Rückschnitt für Kopfweiden, Mauer für Eidechsen, Frühjahrsputz für Bachlauf

Viel Arbeit steht auf der Agenda 2004 des Altstadter Naturschutzbundes

Mit einem gehörigen Arbeitspensum startet der Altstadter Naturschutzbund in das erste Quartal des neuen Jahres. Bis Ende März stellte die jüngste Versammlung des Umweltverbandes eine lange Liste von Einsätzen zusammen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen stattfinden werden. Eidechsen und Mauerblümchen, aber auch sehr seltene Vögel wie Neuntöter, Schwarzkehlchen oder sogar der Eisvogel werden davon profitieren. Bis zum Frühjahrsbeginn müssen die Einsätze indes abgeschlossen sein, weil die Brutzeit der "Piepmätze" dann wieder losgeht und Störungen zu diesem Zeitpunkt möglichst vermieden werden sollen. "Eben wenn über die Wintermonate die Natur ruht, müssen wir sehen, dass wir die notwendigen Arbeiten über die Bühne bringen", betonte Bernd Binkle, der stellvertretende Vorsitzende des Naturschutzbundes.

Auf dem Terminkalender steht zunächst für Mitte Januar der Bau einer Reptilienmauer. Schauplatz der Aktion wird ein Areal im Bereich des ehemaligen Zollbahnhofes sein, das sich im Eigentum des Altstadter NABU befindet. "Einen Laster voller Bruchsteine haben wir dort schon hingebracht, jetzt müssen wir die Wand nur noch richtig aufsetzen", berichtete Erich Dorner darüber, dass die Vorbereitungen bereits getroffen sind. In Handarbeit werden die regionaltypischen Sandsteine so aufgeschichtet, dass insbesondere die seltene Mauereidechse, aber auch Blindschleichen ideale Lebensbedingungen vorfinden. "Dass sich auf unserm Grundstück ein nach Süden und damit in Richtung Sonne exponierter Hang befindet, ist für diesen Zweck ideal. So können wir für Eidechsen wirklich ein passendes Biotop schaffen", erläuterte Erich Dorner, der sich vorab mit Christoph Bernd, dem Leiter der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz im Saarland, das Gelände angesehen und entsprechende Pläne erstellt hat. Zum gleichen Zeitpunkt wird dann auch die ebene Vorfläche der Böschung so bearbeitet, dass die für den Zollbahnhof so typischen Pflanzen der Trockenrasen besser gedeihen können. Diese unscheinbaren Gewächse, die auf trockenem, heißen und nährstoffarmen Untergrund ihren unwirtlichen Lebensraum finden, sind eine der Besonderheiten des aufgelassenen Bahngeländes. Schon ihre Namen wie "Mauer-Hungerblümchen", "Sandkresse", Sandhornkraut" oder "Dreifinger-Steinbrech" verraten einiges über die Standorte der unscheinbaren Pflanzen.

Weiterer Schauplatz von Pflegemaßnahmen wird der "Wässergraben" sein, der sich am Rande der Bliestalaue, an den Füßen von Kirchberg und Galgenberg entlang windet. Seit mehr als 20 Jahren betreut der Naturschutzbund diesen Bachlauf, der einzig aus sauberem Quellwasser gespeist wird und deshalb in der Region einzigartig ist, was die Qualität des Wassers anbelangt. In jenen Zeiten, in denen das Altstadter Wiesental zwischen Niederbexbach und Beeden noch be- und entwässert wurde, hatte der "Wässergraben" eine zentrale Funktion. Einem besonderen Problem wollen die Naturschützer jetzt zuleibe rücken, das sich unter dem "Brückchen" in Höhe des ehemaligen Wasserwerkes unweit des Friedhofes gebildet. Just unter diesem Steg hat sich eine Art "Staudamm" aus Sand, Kies und Holz gebildet, die den Abfluss verhindern: Während vor der Brücke das Wasser zu stehen scheint und in den durchlässigen Boden versickert, ist dahinter nur noch ein Rinnsal zu sehen. "Ideal wäre es, wenn dieser Durchlass mit Hochdruck ausgeblasen wird. Aber eine solche Einrichtung haben wir nicht, höchsten die Feuerwehr", meinte Erwin Wolf, der den Zustand des Wässergrabens immer im Blick hat. Angeschafft wird deswegen ein Neopren-Anzug, mit dem die Naturschützer jetzt unter der ziemlich schmalen und schwer zugänglichen Brücke klar Schiff machen wollen. Erschwert werden diese Arbeiten freilich nicht nur durch die Enge, sondern auch durch die dort verlaufende Gas-Pipeline. Der Rückschnitt von Kopfweiden am "Brandweiher" sowie der Obstbaumbestände in Richtung Lappentascherhof stehen daneben auf der "Agenda Anfang 2004" des Altstadter Umweltverbandes.

Martin Baus

 

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Letzte Änderung: 09.01.2004