Botanische Exkursion des Altstadter Nabu zu fleischigem Pfeffer und stacheligen Rosen ohne Dornen

"Wie will uns das Sprichwort weismachen: Keine Rose ohne Dornen. Aber das ist nur so dahin gesagt und eigentlich ausgemachter Unfug. Rosen haben keine Dornen, sondern Stacheln", erläuterte Willi Hammer und löste eine der dennoch ziemlich pieksenden Spitzen vom blühenden Strauch der Hundsrose. Dass derlei Fortsätze an den Stengeln und Zweigen kein Selbstzweck sind, sondern wichtige Funktionen erfüllen, darauf verwies der pensionierte Lehrer aus Homburg ausdrücklich. "Ja Ja, die haben die Stacheln nämlich, um sich vor ihren Feinden zu schützen. Die Rosen wollen eben nicht gefressen werden".
Botanik stand also auf dem Stundenplan der Exkursion, zu der der Altstadter Naturschutzbund (NABU) in Zusammenarbeit mit der örtlichen Volkshochschule eingeladen hatte.

Ackerränder, Ruderalareale, Wald und Wiesen: Allerhand Besonderheiten aus der Pflanzenwelt erläuterte Willi Hammer den zahlreichen Teilnehmern der botanischen Exkursion in Altstadt. Auch auf Gewächse, die aus anderen Regionen der Welt "eingeschleppt" wurden, ging der Homburger Biologe ein.
Foto: Baus

  "Pflanzen am Wegesrand" standen im Blickpunkt der naturkundlichen Tour, welche die bald 30 Interessierten aber sehr gemächlichen Schrittes angehen konnten. So genanntes "Unkraut" unmittelbar an der Altstadter Schulturnhalle fesselte die Naturkundler nämlich, und nach knapp einer Stunde waren vielleicht gerade mal 50 Meter zurückgelegt. "Großer Sauerampfer, Kamille, Rotklee, Löwenzahn, Vogelknöterich, Wolfsmilch, Bauernsenf, Beifuß. Spitz- und Breitwegerich, Glatthafer, Feldkresse - mein lieber Mann, das sind ja bald 50 verschiedene Arten auf so einer kleinen Fläche", brachte der ehemalige Studiendirektor am Homburger Mannlich-Gymnasium seine Zuhörer zum Staunen. Um ein Ruderalareal handele es sich, auf dem die natürliche Sukzession derzeit im Anfangsstadium zugange sei, erklärte der Biologe - will heißen: Auf dem Gelände, dessen Boden vor nicht allzu langer Zeit noch offen dalag - vermutlich wegen des Fitnessstudioanbaues an die Turnhalle - kann sich nun die Pflanzenwelt ganz ungestört neu entwickeln. Fast jedenfalls: Kaum waren die "Botaniker" einige Schritte weiter, schüttete ein Anwohner von der Straßenseite gegenüber eine Schubkarre Kehricht aus seinem Vorgarten ungeniert auf die öffentliche Fläche.

Farbenprächtig präsentierte sich der nahe Ackerrandstreifen, in dem nicht nur die blaue Kornblume blühte, sondern auch eine Mutation in Rosa. Und dann der Klatschmohn: Warum der so heißt und nicht anders, das führte Willi Hammer vor. "Wenn man die Blüte ordentlich zusammenfaltet und dann mit den Händen drauf klatscht, dann knallt es - dieses alte Kinderspiel eben hat der Pflanze den Namen gegeben. "So ist es ja auch mit der Knallerbse", fügte Hans Didion hinzu: Wenn man sie auf den Boden wirft, knallen sie auch.

Vom Feldrain ging es dann in den Wald, wo vornehmlich die Robinie die Wanderer in Sachen Naturkunde in ihren Bann zog. "Die heißt so, weil eine gewisser Jean Robin diesen Baum um 1640 aus Amerika in den Jardin des Plantes nach Paris importierte", skizzierte Willi Hammer den weiten Weg dieser Pflanze. Zu hohen Ehren sei sie dann gekommen, als die ersten Dampflokomotiven durch die Lande schnaubten. "Wegen Funkenflugs war die Gefahr stets sehr hoch, und weil Robinien sehr schwer entzündbar sind und obendrein guten Schutz vor Erosion bieten, wurden sie entlang der Bashnstrecken gezielt gepflanzt". Deshalb seien sie bis heute sehr häufig und sehr vermehrungs- und verbreitungsfreudig. Überhaupt kam dann die Rede auf Gewächse, die aus aller Herren Länder in saarpfälzische Gefilde "eingeschleppt" wurden: Der bambusähnliche japanische Knöterich etwa, der sich "wie die Pest" ausbreitet und alles andere in seinem Umfeld erstickt. Oder auf den "Riesenbärenklau", "Heracleum mantegazzianum" auf Botanisch, einer hochgefährlichen Staude, an der man sich leicht die Finger verbrennen könne.

Der Mauerpfeffer im Zollbahnhof, der blühend gelbe Teppiche bildet, war schließlich das letzte Anschauungsobjekt der Tour. Er gedeihe prächtig auf dem nackten Gestein: "Mauerpfeffer braucht keinen Sand, keinen humushaltigen Boden, aber er arbeitet wie eine Zuckerfabrik", erläuterte Willi Hammer die "Survival-Taktik" des auch "Fetthenne" genannten Dickblattes in der glühenden Hitze auf dem Zollbahnhof.

Martin Baus


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Letzte Änderung: 10.06.2003