NABU Altstadt auf Exkursion:
Der Höllengraben wird immer besser


Viele Vögel im Visier: Von der Aussichtswarte am Beeder Sportplatz boten sich den zahlreichen Teilnehmern der ornithologischen Exkursion interessante Einblicke in das Naturschutzgebiet am "Höllengraben".
Foto: Martin Baus

Meister Adebar, das Schluchzen der Nachtigall, der Höllengraben und der Müll: Informationen in Hülle und Fülle und nicht minder spektakuläre Szenen in Sachen Ornithologie gab es für die Teilnehmer jener Exkursion, zu welcher der
Altstadter Naturschutzbund in dieTalaue der Blies zwischen Altstadt und Beeden aufgebrochen war. Insbesondere von der Aussichtswarte am Beeder Sportplatz boten sich den vogelkundlichen Wanderern allerhand gefiederte Raritäten.

"Seit wir mit unseren Maßnahmen zur Biotopverbesserung begonnen haben, ist dieses Naturschutzgebiet und sein Umfeld noch bedeutsamer geworden", skizzierte Christoph Braunberger, unter dessen Leitung die Begehung stattfand. Der "Höllengraben" sei inzwischen zu den "Top Five" der saarländischen Areale für Brut- und Zugvögel avanciert. Braunberger nannte dazu beeindruckende Zahlen: Bislang habe man 141 verschiedene Spezies nachgewiesen, darunter ganz exklusive gefiederte Raritäten wie Purpurreiher, Kraniche, Fischadler, Zwergsäger oder Möwen.

Dass das Areal für den Kiebitz das "beste Brutgebiet weit und breit" ist, wie der passionierte St. Ingberter Vogelkundler betonte, das bot sich den zahlreichen Naturkundlern sozusagen "live". Durch ihre Feldstecher und insbesondere durch die optimale Optik der mitgeführten Spektive konnte der noch flaumige Nachwuchs der acht Brutpaare am Teichrand heran "gezoomt" werden. Aber auch der Versuch der Altvögel, die Konkurrenz der Flußuferläufer zu verjagen, ein stattlicher Kuckuck auf einer kahlen Weide, auf der Wasseroberfläche startende und landende Löffelenten gehörten zu den spektakulären Szenen der Exkursion. "Hubert Weyers aus Homburg hat schon den 1960er und 70er Jahren auf die besondere Bedeutung des Höllengrabens hingewiesen und mit einem Gutachten die unbedingte Schutzwürdigkeit untermauert. Der Altstadter Naturschutzbund hat vor genau 20 Jahren die ersten Parzellen erworben und die formale Ausweisung als Schutzgebiet auf den Weg gebracht. Und Dr. Berthold Budell hat in seiner Zeit als Umweltminister diese Ausweisung dann zügig unter Dach und Fach gebracht", ließ Braunberger die Entwicklung des "Höllengrabens" Revue passieren.

Seit sechs Jahren, seit der Weißstorch wieder in Beeden brüte, sei eine neue Phase eingeleitet worden. Indem zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraums für den Storch auf den Weg gebracht wurden, ziehen auch viele andere Vögel Profit aus neu angelegten Flutmulden, Teichen und extensiver Grünland-Bewirtschaftung. "Die Beobachtungen so vieler und so seltener Vogelarten bestärkt uns natürlich, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen", unterstrich Braunberger. Aber es gebe auch Probleme: Bei Überschwemmungen der Blies würden große Mengen Erdboden aus den in Altstadt zu Äckern umgepflügten Wiesen in die Teiche gespült, die dann für teueres Geld wieder geräumt werden müssten. "Die Hochwässer führen auch viele Abfälle mit sich, die nach dem Ablaufen des Wassers dann im Gelände liegen und eingesammelt werden müssen", informierte Gustav Zimmermann, der Beeder "Storchenvater". Ein weiteres Problem seien frei laufende Hunde, die ohne Kontrolle ihrer "Herrchen" für massive Störungen in den Brutgebieten sorgten.

Zu guter Letzt war dann das Storchennest am Beeder Fischweiher das Ziel der Wanderer: "Die Jungen sind geschlüpft, wir wissen aber noch nicht, wie viele es in diesem Jahr sein werden", erläuterte Zimmermann unter dem Horst die aktuelle Situation. Und während in der nahen Hecke "der zaghafte Schluchzgesang der Nachtigall" (Braunberger) zu verhören war, lösten sich die jungen Storcheneltern gerade in der Nachwuchspflege ab. Eifriges Geklapper und eine ordentliche Mahlzeit für die Brut gab es obendrein.
Martin Baus


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Letzte Änderung:08.05.2003