Mauerbau des Naturschutzbundes für die Sonnenbäder der Eidechsen

Zu ging es zunächst wie bei der Steinstoß-Olympiade in keltischen Gefilden: Große Brocken aus Sandstein mussten die Akteure erst schleppen und dann einen Hang hinauf bugsieren. So kam dann Zug um Zug ein Wall zustande, auf dem sich spätestens im Frühjahr Eidechsen unterschiedlichster Arten zum Sonnenbad einfinden und möglichst vermehren sollen. Das war nämlich das vordringliche Ziel beim jüngsten Arbeitseinsatz des Altstadter Naturschutzbundes, neuen Lebensraum für die flinken Reptilien zu schaffen. Ein vereinseigenes Grundstück im Areal des ehemaligen Zollbahnhofes war Schauplatz der schweißtreibenden Arbeit bei winterlichen Temperaturen, zu dem die Helfer gleich in der Stärke von Fußballteams anrückten. "Heute brauche ich nicht mehr ins Fitness-Studio", meinte denn auch Harald Pfeiffer im Scherz. Just 70 Jahre alt geworden, wagte er sich dennoch auch an die dicksten Brocken. "Die Böschung, an der wir die Steine aufgeschichtet haben, ist ideal nach Süden ausgerichtet. Hier kommt die Sonnenwärme, auf die die Eidechsen angewiesen sind, optimal an", erläuterte Erich Dorner die Auswahl des Standortes. Gerade weil im Zollbahnhof insbesondere die ansonsten ganz rare Mauerdeidechse noch recht häufig anzutreffen ist, habe man dieses Gelände ausgesucht. "Dank der Bedingungenen im Zollbahnhof sind diese seltenen Tiere bis in die Altstadter Ortslage hinein noch recht gut verbreitet", skizzierte Bernd Binkle, der stellvertretende NABU-Vorsitzende. Eine ganze LKW-Ladung von Sandsteinen wurde so für die Eidechsen verarbeitet.



Mauerbau, damit die Eidechsen sich vermehren: Eine LKW-Ladung voller Sandsteine schichteten die Helfer des Altstadter Naturschutzbundes für die Reptilien auf. Die in Richtung Süden exponierte Böschung soll so zum idealen Lebensraum für die seltenen Kriechtiere werden.
Foto: Baus

Aber nicht an allein diesen Tieren mit der Sollbruchstelle am Schwanz galt der Arbeitseinsatz, auch die unscheinbaren Pflanzen der Trockenrasen sollen davon profitieren. "Mauer-Hungerblümchen", "Platterbsen-Wicke", "Nelkenhafer", "Dreifinger-Steinbrech", "Bauernsenf" oder "Kahle Gänsekresse": Recht lang ist die Liste jener Pflanzen mit merkwürdigen Namen, die auf dem Gelände des ehemaligen Zollbahnhofes zu finden sind. Das Besondere an ihnen: Es gibt sie sonstwo so gut wie nicht mehr. Und weil sie eben vom Aussterben bedroht sind, stehen diese Spezies auf der "Roten Liste" und sind per "Artenschutzverordnung" auch besonders geschützt. Auf dem Gelände des ehemaligen Zollbahnhofes finden sich derartige Pflanzengeslleschaften auf einem Areal von etwa 100.000 Quadratmetern. "Mit dieser Ausdehnung dürfte das die größte zusammenhängende Fläche im gesamten Saarland darstellen", urteilt der Wissenschaftler Peter Wolff, der gleichzeitig Mitautor des "Gefäßpflanzenatlas des Saarlandes" ist und auch ansonsten unermüdlich im "botanischen Einsatz" ist, um nach Raritäten in saarländischen und westpfälzischen Gefilden Ausschau zu halten. Zur "Flora des Zollbahnhofes" hat er ebenso ein umfangreiches Gutachten vorgelegt wie zur Pflanzenwelt der Naturschutzgebiete "Höllengraben" und Kühnbruch" in der Bliesaue zwischen Beeden, Altstadt und Niederbexbach.
Um nun eine weitere Ausdehnung dieser so genügsamen, aber seltenen Pflanzen zu ermöglichen, geht der Altstadter Naturschutzbund (NABU), der alljährlich zwecks "Rasenpflege" ans Werk. Dieses Mal aber gab es dafür sogar maschinelle Unterstützung. Landwirt Dieter Körner fuhr mit dem großen Trecker vor, und ein spezieller Krupper hatte in Nullkommanix eine Zone von mehreren hundert Quadratmetern zweckmäßig bearbeitet.
An den Kragen oder besser: an die Wurzel ging es im Rahmen der jüngsten Aktion insbesondere dem Ginster. Ihm wurde mit Astscheren, Sägen und "Wiedehopf", einer speziellen schweren Hacke, zu Leibe gerückt, um den besagten, viel selteneren Pflanzen neuen Lebensraum zu schaffen. Die entfernten "Bremmen" und sonstiges Geäst werden übrigens ganz naturnah "entsorgt". An einer abseitigen Stelle zur Verrottung aufeinander geschichtet, bieten sie nun wie eine Hecke allerlei Tieren wie dem Igel oder Vögeln und Insekten Zuflucht und Unterschlupf.
Martin Baus


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Letzte Änderung:21.01.2004