Als Elefanten so groß wie Pudel waren und Wollnashörner das Saarland unsicher machten

Vortrag bei der Volkshochschule Altstadt mit Christoph Bernd

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lte Kunst und alte Knochen sind die Dokumente dafür, was in eiszeitlichen Perioden so alles kreuz und quer durch Europa kreuchte und fleuchte. Je nachdem, wie weit der riesige Eispanzer über Skandinavien sich nach Süden hin ausdehnte und wie frostig sich die Alpen präsentierten, gab es dazwischen und auch darunter in südlicheren Gefilden eine ganze Menge Leben. Was sich in jener vor etwa 10.000 Jahren zu Ende gehenden Kältephase so alles auf vier Füßen durch die Steppen und Savannen des europäischen Kontinents bewegte, darüber sprach vor der Altstadter Volkshochschule jetzt Christoph Bernd, Archäologe und Zoologe aus Kleinottweiler. Mitveranstalter war der örtliche Naturschutzbund, und zu dem doch speziellen, wissenschaftlichen Referat kamen immerhin bald drei Dutzend Interessierte.
 
 
"Machen wir uns nichts vor: Extreme Klimaschwankungen sind ein uraltes Phänomen. Wenn die Temperatur anstieg, das Eis schmolz, bot Europa größeren Lebensraum für Tiere und Pflanzen als in den kalten Phasen der Geschichte", resümierte Bernd. Ausgegrabene Fragmente von Skeletten, tiefgefrorene Tiere im Permafrostboden etwa in Sibirien seien auf der einen Seite die Belege für die mannigfaltige Fauna damals. Andererseits liefere die prähistorische Kunst der Steinzeitmenschen, beispielsweise die Höhlenmalereien und -ritzereien, Aufschlüsse und Einblicke in die Tierwelt. In Höhlen wie Lascaux im französischen Périgord oder Altamira im Nordwesten Spaniens sei mit Detailversessenheit eine große Palette jener Säuger dargestellt, denen die prähistorischen Jäger zwecks Nahrungserwerb nachstellten. "Steppenbisons, Auerochsen, Wisente, Antilopen, Riesenhirsche, Moschusochsen, Elche, Wildpferde, Wollnashörner - es waren sehr viele Arten, es waren teilweise sehr große Arten und sie waren in recht großer Individuenzahl in unseren Breiten heimisch", skizzierte der Zoologe. Vom Menschen gab es indes nicht allzu viel zu sehen, die Gegenden waren nur dünnst besiedelt. Auf der Fläche des heutigen Saarlandes, so sei von Forschern ausgerechnet worden, lebten demnach etwa 3000 Wildpferde, 1500 Bisons, 120 Mammute, 40 Löwen - und gleichzeitig nur etwa 40 bis 50 Menschen. "Das Saarland vor 5500 Jahren kann man sich vorstellen wie vielleicht heute die Serengeti, ab zu mal ein Baum, dazwischen Graslandschaft", entwarf Christoph Bernd ein anschauliches Bild. Auch hochspezialisierte Arten wie der Vielfraß, der Füße wie breite Schneeschuhe hat und sich deswegen auch in tiefer weißer Pracht flugs fortbewegen kann, gab es. Besonders putzig sei der Zwergelefant gewesen; "den könnte man heute bequem als Hundeersatz halten".

Dass man das aber nicht kann, liege daran, dass die meisten Tiere der Eiszeit und ihrer Zwsichenzeiten den Klimawandel nicht überlebt haben und ausgestorben sind. Nur noch "Nachfahren" des Wisents, des Auerochsen oder auch der Rentiere sei es gelungen, sich den veränderten Verhältnissen anzupassen und Nischen und Restpopulationen zu überleben

Martin Baus

 

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Letzte Änderung: 24.09.2003