Zollbahnhof-Exkursion mit Axel Didion

"Da, ich hab' das Monster": Stolz präsentierte Merlin Graf seinen Fang, der sich bei näherem Hinsehen aber nicht als sonderlich gefährlich, furchterregend oder gruselig outete. "Eine Blauflügelige Ödlandschrecke", identifizierte Dr. Axel Didion den zierlichen Heuhüpfer, den er alsbald in ein rundum durchsichtiges Lupenglas verschwinden ließ. Dann wurde er herum gereicht, detailliert von allen   Seiten in Augenschein genommen und schließlich wieder frei gelassen.   Naturkunde open air war angesagt bei der Exkursion, zu dem der Altstadter Naturschutzbund und örtliche Volkshochschule zusammen   eingeladen hatte. Deren Schauplatz war der Zollbahnhof. Dieses Areal zwischen dem Kirkeler Ortsteil und Beeden machte seinem Ruf als Trockenbiotop ersten Ranges alle Ehre. Sengende Gluthitze lag über dem Gelände, Temperaturen von bis 50 Celsiusgraden auf dem Schotterboden ließen nicht nur die Eidechsen von einem Bein aufs andere hüpfen, sondern bei den Teilnehmern Fata Morganen in Gestalt von Plantschbecken, schattigen Plätzchen oder frisch gezapftem, kühlen Bier auftauchen.  
Schwalbenschwanz im Lupenglas: Der farbenprächtige Schmetterling war die erste Rarität, die im Verlauf der naturkundlichen Exkursion durch den Zollbahnhof "ins Netz ging". Dr. Axel Didion (rechts) erläuterte die Besonderheiten der Tiere und Pflanzen, die unterwegs zu sehen waren. Foto: Baus

 

Den Trugbildern zum Trotz hielten die gut zwei Dutzend Wanderer - darunter sehr viele Kinder - in Sachen Naturkunde aber doch zwei Stunden tapfer durch und bekamen obendrein auch noch eine ganze Menge interessante Einblicke in die bisweilen exotische Tierwelt des Zollbahnhofes geboten.
"Erinnert mich an Lord Castlepool, den schrulligen Schmetterlingsfänger aus den Winnetou-Filmen. Es fehlt nur noch der Tropenhelm", schwelgte ein Mitwanderer in nostalgischen Erinnerungen, während er Axel Didion genau musterte. Mit großem Köcher gewappnet, sorgte der Homburger Biologe dafür, dass es allerhand zu sehen gab - vornehmlich Insekten genauer gesagt. "Denen geht es in diesem Jahr besonders gut", skizzierte er die Verhältnisse: "Große Trockenheit und hohe Temperaturen - beste Bedingungen für diese Tiergruppe". Besagte blauflügelige Ödlandschrecke mache ihrem Namen alle Ehre: ihre Hinterflügel sind leuchtend blau gefärbt. Die Schrecke selbst sei farblich sehr variabel und nehme die Farbtöne des Hintergrundes an, auf dem sie sich entwickelt hat. "Diese Art ist sehr an trockene Lebensräume angepasst und lebt auf Trockenrasen, in Steinbrüchen oder Sandgruben. Die Art ernährt sich überwiegend von Gräsern. Sie ist gefährdet und steht unter Naturschutz", erläuterte Axel Didion.

Aber nicht nur auf Schrecken war die Exkursion aus, auch Falter in Hülle und Fülle und farbenprächtig hatten es den Teilnehmern angetan. Gleich zum Auftakt ging ein schillernder Schwalbenschwanz ins Netz. "Vor nicht allzu langer Zeit war dieser Schmetterling bei uns noch ganz besonders selten. Inzwischen ist er wieder häufiger. Er liebt Mohrrüben", schilderte der Tour-Leiter die kulinarischen Vorlieben des großen Falters. "Warum heißt der denn so, ist der wirklich so gemein ?", fragte der kleine Florian, als ein "Gemeiner Bläuling" in Didions Lupenglas gelandet war. "Nein, das heißt nur, dass er noch allgemein verbreitet ist", erklärte der Biologe, dass diese himmelblaue Spezies im Gegensatz zu recht vielen seiner ähnlich aussehenden "Kollegen" noch nicht vom Aussterben bedroht sei. Füchse wurden dann in schneller Folge gefangen: nicht nur den häufigen Kleinen Fuchs, den sehr seltenen Großen Fuchs oder den nicht minder bunten Mauerfuchs gab es zu beschauen, auch einen vierbeinigen richtigen Fuchs, der aber mausetot war. Besonders gut gefiel den Mauereidechsen die Affenhitze: Wie aufgezogen wuselten sie über Stock und Stein, nahmen ein Sonnenbad oder lugten neugierig zwischen alten Schienen hervor. Und während jedweder Versuch scheiterte, eines dieser flinken Reptile ins Lupenglas zu bannen, gab es zum Schluss der zweistündigen Partie dann noch eine besondere Rarität zu sehen: "Die Rispen-Glockenblume, Centaurea Stoebe im Fachjargon der Botaniker, ist im Saarland ganz selten.

Nur im Zollbahnhof und noch einem einzigen anderen Standort ist sie noch zu finden", zeigte sich Dr. Axel Didion auch in floristischer Hinsicht sattelfest.


Martin Baus


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Letzte Änderung: 24.09.2003