NABU-Ortsgruppe mit dabei beim ersten Altstadter Martinsmarkt

Eine Attraktion, die beim Altstadter Martinsmarkt die Blicke auf sich lenkte, stand eigentlich gar nicht auf dem Programm: Dass nämlich reihenweise riesige Schwärme von Kranichen in ihren typischen Formationsflügen just über den Dorfplatz zogen und mit ihrem Geschrei die Besucher unten am Boden grüßten. Ansonsten lief bei der Premiere des Festes im Vorfeld des Martinstages alles ziemlich fahrplanmäßig ab, auch wenn der eine oder andere Regenschauer zum samstäglichen Auftakt für längere Gesichter sorgte. "Haupdsach es reent net", war denn zum Sonntagsgeschehen einer der meist gehörten Sätze. Und tatsächlich blieb es dann auch bis zum Ende zwar kalt, aber trocken.

Die acht Vereine, die mit von der Premierenpartie waren, hatten sich in Sachen Dekoration ihrer im Kreis aufgebauten Stände gehörig Mühe gegeben. Eine Fülle unterschiedlicher Laternen, wie man sie von den Martinsumzügen kennt, illuminierte die Bude des Sportvereins, beim Turnverein erwarteten Sitzgelegenheiten die Gäste, die mit wärmenden Lammfellen ausgestattet waren. "Sieht richtig urig und gemütlich aus", meinte eine Besucherin beim Blick in den lauschigen Unterstand. Äste mit viel buntem Laub dran verliehen dem Gelass des kirchlichen Fördervereins den Anschein einer im lauschigen Herbstwald versteckten Hütte. Überhaupt das Laub: Dicke Schichten bunter Blätter auf dem doch aufgeweichten Boden hatten einige der Akteure als Rezept gegen kalte Füße und als optischen Aufheller des Martinsfestes ausgestreut Besonderen Reiz, insbesondere auf die zahlreichen Kinder, hatte das Holzfeuer, das der Förderverein Jugendfußball im Zentrum des Budenzirkels unterhielt. Zu Sicherheit an langen Haselstecken hielten sie mit Begeisterung ihre in Alufolie eingewickelten "Grombeere" in die Glut, um sie zu garen. Selbst der bisweilen gar beißende Rauch konnte sie davon nicht abhalten. Runkelrüben zu schaurigen "Rummelboozen" zu modellieren, dazu gab es tags darauf beim Turnverein Gelegenheit. Und die unter Anleitung von Anja Pommerening geschnitzten Fratzen wurden hernach nicht ohne Stolz und spitzbübig auf dem Festareal präsentiert.

Eingeweiht wurde die wurde die neue Bühne, die von der Gemeinde auf dem Dorfanger installiert wurde. Nachdem Ortsvorsteher Rudi Enkler von oben herab den Startschuss zum Feiern gegeben hatte, war es das vielköpfige Gitarrenensemble "Eckes", das das neue Betonpodium musikalisch einweihte. Wander- und Volkslieder gab es zu hören, und nicht wenige stimmten mit ein bei Liedern wie "Die Gedanken sind frei".

Einiges einfallen lassen hatten sich die Budenbetreiber, was ihre Speisekarten anbelangte. Bei den kühlen Temperaturen war Deftiges und Wärmendes gefragt, und so konnte die örtliche SPD über regen Zuspruch nicht klagen - ihre gut gewürzten Merguez gingen ebenso weg wie warme Semmeln wie die heißen Würste vom Rost der Kegler oder die Gänsekeule samt Knödeln bei den Oldtimern. Dass er warm mache ums Herze und die um die Füße, pries der Naturschutzbund seinen echten Martinswein an - die Reklame hatte Erfolg, der starke Rote war schnell gänzlich ausgetrunken.

Proppenvoll war der Martinsmarkt dann, als es zu Verlosung ging. 600 Lose waren verkauft worden, und Preise wie Schlachtplatten, herbstliche Gestecke, Nistkästen, Weinreben, Gutscheine und Apfelbäumchen lockten. Den Hauptgewinn - eine lebendige Martinsgans - heimste Renate Ehrmanntraut ein. Was sie mit ihrer schnatternden Bescherung wohl anfangen wird, darüber rätselte hernach der der ganze Festplatz. Als schließlich in der Dunkelheit Gordian Pauly mit seinen elf Pferdestärken in Gestalt eines betagten Bulldogs ins Zentrum des Geschehens tuckerte, gab es kein Halten mehr. Mit der Verteilung der Martinsbrezeln aus seinem großen Rückenkorb endete die Premiere des Altstadter Martinsmarktes.

Martin Baus

 



 

 

 

 

 




Fotos: Baus, Geib

 


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Letzte Änderung: 08.11.2004