Landrat besichtigte nach Baumpflanzung die Zerstörung des Zollbahnhofes

"Sie hat das Wort Ross als Beinamen, weil sie erkrankten Pferden, besonders bei Husten und Wurmkrankheiten, Erleichterung verschafft", berichtete anno 1557 der "Heilarzt" Willem Quackelbeen aus Konstantinopel über die positiven Gesundheitseffekte der Rosskastanie. Aber nicht dieser wohltuenden Wirkung wegen pflanzte Landrat Clemens Lindemann jetzt einen bereits ziemlich stattlichen Baum dieser Art, der Anlass war ein ganz anderer. Er übergab Peter Hellenthal, dem Kreisvorsitzenden des saarpfälzischen Naturschutzbundes einen Scheck über 750 Euro, einen Betrag, mit dem die Arbeit der über zwei Dutzend NABU-Ortsgruppen im Kreisgebiet unterstützt wird. Und weil der Umweltverband in Altstadt gerade 25 Jahre alt wird, war der Kirkeler Ortsteil Schauplatz von Geldübergabe und Baumpflanzung. Dass es sich dabei ausgerechnet um eine Rosskastanie handelte, lag daran, dass diese zum Baum des Jahres 2005" erklärt worden ist. Und so hatte Erich Dorner vom Altstadter Verein den Vorschlag gemacht, zum Jubiläum einen solchen Baum, der bis zu 30 Meter hoch werden kann, zu pflanzen.
 
So waren denn neben zahlreichen örtlichen Naturschützern auch eine ganze Reihe von Vorsitzenden der einzelnen Ortsgruppen gekommen. Dort konnte Landrat Lindemann denn vor Ort in Augenschein nehmen, wie die Zuschüsse verwendet werden. Rund sieben Hektar Grund und Boden waren seit der Gründung des Altstadter Vereins im Mai 1980 erworben und beispielsweise mit Obstbäumen und Sträuchern bepflanzt worden. "Unsere ersten Ankäufe von Parzellen konnten wir nur in die Tat umsetzen, weil der Landrat uns damals sehr großzügig unterstützt hat", erinnerte Martin Baus daran, dass Clemens Lindemann in der Mitte der 1980er Jahre, kurz nach seinem Amtsantritt mit einem stattlichen Zuschuss nach Altstadt gekommen war. Dass derlei Investitionen in den Naturschutz ihre Wirkung haben, dokumentierte eine eifrig zwitschernde Nachtigall, die der Zusammenkunft das passende Ambiente verlieh. "Wenn wir so sehen und hören können, wie sich seltene Vogelarten ansiedeln, dann ist das die Bestätigung für unser Engagement", unterstrich der Altstadter Vorsitzende. Dass der Ornithologe Christoph Braunberger unmittelbar am Standort des neuen Baumes ganz seltene Spezies wie Ortolan, Brachpieper, Steinschmätzer und Schafstelze in teilweise großer Anzahl beobachtet hatte, freute die Naturschützer ganz besonders.
 
Nicht nur gute Nachrichten gab es indes zu vermelden, wie der Landrat zusammen mit den Naturschützern in unmittelbarer Nähe zum Ort der Baumpflanzung in Augenschein nehmen konnte. Auf dem Gelände des ehemaligen Zollbahnhofes, der im Sommer des letzten Jahres von der saarländischen Landesregierung ganz offiziell zum "Vorranggebiet für Naturschutz" gemacht worden war, wurden weite Teile von einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn zerstört, um eine Schotter- und Bauschutthalde anzulegen. "Mit dem so viel beschworenen Umweltbewusststein der Eisenbahn ist es nicht weit her. Wenn es einen Preis für mangelndes Umweltbewusstsein gäbe, dann hätte ihn die Bahn verdient", meinte Lindemann. Dem Saarpfalz-Kreis als Naturschutzbehörde seien bei diesem Problem die Hände gebunden, die Bahn könne sich aufgrund der geltenden Gesetze "wie ein Staat im Staat" gebärden und derlei Vorhaben rücksichtslos realisieren. Dass die derzeitigen Zustände nur einen ersten Vorgeschmack auf Schlimmeres bieten, erfuhren die Naturschützer im Nachhinein: So stehe der Bau einer eigenen Zubringerstraße für den Zollbahnhof bevor, die speziell für Schwertransporter angelegt werden. "Wir hatten gehofft, dass mit der Ausweisung als Vorranggebiet für Naturschutz der Lebensraum für so viele seltene Tier- und Pflanzenarten gerettet ist. Stattdessen müssen wir sehen, dass hier ein Industriegebiet der schäbigsten Sorte entsteht. Und der Umweltminister stimmt diesem Frevel auch noch zu", betonte Martin Baus.
In der sich anschließenden Diskussion waren aber nicht nur die Vorgänge im Areal des Altstadter Zollbahnhofes Thema, auch andere aktuelle Umweltprobleme wurden angesprochen - die Ausweisung des "Biosphärenreservates Bliesgau" etwa, der umstrittene Kreisel am Ortseingang von Blieskastel oder der Mountain-Bike-Parcours auf der Bergehalde in Bexbach.
Martin Baus


 

 

 




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Letzte Änderung: 12.05.2005