Feldlerche im Steigflug, Neuntöter auf dem Präsentierteller, Nachtigall auf Zwitschertour

Spiralartig drehte sie Runde um Runde nach oben, immer höher hinaus wollte sie, bis sie schließlich auf etwa 150 Metern über dem Erdboden in der Luft stehen blieb. Und sie sang dabei aus voller Kehle: Von der Feldlerche ist die Rede, einer zwischenzeitlich ziemlich raren Vogelart. Den Teilnehmern der ornithologischen Exkursion, zu der der Altstadter Naturschutzbund und die örtliche Volkshochschule eingeladen hatten, präsentierte sich die Lerche wie aus dem Lehrbuch. "Da auf den Getreidefeldern, dem Lebensraum dieses Vogels, erhöhte Singwarten fehlen, markieren die Männchen durch weithin hörbare Singflüge ihr Revier. Bei diesem Verhalten fliegt das Männchen zunächst lautlos mehrere Meter hoch. Dann beginnt es mit dem Gesang und steigt gleichzeitig mit raschen Flügelschlägen steil in die Höhe. Dabei stellt es sich mit gespreiztem Schwanz gegen den Wind. Sobald der Vogel ausreichende Höhe erreicht hat, kreist er langsam auf einer Höhe und scheint singend in der Luft zu hängen bis er plötzlich mit ausgebreiteten Flügeln, gefächertem Schwanz und ausgestreckten Füßen immer noch singend wie abwärts segelt - wie ein Fallschirm. Während dem Herabsegeln oder am Ende kann auch ein Sturzflug eingelegt werden. Bis heute ist nicht vollständig geklärt, wie Feldlerchen die atemtechnische Meisterleistung vollbringen, bei dem ohnehin anstrengendem Steigflug gleichzeitig ohne deutliche Unterbrechung zu singen", erläuterte Christoph Braunberger, der Leiter der Tour in die Natur, die "Spezialitäten" der Feldlerche.


Richtig riesig war die Resonanz an der Wanderung. "So viele Interessierte waren wirklich noch nie da", konstatierte VHS-Leiter Arno Hübler. Dass derlei Resonanz auch Probleme mit sich bringt, zeigte sich auch daran, dass der Feld der Wanderer sich bisweilen doch arg lang auseinanderzog und so nicht jeder alles mitbekommen konnte. Ziel war letztlich das Areal des ehemaligen Zollbahnhofes, wo vor allem die Nachtigall im Blick- oder besser: im Hörpunkt stand. "Keine Frage: der Zollbahnhof ist das beste Nachtigallenrevier weit und breit. Und das gleiche lässt sich mit Fug und Recht auch für den Orpheusspötter sagen", informierte Christoph Braunberger. Binnen zwei Stunden und auf etwa zweieinhalb Kilometern wurde die Nachtigall an zehn verschiedenen Standorten "verhört". "Und das trotz fortgeschrittener Jahreszeit und obwohl wir wirklich nur einen minimalen Teil des Biotops abgegangen sind". Ganze sechs Wochen, so informierte Braunberger die Teilnehmer, singe die Nachtigall, das aber bis zu 20 Stunden am Tag und teilweise sogar nachts. "Warum singen die Vögel überhaupt ? - Mit Sicherheit nicht, um dem Menschen damit zu gefallen. Damit grenzen sie ihrer Reviere untereinander ab, und gleichzeitig wird damit für die Paarung geworben". Wenn die Nachtigall, die eher in südlichen, mediterranen Gegenden verbreitet ist und in Deutschland nur in Gebieten unter 400 Meter vorkommt, bei der Brut und bei der Nachwuchspflege ist, wird sie stumm und unauffällig. Selbst versierte Beobachter haben dann kaum noch eine Chance, dem flinken Kleinvogel gewahr zu werden. Bei der Wanderung gab es so denn noch so einige seltene Naturbeobachtungen. Insgesamt bekamen die Wanderer in Sachen Vogelkunde gut 30 verschiedene Arten "Piepmätze" ins Visier ihrer Feldstecher, darunter weitere Seltenheiten wie den besagten, die schmucke Goldammer, vier Grasmückenarten oder den Neuntöter, der sich auf kurze Distanz auf einem Weißdornbusch gekonnt
in Szene setzte.

Martin Baus

Neuntöter, auch Rotrückenwürger genannt, im Visier: Bei der Vogelwanderung im Altstadter Zollbahnhof.
Foto: Baus


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Letzte Änderung: 17.06.2004