Auch kritische Worte gab es beim Jubiläum des Altstadter Naturschutzbundes

Die größte Überraschung hatte Franz Kehrein für den Altstadter Naturschutzbund parat: Der passionierte Naturfilmer aus Waldmohr schenkte dem Umweltverband jene Aufnahmen, die er zu Beginn der 1980er Jahre vom Feuchtgebiet am "Höllengraben" gemacht hatte. Gezeigt worden war der Film erstmals in der damals vollbesetzten Hugo-Strobel-Halle, und Kehreins Dokumentation hatte wesentlich dazu beigetragen, dass das Areal in der Bliesaue zwischen Altstadt und Beeden als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden war. Den Rahmen für die Überreichung des Präsentes bot die Feier zum 25jährigen Bestehen des Naturschutzbundes. "Begonnen hatte alles in der Jagdhütte im Altstadter Wald, die als eine Art konspirativer Treff für die Vorbereitungen zur Gründung genutzt wurde. Denn es gab im Ort schon einige Vorbehalte gegen unseren Verband", ließ Vorsitzender Martin Baus die Anfänge Revue passieren und erinnerte insbesondere an die "Patenschaft", die Hubert Weyers aus Homburg übernommen hatte. Dass heute über 350 Namen in der Mitgliederkartei stehen und der Verband rund sieben Hektar Grund und Boden sein Eigen nenne, stehe auf der positiven Seite der Bilanz.

Ein schwerer Rückschlag sei indes die Zerstörung von Teilbereichen des Zollbahnhofes gerade in den zurückliegenden Monaten gewesen. "Über 20 Jahre haben wir uns für die Erhaltung dieses Gebietes eingesetzt, das wegen der Vielfalt der seltenen Tier- und Pflanzenarten überregional einzigartig ist. Und ausgerechnet in dem Moment, in dem diese Schutzwürdigkeit offiziell anerkannt und der Zollbahnhof als Vorranggebiet für Naturschutz ausgewiesen wird, wird er zerstört",machte der Vorsitzende keinen Hehl daraus, dass auf Seiten des Altstadter Naturschutzbundes Ernüchterung und Resignation eingekehrt sei. Dass es möglich sei, eine derartige Fläche für ein Schotterlager und eine Baustoffhandlung zu zerstören, sei für die ehrenamtlichen Naturschützer nicht nachvollziehbar. "Diese industrielle Erschließung ist nicht nur negativ für den Naturschutz, sondern für die Lebensqualität in unserem Ort insgesamt - und wir müssen unsere Rolle erst wieder neu finden", betonte Martin Baus. Er erinnerte auch an die Verseuchung des Grundwassers in Altstadt: Seit 17 Jahren werde das Totalherbizid Bromazil in Boden und Grundwasser nachgewiesen, Entwarnung sei nach wie vor nicht in Sicht. "Dass die Bahn als Verursacher dieser Verschmutzung gerade jetzt eine neue und aufwändige Sanierungsanlage installiert hat, dokumentiert, wie langwierig und teuer Nachlässigkeit sein kann. Es steht zu befürchten, dass das neue Industriegebiet im Zollbahnhof diese Probleme weiter verschärft".

Dr. Berthold Budell, der ehemalige saarländische Umweltminister, forderte die NABU-Mitglieder dazu auf, allen Widerständen und Rückschlägen zum Trotz "weiter für die Sache der Umwelt den Kopf hinzuhalten". Dieses Ziel sei mit dem Erwerb von Grundstücken am effektivsten zu verfolgen. Landrat Clemens Lindemann lobte vor allem die zahlreichen Aktionen, bei denen der Altstadter Verein Obstbäume oder Sträucher gepflanzt habe und sagte für derlei Einsätze seine weitere Unterstützung zu. Kirkels Beigeordneter Dr. Hans-Josef Regneri ging noch einmal auf die Probleme der Grundwassersanierung ein, während Ortsvorsteher Rudi Enkler den Niedergang älterer örtlicher Vereine ansprach und dem NABU zubilligte, in dieser Hinsicht eine Gegenentwicklung genommen zu haben. NABU-Landesvorsitzender Ulrich Heintz zeichnete schließlich eine Reihe von "Mitgliedern der ersten Stunde" aus. Für ihr langjähriges Engagement wurden Hannes Sand - er ist seit der Gründung Kassierer des NABU - Bernd Binkle, Erwin Wolf, Arno Hübler, Herbert Biehl und Kurt Wolf geehrt.
Martion Baus

 


 

 

 




Fotos Geib


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Letzte Änderung: 25.11.2005