Heckrinder am Höllengraben

Kühe als aktive Vogelschützer - so weit wird es bald kommen, nämlich schon im Mai. Und sie werden sehenswert sein, die Rinder, die dann im Naturschutzgebiet "Höllengraben" zwischen Altstadt und Beeden grasen. Riesige Hörner haben die urwüchsigen Tiere nämlich, die zur der Rasse der so genannten Heckrinder gehören. "Es handelt sich um die Rückzüchtung der Auerochsen, die längst ausgestorben sind", informiert Christoph Braunberger. Acht Exemplare werden es nach seinen Worten fürs Erste sein, die demnächst als vierbeinige Landschaftspfleger ihren Einsatz haben - aus zwei Mutterkühen mit je einem Kälbchen, drei noch halbwüchsige Färsen sowie einem Stier besteht die Herde.
Eine großräumige Weide wird ihnen in der Talaue der Blies zur Verfügung stehen, ein Areal von insgesamt bald 20 Hektar. Zwölf davon befinden sich im Naturschutzgebiet, der Rest liegt außerhalb. "Bislang waren davon schon 14 Hektar als Weide genutzt. Wir vergrößern die Fläche jetzt noch einmal um Parzellen, die bis vor etwa einem halben Jahrzehnt auch noch in der gleichen Weise bewirtschaftet wurden", erläutert Braunberger. Der Mitarbeiter im Umwelt-Dezernat des Saarpfalz-Kreises hat für die Weißstorch-Arbeitsgemeinschaft dieses Projekt auf den Weg gebracht. Denn Freund Adebar profitiere ganz gewaltig von den Kühen.

Durch die Beweidung würden speziell neue Lebensräume für den stolzen Schreiter erschlossen. Aber auch andere Arten, die auf offenere Flächen in der Landschaft spezialisiert sind, bekommen durch den Einsatz des Rindviehs bessere Chancen. "Wir schaffen damit Biotope zum Beispiel auch für bedrohte Vogelarten wie den Kiebitz, die Bekassine, den Wiesenpieper oder das Braunkehlchen. Und auch für Frösche wird sich diese behutsame Nutzung von Teilflächen im Naturschutzgebiet positiv auswirken", meint der passionierte Ornithologe. Insgesamt werde das Naturschutzgebiet, das mit Auwald, großen Schilfgebieten, Hochstaudenflächen, Seggenröhrichten, Tümpeln, Teichen und Quellen bereits mit hochwertigen Biotopen ausgestattet ist, reicher an unterschiedlichen Strukturen und damit in seiner Qualität weiter verbessert, Betreut wird die Herde von Roland Lambert: Der Landwirt, der seinen Betrieb auf der anderen Bliesseite auf dem Bliesbergerhof hat, hat als Rinderzüchter mit langjähriger Erfahrung diese Aufgabe übernommen, nachdem er schon bisher größere Fläche mit "normalen Kühen" beweidet hatte. Ein Elektrozaun wird das betreffende Gelände demnächst umgeben.

Die Heckrinder selbst, die zwar das Aussehen der Auerochsen haben, aber etwas kleiner als das durch Bejagung ausgerottete Original sind, gelten als robust. "Die können das ganze Jahr über draußen auf der Wiese bleiben, ganz egal wie das Wetter ist. Die sind widerstandsfähig, nicht anfällig für Krankheiten, fressen so ziemlich alles was ihnen zwischen die Zähne kommt, wenn es sein muss auch das Holz von aufkommenden Bäumen", skizziert Braunberger. Auch wenn sie mit ihrem martialischen Aussehen einen wenig freundlichen Eindruck machen, so seien sie doch sehr friedlich. Auf rund 10.000 Euro beziffert er die Kosten, die für das Projekt in Sachen Naturschutz aufgebracht werden müssen. Die Weißstorch-AG wird ihr Scherflein dazu beisteuern, aber auch Sponsoren haben sich dafür gefunden. So werden Landrat Clemens Lindemann und der eeder Ortsvertrauensmann Gerhard Wagner sowie ein Jagdpächter Kühe kaufen. "Importiert" werden sie im übrigen aus einer Zucht in der Oberpfalz. Und wenn die Herde gedeiht, dann wird das Fleisch der Heckrinder in nicht llzulanger Zukunft als Ökoprodukt vermarktet.
Martin Baus

 

Hintergrund:

Der Auerochse ist der Stammvater aller Hausrinder. Einst waren diese Wildrinder über weite Teile Europas, Asiens und Nordafrikas verbreitet. Vor über 300 Jahren ist der Auerochse ausgestorben, da er vom Menschen gejagt und sein Lebensraum, die Wälder, durch die sich ausbreitenden Kulturlandschaften zerstört wurde. Den Gebrüdern Heck, Zoodirektoren in München und Berlin, gelang es durch Rückzüchtung in den 1930er Jahren einen "neuen Auerochsen" vorzustellen, der mit Ausnahme der Größe wesentliche Eigenschaften des Ur-Rindes aufwies. Inzwischen hat sich dieses Heck-Rind (benannt nach den Züchtern) zu einer widerstandsfähigen Rasse stabilisiert. Europaweit gibt es über 2000 Exemplare davon.


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Letzte Änderung: 04.04.2004