Bliesaue bei Altstadt wird zum Vogelschutzgebiet von europäischem Rang

Knapp 20 Jahre nach der offiziellen Ausweisung als Naturschutzgebiet werden die Feuchtgebiete am Höllengraben weiter aufgewertet. Das komplette Tal der Blies zwischen Altstadt und Beeden soll nämlich zum "EU-Vogelschutzgebiet" werden. Insgesamt 130 Hektar umfasst das betreffende Areal, das sowohl als Rastplatz wie auch als Brutgebiet für eine Vielzahl von Vogelarten von überregionaler Bedeutung ist. Christoph Braunberger, passionierter Ornithologe und Mitarbeiter des Umweltdezernates beim Saarpfalz-Kreis, informierte über die neuen Planungen. Den Rahmen dazu bot eine Begehung, zu welcher der Altstadter Naturschutzbund zusammen mit der örtlichen Volkshochschule eingeladen hatte. "Dieser Bereich der Bliesaue zählt zu den fünf bedeutendsten Rast- und Brutgebieten im Saarland, gehört quasi zu den 'Top five'. Deswegen erging seitens des saarländischen Umweltministeriums die Meldung an die Europäische Union, die nun die förmliche Anerkennung als EU-Vogelschutzgebiet in die Wege leiten wird", informierte Braunberger.
Obwohl kaum ein Quadratmeter des künftigen Schutzgebietes zur Gemarkung von Beeden gehöre, firmiert es offiziell unter der Bezeichnung "Beeder Bruch". In etwa "fifty-fifty" befinden sich die Flächen indes auf Homburger und Altstadter Bann. "Das sind wir ja gewöhnt, dass wir bei solch amtlichen Namengebungen regelmäßig unter den Tisch fallen", verwies ein Teilnehmer der Exkursion auf das Wasserwerk "Beeden", das ebenso Altstadter Terrain ist wie die Kläranlage mit dem Namen "Limbach". Wichtiger als die örtlichen Zugehörigkeiten war für die Spaziergänger in Sachen Naturschutz freilich die ökologische Ausstattung des neuen Schutzgebietes. "Es handelt sich, wie unschwer zu erkennen ist, um eine weiträumige Wiesenlandschaft mit einem großen Anteil an feuchten Wiesen. Schilfröhrichte gehören ebenso dazu wie Hochstaudenfluren oder Auwälder. Und nicht vergessen werden dürfen die Gewässer - vom Beeder Aussichtspunkt herunter bietet sich ja ein besonders eindrucksvoller Ausblick auf die zahlreichen Teiche", umriss der Vogelkundler das vielfältiges Landschafts- und Biotop-Mosaik. Ziel der Ausweisung sei es insgesamt, das Gelände als Brut-, Rast und Überwinterungsgebiet für Vögel zu sichern und weiter zu entwickeln. "Das bedeutet aber auch, dass die Landwirtschaft im jetzigen Stil weiter betrieben werden darf, es gilt allein das so genannte Verschlechterungsverbot. Eine intensivere Bewirtschaftung ist also nicht mehr möglich".


Keimzelle und Kernzone des "Beeder Bruchs" bleibt weiterhin das Naturschutzgebiet "Höllengraben". Auf dessen wichtige Rolle für den Vogelschutz hatte zu Beginn der 1980er Jahre der kürzlich verstorbene Ornithologe Hubert Weyers aus Homburg aufmerksam gemacht. Seine Beobachtungen teilweise sehr seltener Vogelarten waren die Grundlage für die Unterschutzstellung. Erstmals im Saarland wurde beim "Höllengraben" das Mittel der Flurbereinigung angewandt, um die komplette Fläche in öffentlicher Hand zu sichern. Heute teilen sich die Stadt Homburg und Gemeinde Kirkel, die Naturlandstiftung Saar und der "Energis" als Betreiber des Wasserwerks an der Kaiserstraße den Grundbesitz. Auch der Altstadter Naturschutzbund nennt weite Teile des Feuchtgebietes sein eigen.


Beim jetzigen Ortstermin sorgte insbesondere der Kuckuck für "seine Galaveranstaltung. Nicht nur, dass die Begehung permanent durch seinen bekannten Ruf begleitet wurde, auch im Flug zeigte sich der stattliche Vogel immer wieder. Christoph Braunberger konnte aber auch von den seltenen Beobachtungen der letzten Zeit berichten. Demnach verweilten sogar Nilgänse und Seidenreiher im künftigen Vogelschutzgebiet. "Und die Hinweise verdichten sich, dass auch die rare Rohrweihe nach langner Zeit wieder Brutvogel im Schilf des Höllengrabens ist". Nach Rohrammer, Schilfrohrsänger, Feldschwirl und einem Blick auf die wuchtigen Wasserbüffel zog ein Gewitter auf, das jeglicher weiteren Lust auf Vögel Abbruch tat.



Martin Baus

 



Fast wie am Amazonas: Weil sich die Bliesaue zwischen Altstadt und Beeden zum bedeutenden Brut- und Rastplatz für zahlreiche Vogelarten gemausert hat, soll das Gelände auf nun als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen werden.
Foto Martin Baus





 


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Letzte Änderung: 22.06.2006