Naturschutzbund vor illegalen Abfallbergen


Abfallberge im Zollbahnhof: Bei ihrem Ortstermin stießen die Altstadter Naturschützer auf riesige Mengen von Abfällen, die illegal im Zollbahnhof abgelagert wurden. Der Umweltverband sieht jetzt dringend die Behörden gefordert, einzuschreiten und eine ordnungsgemäße "Entsorgung" in die Wege zu leiten. Foto: Martin Baus

Post wird demnächst Kirkels Bürgermeister Armin Hochlenert kriegen, und zwar in seiner Eigenschaft als Ortspolizeibehörde. Dieses Amt im Limbacher Rathaus ist zuständig für die ordnungsgemäße Entsorgung von Abfällen, aber auch für die illegale Müllablagerungen. Und just diese standen im Blickpunkt des Ortstermins, zu dem der Altstadter Naturschutzbund jetzt eingeladen hatte. Schauplatz der "Müllwanderung" war das Gelände des ehemaligen Zollbahnhofes - und der droht nach den Beobachtungen des Umweltverbandes zu einer neuen Abfalldeponie zu werden. "Der Bürgermeister ist jetzt dringend gefragt: Zum einen muss er dafür sorgen, dass die Müllberge aus der Landschaft verschwinden, zum anderen sollte er dafür Sorge, dass diese Zustände künftighin nicht mehr einreißen", brachte Christiane Nagel, die örtliche Naturschutzbeauftragte, die Sicht des Nabu auf den Punkt. Ein illustre und über weite Areale verteilte Ansammlung von Abfällen jedweder Art bot sich den Teilnehmern der Exkursion. Ganze Kücheneinrichtungen einschließlich Tellern und Töpfen fanden sich ebenso wie eine samt Kacheln abgestellte Badewanne, die bei einer Badrenovierung ausgemustert wurde. Ohnehin machte Bauschutt jedweder Art das Gros der illegalen Abfälle aus. Aber auch organische Abfälle, die sichtlich anhängerweise in Reih und Glied abgekippt worden sind, fanden sich sogar in weniger zugänglichen Bereichen des Zollbahnhofes. Weit dramatischer aber stellte sich aus der Sicht der Naturschützer der umweltgefährdende Unrat dar. So stießen sie auf eine Fuhre Teer, eine große Anzahl Batterien und Autobatterien sowie auf Öl- und fetthaltige Substanzen, die teilweise bereits im Boden versickern. "Wir befinden uns hier in unmittelbarer Nähe zum Wassergewinnungsgebiet. Keine 200 Meter entfernt sind die ersten Brunnen. Das was hier herum liegt, ist dem ohnehin schon verschmutzten Grundwasser nicht gerade förderlich", meinte Bernd Binkle, der stellvertretende Vorsitzende der Altstadter Ortsgruppe. Hintergrund: Zum Ende der 1980er Jahre stellte sich bei Analysen heraus, dass das Grundwasser in Altstadt durch das Pflanzenvernichtungsmittel "Bromazil" verseucht ist. Da es sich bei dieser Substanz um ein Totalherbizid handelt, das sämtlicher Vegetation den Garaus macht, war schnell klar, dass der Verursacher nicht die Landwirtschaft, sondern die damalige Bundesbahn sein musste. Sie hatte im Zollbahnhof ihren "Spritzzug" stationiert, der regelmäßig an gleicher Stelle und ohne jegliche Schutzvorkehrungen gereinigt wurde. Das verseuchte Erdreich wurde mit einem finanziellen Aufwand von mehreren Millionen Mark beseitigt, gleichwohl ist das Gift nach wie vor im Grundwasser nachweisbar. Und die Bahn, die im Zollbahnhof noch einen Betriebshof ihr eigen nennt, ist in den Augen des Naturschutzbundes auch mitverantwortlich für die jetzigen Zustände. "Es hat den Anschein, als ob sie hier die Kontrolle über ihre eigene Abfalllagerung verloren hat", meinte Bernd Binkle. Einiges, was die Teilnehmer der Begehung in die Hand nahmen, trugen als Erkennungszeichen sogar das Logo der Bahn. "Und Trittbrettfahrer hängen sich nun wohl dran und werfen ihre Abfälle entweder gleich dazu oder irgendwo in der Umgebung hin", suchte Christiane Nagel nach Erklärungen für die Zustände. Die Verwaltung des Bahn-Betriebshofes sei deswegen auch die erste Adresse, an die sich das Kirkeler Ordnungsamt wenden müsse. Wenn diese dazu angehalten werde, ihre Abfälle ordnungsgemäß zu entsorgen, dann würden "Folgetäter" auch nicht so leicht animiert, es der Bahn nachzumachen. Für den Nabu wäre indes weiteres tatenloses Zuschauen und Zuwarten unverantwortlich, zumal die zuständigen Behörden, auch die Untere Wasserbehörde aus dem Herbizid-Vorfall eigentlich gelernt haben und schnell einschreiten müsste.
(M. Baus)


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Letzte Änderung:10.04.2003