Weiden am Altstadter Brandweiher bekamen wieder ihre Bubiköpfe

"Wenn das so weiter geht, dann müssen wir bald auslosen, wer mithelfen darf", stellte Hans-Jürgen Sand nicht ganz ernst gemeint fest. Dass so viele Helfer zum jüngsten Arbeitseinsatz des Altstadter Naturschutzbundes gekommen waren, das verblüffte aber allgemein doch. Waren vor Jahresfrist gerade einmal eine Handvoll Akteure mit Astscheren, Sägen und Doppelhandsichel mit von der Partie, so hatte sich deren Zahl nun verdreifacht. "Vielleicht liegt es ja an den feinen belegten Brötchen, die es nach getanem Tagwerk gibt", suchte auch Bernd Binkle, der stellvertretende Vorsitzende des Altstadter Umweltverbandes, nach Erklärungen für die Resonanz.
Die Kopfweiden am "Brandweiher", einem ehemaligen Löschteich unweit des Zollbahnhofes, standen im Mittelpunkt. Ihnen eine neue "Frisur" zu verpassen lautete die Aufgabe, die das NABU-Team zu bewältigen hatte. Dieses etwa ein Hektar große Feuchtgebiet war vom Naturschutzbund vor mehr als 20 Jahren angelegt worden. Das Gelände befindet sich zum Teil im Eigentum des Umweltverbandes, zum Teil haben aber auch private Grundstücksbesitzer ihre Parzellen für den Naturschutz zu Verfügung gestellt. Bei der Bepflanzung des Terrains anno 1982 waren Weidenstöcke in den feuchten Erdboden gesteckt worden. Diese haben sich zwischenzeitlich zu ansehnlichen Büschen und Bäumen "gemausert".
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Bubiköpfe für Bäume: Auch Luka und Etienne Zorn im Vordergrund waren mit Eifer dabei, als der Altstadter Naturschutzbund mit großem Helferstab den Weiden in seinem Areal am Brandweiher den rechten Frühjahrsschnitt verpasste. Mehrere Dutzend Exemplare wurden mit Astscheren und Sägen wieder in die richtige Form gebracht.
Foto: Baus

Regelmäßig vor Frühlingsbeginn rückt der "Arbeitsdienst des Naturschutzbundes" - wie Mithelfer Erich Dorner zu sagen pflegt - aus, um speziell der Kopfweide dort neue Flächen zu erschließen. Die Form der Weide hat eine alte Tradition: Früher stand sie in Wiesen, um einerseits die Ufer von Bächen, Gräben und Teichen auf natürliche Weise zu befestigen und vor Abbrüchen zu schützen. Andererseits wurde aus ihr auch ganz praktischer Nutzen gezogen; der Rückschnitt auf den Stamm diente auch der Gewinnung von Weidenruten, die beim Flechten Verwendung fanden. Körbe entstanden so in kunstfertiger Handarbeit, die bei der Kartoffelernte zum Beispiel eingesetzt wurden. Mit derlei Flechtwerk haben die Altstadter Naturschützer natürlich längst nichts mehr am Hut. Ihnen geht es vielmehr darum, die Kopfweide als Lebensraum für verschiedene Vogelarten zu erhalten oder auch wieder anzubieten. Allerdings ist der Wiedehopf noch nicht wieder zurückgekehrt, der als auffälliger und farbenprächtiger Gast früher in den Kopfweiden heimisch war. Aber die Weidenmeise kann man durchaus häufiger in den Bäumen von der merkwürdigen Gestalt beobachten, deren fachgerechter Schnitt im Fachjargon als "Schneiteln" bezeichnet wird "
Angeleiert" worden war die Pflanzung von Kopfweiden im übrigen vom ehemaligen Kreisvorsitzenden des Umweltverbandes, Winfried Fromm aus Lautzkirchen. Der Rückschnitt der langen Vorjahrestriebe zurück auf eine Art "Bubikopf "ist inzwischen zur Routine geworden - ein halber Morgen genügte, um die knorrigen Gesellen zurechtzustutzen und ihnen ein neues Outfit zu verleihen. Mehr Licht und Sonne wird künftighin auch der Teich haben, der sich inmitten des Biotops befindet. Die Weiden, die rund um seine Ufer stehen, wurden gleichermaßen beschnitten. Speziell Molche fühlen sich in dem Tümpel mit dem klaren Wasser pudelwohl. "Wenn die Sonnenstrahlen des bevorstehenden Frühjahrs das Gewässer bescheinen, wird den kleinen Vierbeinern die Fortpflanzung sicher noch einmal so viel Spaß machen", erläuterte einer NABU-Helfer den Hintersinn des Pflegeeinsatzes.

Martin Baus


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Letzte Änderung:17.02.2004