Mit dem Naturschutzbund zu "Deiwelsbrigg" und "Saupuhl"

Heimatkundlich spannende Wanderung durch den Altstadter Wald
Wo der Teufel sich mit einem Hahn zufrieden geben musste, eine Katze im Schlot der schnaubenden Dampflokomotive verschwand, wo ein Laster voller Sprengstoff explodierte und wo es für 50 Pfennige Soldatenschokolade in Dosen zu kaufen gab: Heimatkunde samt Anekdoten waren angesagt im Verlauf der Exkursion, die durch den Altstadter Staatswald führte. Eingeladen dazu hatten die Altstadter Volkshochschule und der örtliche Naturschutzbund im Verein, und eigentlich sollte der Förster darüber informieren, wie es denn weiter gehen mit den landeseigenen Waldungen östlich der Ortslage, die ein beliebter Bewegungsraum für Jogger und Walker, Spaziergänger und Herrchen von Vierbeinern sind. Allerdings wartete der stattliche Trupp der Interessierten eine halbe Stunde vergebens auf ihren Geleiter; Forstmann Christoph Kiefer kam schlechterdings einfach nicht. "Wenn wir schon mal da sind, dann können wir ja auch ohne Anführer sehen, was wir finden", animierte VHS-Chef Arno Hübler zum Gehen auf eigene Faust.
Der Teufel hatte beim Bau der Brücke über die Ludwigsbahn seine Hand im Spiel: Allerhand Geschichten auch über die "Deiwelsbrigg" gab es bei der Exkursion durch den Altstadter Wald zu hören. Das Foto zeigt den Abriss der damals 120 Jahre alten Brücke aus Sandstein im Jahr 1970. Als die Bahnlinie zwischen Homburg und Bexbach elektrifiziert wurde, war der Brückenbogen im Weg.
Repro: Baus
Gesagt, getan - und was eigentlich als forstlicher Fachgang geplant war, avancierte so zum lässigen Bummel unter Bäumen mit allerhand locker-flockigen Plaudereien. "Zu unseren Streichen gehörte es, dicke Wackersteine von der Brücke aus auf die Züge zu werfen, die unter der 'Deiwelsbrigg' durchgefahren sind. Die Lokomotivführer wussten genau, was wir im Sinn hatten, aber sie waren ja in voller Fahrt und konnten nichts machen - außer im rechten Moment Dampf abzulassen und uns gehörig einzuschwärzen", erzählte zum Beispiel Manfred Leibrock, als die Wandererschar Station machte auf jener Passage, die die Ludwigsbahn unmittelbar vor dem Altstadter Zugangstor zum Zunderbaum-Militärdepot überquert. "Und einer von uns hat es sogar fertiggebracht, eine lebendige Katze genau in den Schlot der Lok fallen zu lassen. Na, als Jungen haben wir eben solche Dinge gebracht", erzählte der 69jährige Leibrock weiter. Auch seine Version, warum die Teufelsbrücke so heißt wie sie heißt, verheimlichte er nicht. "Uns Kindern wurde jedenfalls erzählt, dass beim Bau der Brücke über die Eisenbahn ein Stein gefehlt hat. Der Bauleiter bekam dieses fehlende Stück einfach nicht bei, und weil der Tag der Einweihung immer näher kam und er sich in der Pflicht sah, hat er den Teufel um Hilfe gebeten. Der versprach den fehlenden Stein in der Mitte des Brückenbogens zu besorgen und rechtzeitig anzubringen, wenn er dafür das erste Lebewesen bekommt, das über die fertige Brücke geht. Der Bauleiter wusste sich in seiner Not keinen Ausweg und schlug ein, und als der Teufel die Brücke fertig hatte, ließ er einen Hahn auf der Brücke frei. Da war der Teufel freilich fuchsteufelswild", skizzierte Manfred Leibrock, wie die Brücke zu ihrem Namen gekommen sein könnte. Natürlich treibe der Teufel deswegen noch heute im Altstadter Wald sein Unwesen.

Dass solche oder ähnliche Geschichten erzählt wurden, um den neugierigen Nachwuchs davon abzuhalten, im Wald umher "zu stromern", das bestätigten fast alle der Teilnehmer. "Dort vorne, gleich am Waldrand, hat nach dem Zweiten Weltkrieg ein Laster voller Sprengstoff gestanden. Es hat nicht lange gedauert, bis er mit einem lauten Knall explodiert ist und im ganzen Oberdorf die Fensterscheiben herausgeflogen sind. Das war wohl auch so ein Jungenstreich", erzählte Erwin Wolf.

Nicht weit weg von diesem "Tatort" waren nach seinen Worten Gebäude, in denen Soldaten untergebracht waren. Schokolade in Dosen habe es dort gegeben, für 50 Pfennige die Packung. "Das war für uns natürlich ein Leckerbissen". Ein alter Grenzstein aus dem Jahre 1603, der damals die Grenze zwischen dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und der Grafschaft Nassau-Saabrücken markierte und der heute noch Altstadt und Erbach-Reiskirchen "scheidet", war ebenso eine Station der Waldtour wie der "furztrockene" Saupuhl, zu dem in früheren Jahren der Altstadter Schweinehirt sein Borstenvieh zum Suhlen im Schlamm getrieben hat. Die arg ein Sturz gefährdete, mit reichlich Asbesteternit ausgestattete "Pensionärsruhebank" und ihre durch Getränkedosen vermüllte Umgebung sowie die letzten verbliebenen Buchenriesen der Waldabteilung "Buchendick" wurden zudem in Augenschein genommen.

"Das war doch auch ohne Förster interessant", zog denn zu guter Letzt VHS-Leiter Hübler allen Hindernissen zum Trotz eine positive Bilanz. Der forstkundliche Begang mit dem Förster werde aber auf jeden Fall noch nachgeholt, versprach er.

Martin Baus


zurück zur Übersicht
Letzte Änderung: 24.09.2003