Naturschutzbund betreibt Rasenpflege am Zollbahnhof

"Mauer-Hungerblümchen", "Platterbsen-Wicke", "Nelkenhafer", "Dreifinger-Steinbrech", "Bauernsenf" oder "Kahle Gänsekresse": Recht lang ist die Liste jener Pflanzen mit merkwürdigen Namen, die auf dem Gelände des ehemaligen Zollbahnhofes zu finden sind. Das Besondere an ihnen: Es gibt sie sonstwo so gut wie nicht mehr. Und weil sie eben vom Aussterben bedroht sind, stehen diese Spezies auf der "Roten Liste" und sind per "Artenschutzverordnung" auch besonders geschützt. Gemeinhin gehören diese ziemlich unscheinbaren, teilweise mickrig kleinen Gewächse zu den "Trockenrasen", Gesellschaften von Pflanzen, die nährstoffarme und trockenheiße Böden besiedeln. Auf dem Gelände des ehemaligen Zollbahnhofes finden sich derartige Trockenrasen auf einer Fläche von etwa 100.000 Quadratmetern. "Mit dieser Ausdehnung dürfte das die größte usammenhängende Fläche im gesamten Saarland darstellen", urteilt der Wissenschaftler Peter Wolff, der gleichzeitig Mitautor des "Gefäßpflanzenatlas des Saarlandes" ist und auch ansonsten unermüdlich im "botanischen Einsatz" ist, um nach Raritäten in saarländischen und westpfälzischen Gefilden Ausschau zu halten. Zur "Flora des Zollbahnhofes" hat er ebenso ein umfangreiches Gutachten vorgelegt wie zur Pflanzenwelt der Naturschutzgebiete "Höllengraben" und Kühnbruch" in der Bliesaue zwischen Beeden, Altstadt und Niederbexbach.

 


"Rasenpflege" für Mauer-Hungerblümchen und -eidechse: Dem Ginster gingen die NABU-Helfer Lothar Schneider, Hannes Sand, Erich Dorner und Harald Pfeiffer (v. links) mit schwerem Werkzeug an den Kragen, um offene Sandflächen zu schaffen. Darauf sollen die seltenen Sandrasenarten neuen Lebensraum finden.
Foto: Baus

Um nun eine weitere Ausdehnung dieser so genügsamen, aber seltenen Pflanzen zu ermöglichen, geht der Altstadter Naturschutzbund (NABU), der alljährlich zwecks "Rasenpflege" ans Werk. Seit geraumer Zeit ist der Umweltverband Eigentümer von Grund und Boden im Bereich des Zollbahnhofes, so dass regelmäßig gezielte Pflegemaßnahmen ohne größeren bürokratischen Aufwand wie etwa Genehmigungsverfahren möglich sind. An den Kragen oder besser: an die Wurzel ging es im Rahmen der jüngsten Aktion insbesondere dem Ginster. Ihm wurde mit Astscheren, Sägen und "Wiedehopf", einer speziellen schweren Hacke, zu Leibe gerückt, um den besagten, viel selteneren Pflanzen neuen Lebensraum zu schaffen. Gleichzeitig wurde der Sandboden aufgelockert, selbst wenn er noch leicht gefroren war. "Für die kleinen Blumen und Gräser der Trockenrasen wird die Ansiedlung und Ausbreitung auf offener Fläche dadurch einfacher", unterstrich Hannes Sand, dem trotz Temperaturen um die null Grad die Schweißtropfen auf der Stirn standen.

Im übrigen seien es nicht allein Pflanzen, die von diesem Pflegeeinsatz des Naturschutzbundes profitieren. "Wer sich aufmacht, im Sommer einen Beobachtungsgang zur jetzt bearbeiteten Fläche zu unternehmen, der wird sich wundern, was bei sengender Hitze dort alles kreucht und fleucht. Vor allen Dingen die ebenfalls vom Aussterben bedrohten Mauereidechsen sind es, die durch unsere Aktivitäten hier gute Lebensbedingungen finden", unterstrichen die Helfer des Umweltverbandes. "Eine Böschung, in Richtung Süden ausgerichtet, ganz sandig mit einigen Steinbrocken dazwischen, da fühlen sich die Eidechsen pudelwohl". Je höher die Quecksilbersäule steige, desto mehr von diesen flinken Reptilien könne man beim Baden in der prallen Sonne zuschauen. Gerne würde der Altstadter Naturschutzbund den Hang zu einer richtigen Trockenmauer mit typischen Sandsteinen anlegen, aber noch wurde das erforderliche Material dazu nicht ausfindig gemacht. Die entfernten "Bremmen" und sonstiges Geäst werden übrigens ganz naturnah entsorgt. An einer abseitigen Stelle aufeinander geschichtet, bieten sie nun wie eine Hecke allerlei Tieren wie dem Igel oder Vögeln und Insekten Zuflucht und Unterschlupf.


Martin Baus

zurück zur Übersicht
Letzte Änderung:26.01.2003