Echsen und Schlangen standen im Blickpunkt

"Selbst im Naturschutz sind Schlangen und Eidechsen, Reptilien also, bis heute Stiefkinder geblieben. Und obwohl sie durch die Reihe selten und vom Aussterben bedroht sind, kümmert sich kaum jemand um ihren Fortbestand". - Diese sehr kritische Bilanz zog Christoph Bernd gleich zu Beginn seines Vortrags. Der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz" für das Saarland und Vorsitzende des "Vereins für Biotopterraristik", der in Kleinottweiler zu hause ist, sprach auf Einladung des Altstadter Naturschutzbundes und der örtlichen
Volkshochschule.

"Nehmen wir zum Beispiel die Sumpfschildkröte, die früher in Mitteleuropa weit verbreitet war. Weil sie frei nach dem Motto "Alles was schwimmt, ist Fisch" als Fastenspeise heiß begehrt war, wurde sie weitgehend ausgerottet", skizzierte der Zooologe den "traurigen" Werdegang der einzigen wirklichen einheimischen Schildkröte.
Aber auch den anderen Reptilien ergehe es nicht viel besser, zum Beispiel den Schlangen: Weil sie alle über einen Kamm für giftig und gefährlich gehalten werden, werde jedes Tier, das nur entfernt danach aussieht, "als Kreuzotter" erschlagen. "Das trifft bei uns und auch hier in Altstadt in erster Linie auf die Ringenatter zu, die noch vergleichsweise häufig ist", meinte Bernd. Ein großes, über 1,20 Meter langes Exemplar von stahlblauer Farbe war im Sommer noch im Zollbahnhof in Augenschein zu nehmen.


Harmlos und nützlich, aber verfolgt: Die Ringelnatter ist die noch häufigste heimische Schlangenart. In den intensiv besonnten, steinigen Bereichen des Zollbahnhofes kann man die bis zu 1,50 Meter langen, armdicken Reptilien bisweilen beim Sonnenbaden beobachten.
Foto: Baus

Und obwohl sie noch nicht einmal eine Schlange ist, teilt auch die Blindschleiche dieses Schicksal", zeigte er entsprechend blutigen Fotos von erschlagenen oder zertretenen Tieren. Dabei handele es sich bei ihr um eine Eidechse, die auch nicht "blind" sei, wie es ihr Name weismachen will. "Ihren Namen hat sie wegen ihrer Farbe, die scheinbar wie ein Spiegel blendet". Häufigste Eidechsenart sei in unseren Gefilden noch die Waldeidechse, die auch mit niederen Celsius-Graden ganz gut leben könne. Demgegenüber sei die Mauereidechse, die eher in Mitteleuropa anzutreffen sei, sehr Wärme liebend. Auf dem Gelände des ehemaligen Zollbahnhofes finde sie gute Lebensbedingungen, "deswegen gibt es dort auch ein Vorkommen, das seinesgleichen sucht", informierte der Wissenschaftler. Die vierte und letzte Art, die Zauneidechse mit ihren leuchtend grünen Männchen, sei indes auf dem Rückzug und immer seltener. "Offene Sandflächen, sandige Feldwege sind ihre ureigensten Lebensräume", Aber da heutzutage alles asphaltiert, geschottert und versiegelt wird, bekäme man sie kaum noch zu Gesicht. "Die früher bei uns häufigste Eidechse ist durch dieses Verhalten des Menschen und die Zerstörung seiner Lebensräume vom Aussterben bedroht", erläuterte Christoph Bernd. Während also Ringel- und Schlingnatter "absolut harmlose Schlangen" sind, die Kreuzotter ohnehin nicht vorkommt, gibt es aber dennoch ein Reptil, das dem Menschen in unseren Breiten durchaus gefährlich werden könne: die "Schnappschildkröte" nämlich. "Die ist echt bissig und stellt gerade in Teichen und Badeweihern eine Gefahr dar". Vom Mississippi in den USA seien sie in Massen nach Deutschland importiert und vielerorts dann in die freie Natur ausgesetzt worden. Bemerkenswert an ihr sei der lange Schwanz, der mit seinen schildähnlichen Schuppen wie der eines Krokodils aussehe. "Allegator snapping turtle" heiße das Tier bezeichnender Weise auf Englisch, und gleichermaßen rasch und wild könne es auch zubeißen.
Martin Baus

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Letzte Änderung: 12.12.2002