die fledermaus, die fledermaus -- zieht manchmal ihre fledern aus ....

Hausverkleidungen aus giftigem Asbestzement und verfallende Westwallbunker aus Deutschlands dunkelster Vergangenheit als schützenswerte Biotope, als besonders wertvolle Naturschutzzonen sozusagen ? - Dr. Gerhard Mörsch, der Leiter des Dezernates für Umwelt- und Naturschutz im Homburger Landratsamt brach jedenfalls eine Lanze für diese Lebensräume der merkwürdigen Art. Fledermäuse seien es nämlich, die derlei Zufluchtsstätten bisweilen in Beschlag nehmen, das eine als Sommer-, das andere als Winterquartier. "Und Fledermäuse gehören einfach zu jenen Tierarten, die akut vom Aussterben bedroht sind. Und um sie zu schützen, müssen wir ein ganzes Bündel von auch unkonventionellen Maßnahmen ergreifen, selbst wenn es sich um solche eher ausgefallenen Dinge wie Eternit handelt"., meinte er in seinem Vortrag, den er auf Einladung der örtlichen Volkshochschule und des Altstadter Naturschutzbundes vor stattlichem Interessiertenkreis hielt.

Zunächst einmal gab es aber Anschauungsunterricht und die fliegenden Jäger der Nacht obendrein sogar zum Anfassen: Mumifizierte Totfunde der Säugetiere hatte Dr. Mörsch mit dabei, so dass nun Gelegenheit bestand, die eher heimlichen Insektenfresser einmal so richtig aus der Nähe anzuschauen.



Der "Große Abendsegler" ist jene Fledermaus, die nach den Worten von Dr. Gerhard Mörsch die in unseren Breiten häufigste einheimische Art darstellt. Schon in der Dämmerung ist er bei der Insektenjagd am Himmel zu beobachten. Dieses Exemplar war beim Altstadter Naturschutzbund "in Pflege".Foto: Baus

"Der Bartfledermaus können Sie ruhig auch einmal unter die Gürtellinie schauen", appellierte er, keine falsche Scham walten zu lassen und Naturforschung "live" zu betreiben - das tote Tier war augenfällig männlichen Geschlechts. "Sie sind dann aktiv, wenn andere sich zur Nachtruhe begeben, und just diese Aktivität in der Dunkelheit ist mithin Ursache dafür, dass Fledermäuse eigentlich keinen guten Ruf genießen", erläuterte der Umweltschützer von Berufs wegen. Schauermärchen, sie seien Blutsauger, "Vampire" eben, oder mit dem Teufel im Bunde, seien nichts als alter Aberglaube. Gleichwohl seien die Fledertiere als Insektenvertilger ein wichtiger Bestandteil im Naturkreislauf und ihr nächster "Verwandter" sei der Igel. Aber auch über ganz soziale Seiten von Mausohr, Abendsegler, Mopsfledermaus und Co. Seiten klärte Dr. Mörsch auf: "Sie ziehen ihren Nachwuchs nämlich gemeinsam groß, in Kolonien kann man sie normalerweise auf Dachböden finden.

Diese Art der gemeinsamen Brutpflege ist schon eine Besonderheit". Und er zeigte Bilder, wie "groß" so neugeborene, säugende Zwergfledermausbabies eigentlich sind .Demnach haben sie auf einem Fingernagel hinreichend Platz. Zwischen Oktober und April zögen sich die meisten der in unseren Gefilden heimischen Fledermäuse in ihre Winterquartiere zurück, frostfreie Räume wie Höhlen, Stollen oder eben alte, aufgelassene Bunker. "Und genau da liegt der Hund begraben, denn auf der einen Seite sind Höhlen einem regelrechten Abenteuer-Tourismus ausgesetzt, so dass die empfindlichen Tiere in ihrem Winterschlaf gestört werden", berichtete der Referent und zeigte eine ganze Reihe von Beispielen wie etwa die Schlangenhöhle in Schwarzenacker oder Stollen in Kirkel, die aus "Jux und Tollerei" immer wieder aufgebrochen werden.

"Der Stoffwechsel der Fledermäuse ist im Winterschlaf auf Null, wenn sie so gestört werden, dann kann es ganz schnell vorbei sein mit ihnen". Und auf der anderen Seite würden Bunker, die in Bundesbesitz seien, derzeit systematisch dem Erdboden gleich gemacht. Hintergrund: Damit solle verhindert werden, dass irgendjemand jemals zu Schaden kommt und der Bund deswegen in der Haftung steht. "Und damit gehen natürlich Winterquartiere der Fledermäuse flöten". Und auch um die Sommerquartiere sei es eher schlecht bestellt: Weil Speicher oder Dachböden immer häufiger zu Wohnzwecken umgebaut oder wenigstens zur Energieeinsparung isoliert werden, müssten Fledermäuse nicht selten hinter löchrigen Eternitfassaden Zuflucht suchen. "Die Tierart ist gut 60 Millionen Jahre alt. Wir Menschen haben sie in den letzten Jahrzehnten an den Rand des Aussterbens gebracht", fasste Gerhard Mörsch die Situation der einzig fliegenden Säugetiere zusammen.
Martin Baus


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Letzte Änderung:26.01.2003