Kühe kommen für Storch, Bekassine und Kiebitz an den Höllengraben

Wo weiland Zacharias weilte, ehe er mit Getöse hinab zur Hölle fuhr, da tut sich derzeit einiges in Sachen Naturschutz. Speziell dem Storch soll mit einem Mosaik von Maßnahmen unter die Arme gegriffen werden, damit es nicht bei dem einen Beeder Pärchen bleibt, sondern auch noch andere Exemplare der Gattung Adebars den Weg in die Bliesaue finden.
Aber auch andere seltene, aber weniger spektakuläre Vogelarten sollen in dem großen Feuchtgebiet wischen Altstadt und Beeden eine neue Heimat finden. "Von den Maßnahmen, die wir hier jetzt in die Wege geleitet haben, werden zum Beispiel die langschnäblige Bekassine, der Kiebitz oder der Wiesenpieper profitieren", erläutert der passionierte Ornithologe Christoph Braunberger die Pläne, die derzeit in der Tat umgesetzt werden. Damit werde das Naturschutzgebiet "Höllengraben", das aus vogelkundlicher ohnehin zu den wichtigsten Biotopen im Saarland gehört, noch weiter aufgewertet.

Kühe für den Naturschutz:
Ein rund fünf Hektar großes Areal im Naturschutzgebiet "Höllengraben" (hinten rechts) wurde jetzt mit dem "Pistenbully" für die Beweidung vorbereitet. Christoph Braunberger vom Umweltdezernat des Saarpfalz-Kreises (links) überwacht die Arbeiten, der Beeder Storchenvate" Gustav Zimmermann beobachtet regelmäßig die illustre Vogelwelt des Feuchtgebietes.
Foto: Baus

Zwischen der Kaiserstraße und der Blies, unweit des Altstadter Wasserwerks entspringt der "Höllengraben". Der ist nur wenige hundert Meter lang und nicht so arg tief. Nach einer alten Sage soll dort, wo sich heute die starke Quelle dieses kleinen Bachlaufs befindet, die Behausung des "Roten Zacharias" befunden haben, dem Henker von Altstadt. Nachdem dieser Scharfrichter einem schönen Mädchen Unrecht getan habe, sei er mitsamt seiner Hütte zur Hölle gefahren. An just derselben Stelle, so will es die Überlieferung, sei seither eine Quelle entsprungen, der "Höllenbrunnen" eben. Seit bald 20 Jahren macht das Areal aber weniger durch derart abenteuerliche Mär von sich reden als durch seine ökologische Einzigartigkeit. Der Homburger Ornithologe Hubert Weyers war es, der durch jahrelange Untersuchungen nachwies, dass das etwa 30 Hektar große Gebiet sich durch eine große Artenvielfalt auszeichnet. 64 verschiedene Spezies dokumentierte Weyers, 33 davon als Brutvögel und darunter wiederum gut ein Dutzend, die auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Vogelarten standen. Die pflanzenkundliche
Studie des Botanikers Peter Wolff war dann noch das Tüpfelchen auf dem i, das zur offiziellen Ausweisung als Naturschutzgebiet führte. 1986 nagelte der damalige Umweltminister Jo Leinen das symbolische Hinweisschild an, nachdem sein Vorgänger Dr. Berthold Budell diese Unterschutzstellung auf den formellen Weg gebracht hatte. Abgeschlossen wurde inzwischen ein Flurbereinigungsverfahren, das das Ziel hatte, das Naturschutzgebiet möglichst komplett in öffentliches Eigentum zu überführen. Die Gemeinde Kirkel und Stadt Homburg, die Naturlandstiftung und die Saarbergwerke sowie der Altstadter Naturschutzbund sind nun die Besitzer.

"Die Vielfalt an unterschiedlichen Biotyptypen macht die große Bedeutung dieses Naturschutzgebietes aus", skizziert Christoph Braunberger vom Umweltdezernat des Saarpfalz-Kreises. Dschungelartige Auwälder grenzen an große Schilfbestände oder Hochstaudenfluren, unzugängliche Teiche und Tümpel liegen dazwischen und auch noch die eine oder andere kleine Wiese. "Und genau hier liegt die Schwachstelle des Naturschutzgebietes: Für Bodenbrüter wie die Bekassine oder den Kiebitz, aber auch für den Storch sind offene Stellen unerlässlich. Deshalb haben wir jetzt dafür gesorgt, dass auf einer Fläche von fünf Hektar Schilf, Rohrglanzglas, Wasserschwaden und ähnliches herausgenommen wurden", skizziert Braunberger den Hintersinn der "Pflegemaßnahme". Eine Raupe mit Plastikketten, ein "Pistenbully", wie er in Schigebieten verwendet wird, sei eingesetzt worden, um diese Arbeiten auf morastigem Boden zu erledigen. "In diesen Feuchtwiesen werden künftig wieder Kühe grasen. Wir konnten Landwirte aus Beeden und Limbach dazu gewinnen, ihre Rinder hier weiden zu lassen. Dadurch schaffen wir gleichzeitig neue Lebensräume für Storch, Bekassine, Kiebitz und Co", skizziert Braunberger. Die Zivildienstleistenden des Saarpfalz-Kreises waren inzwischen auch schon vor Ort, um den Müll zu bergen. "Der Abfall ist hier ein großes Problem. Bei Überschwemmungen wird eine ganze Menge Unrat von der Blies angespült, und wenn das Hochwasser zurückgeht, bleibt das alles im Gelände liegen".


Dass die Maßnahmen erfolgversprechend sind, steht für Christoph Braunberger außer Zweifel, die Anlage der Teiche in unmittelbarer Nähe habe sich schließlich auch bestens bewährt. Nicht allein, dass so kurz nach deren Entstehung sich schon Unmengen von Fröschen eingefunden haben, auch seltene Vogelarten wie der Purpurreiher, die Nonnengans und die Graugans sind bisweilen schon zu Gast. "Und wer's nicht glaubt, der soll sich mal an unsere Schutzhütte stellen und mit dem Fernglas in aller Ruhe hinunter schauen", rät Storchenvater Gustav Zimmermann, der nach eigenem Bekunden schon mehrmals am Tag zu diesem Aussichtspunkt kommt, um die illustre Vogelwelt des "Höllengrabens" in Augenschein zu nehmen.

M. Baus


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Letzte Änderung: 18.10.2002