landwirtschaft betrieben, die per Gerichtsurteil längst als "unsachgemäß" beurteilt werde und die inzwischen auch verboten sei. Der Altstadter NABU kritisiere schon seit Mitte der 1980er Jahre, dass die Wiesen hier von einem örtlichen Landwirt umgepflügt und ackerbaulich genutzt werden. Die Folge davon sei eben, dass die Ackerkrume weggeschwemmt und in den Höllengraben getragen werde, der dann versande und auf Kosten der Allgemeinheit ausgehoben werden müsse. "Wenn der Landwirt, so wie es sich gehört, die Wiese belassen und als Dauergrünland bewirtschaften würde, gäbe es diese ganzen Probleme nicht", heißt es in einer Erklärung an den saarländischen Umweltminister Stefan Mörsdorf. Der hat für Mitte nächster Woche einen Ortstermin in der Altstadter Bliesaue anberaumt. "Die Fachabteilung des Umweltministeriums hat sich mit der Unteren Wasserbehorde in Homburg in Verbindung gesetzt, die Arbeiten wurden durch den Landrat eingestellt. Für die nächste Woche ist ein Ortstermin vereinbart, an dem auch das Landesamt für Umweltschutz teilnehmen wird", ließ Sabine Baillier vom Ministerium den NABU wissen. Für den Naturschutzbund steht indes außer Frage, dass es nur eine Lösung geben kann: "Der Deich muss wieder weg, restlos bis auf das letzte Sandkorn, und zwar umgehend. Und dieser Vorfall sollte genutzt werden, um endlich Druck zu machen, wieder eine ordnungsgemäße, umweltverträgliche Bewirtschaftung wieder herzustellen".

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Letzte Änderung: 15.10.2002