Damit der Eisvogel besser fischen kann - NABU Altstadt arbeitete am Wäschbach

Eine regelrechte Schlammschlacht war es, die sich der Altstadter Naturschutzbund bei seinem jüngsten Arbeitseinsatz lieferte. In Schweiß treibender Handarbeit wurde mit Rechen und Schaufel ein Bachlauf auf Vordermann gebracht. Der Wäschbach, der am Rande des Wiesentals der Blies entlang fließt, war Schauplatz der Pflegemaßnahme in Sachen Umweltschutz. Eine Besonderheit daran: Mit von der Partie waren Etienne und Lucca Binkle, die zusammen mit ihrem Großvater Bernd Binkle eifrig Hand anlegten. Und wiederum ihr Urgroßvater Karl Binkle hatte vor über einem halben Jahrhundert den offiziellen Arbeitsauftrag, den Wäschbach im Auge zu behalten.

Angelegt worden war der Graben, nachdem sich die Altstadter Bauern irgendwann im vorvorigen Jahrhundert ein ausgeklügeltes System zur Be- und Entwässerung ihrer Wiesen überlegt hatten. Schleusen, Quellen, Gräben und Gräbchen sowie nicht zuletzt auch die natürlich vorhandenen Wasserläufe waren in dieses Netzwerk eingeflochten worden. Und dieses Geflecht war es dann auch, das bei anhaltender Trockenheit die Möglichkeit bot, das Wiesenland zu bewässern, während andererseits in der Zeit der Heu- und Grummeternte das nasse Element zwecks trockenerem Arbeiten auf einfache Weise abgeleitet werden konnte.

Doch diese Zeiten sind schon lange passé. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft, bei der die kleineren Bauernhöfe fast ausnahmslos das Handtuch warfen, büßte auch die "Wässerei" ihre Funktion ein. Heu und Grummet waren plötzlich Fremdwörter geworden, Silage hieß und heißt die Devise des industriellen Grünschnitts, große Trecker mähen mit wuchtigen Kreiseln in atemberaubendem Tempo. Was geblieben ist, sind Ruinen von Schleusen, zugewuchert, von der Natur zurückeroberte Gräben, verrohrte, unteriridische Wasserläufe, die der rasanten Landbearbeitung wegen im Weg waren.

Allein besagter Graben, in Altstadt noch als "Wässergraben" geläufig, hält bisweilen die Erinnerungen an diesen Alltag vergangener Zeiten wach. Nachdem der Bach der Wässerei längst ledig war, bot er über Jahre hinweg verwahrlost, verschmutzt und zur Abwasserkloake verkommen, ein wenig schönes Bild. Zeitweise wurde deswegen sogar mit dem Gedanken gespielt, ihn einfach mit Bauschutt und sonstigem Material zu verfüllen. Tatsächlich war bereits ein Teil des Be- und Entwässerungssystems auf diese Art verschwunden. Über 20 Jahre ist es nunmehr her, dass der Naturschutzbund von der örtlichen Wässereigenossenschaft den Bach im Pachtverhältnis übernahm. "Wir wollen den Graben unbedingt erhalten, weil er in vielerlei Hinsicht wichtige Funktionen im Naturhaushalt erfüllt", erläuterte Bernd Binkle. Allein schon der Umstand, dass der Bach ausschließlich von einer artesischen Kesselquelle gespeist werde, sei einzigartig: Das Wasser ist absolut sauber. Bewachsen ist der Wässergraben auf einer Seite von einem Saum uralter Eichen-, Erlen- und Weidenbäume. Und weil diese Riesen nun einmal ihrer Natur nach im Herbst ihr Laub abwerfen, geht der NABU immer wieder an Bach arbeiten. Erwin Wolf ist es vor allem, der regelmäßig auf Kontrolle geht und die kleinen Hindernisse gleich beseitigt. Wenn der Bisam aber kurzerhand einmal das Wasser umleitet, dann ist schon einmal ein größerer Einsatz angezeigt. Und das rentiere sich auf jeden Fall, denn schließlich könne man hier auch den Eisvogel beobachten, der im klaren Wasser nach kleinen Fischen wie den Stichlingen jagt



Martin Baus


 



Wie ihr Urgroßvater Karl Binkle eifrig bei der Arbeit am Wäschbach:
Etienne, Lucca und Bernd Binkle beim jüngsten Arbeitseinsatz
des Naturschutzbundes.
Foto Baus


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Letzte Änderung: 21.03.2005