Laubfrosch-Einbürgerung im Beeder Bruch

 

Wenn der Laubfrosch beharrlich ääpt, dann sind die Naturschützer so richtig aus dem Häuschen - sind doch seine merkwürdigen Rufe ein sicheres Signal dafür, dass er sich so langsam aber sicher in seiner neuen Umgebung häuslich einrichtet. "Ja, unsere vor vier Jahren begonnene Einbürgerungskampagne scheint erfolgreich. An lauen Maiabenden, in der Dämmerung, waren erstmals die typischen Laute des Laubfroschs zu hören", berichtet Christoph Braunberger. Unter der Regie des passionierten Ornithologen vom Umweltdezernat des Saarpfalz-Kreises waren vor nunmehr genau vier Jahren die ersten Kaulquappen dieser Art in die freie Natur ausgesetzt worden. Schauplatz der Auswilderung war die Bliesaue zwischen Altstadt und Beeden, wo sich im Tal der Blies unter anderem das Naturschutzgebiet "Höllengraben" und das künftige EU-Vogelschutzgebiet "Beeder Bruch" befinden.
Fortgesetzt wurde die Aktion auch jetzt wieder, aber unter etwas anderen Vorzeichen. Wurden in den Vorjahren jeweils nur die "Mollekepp" in unterschiedlicher Anzahl in den Teichen und Tümpeln ausgesetzt, so waren es heuer Jungtiere, die die Metamorphose, sprich die Verwandlung hin zum kleinen Frosch, schon hinter sich gebracht haben.

"Wir haben nämlich ein großes Problem", sagt Braunberger mit Sorgenfalten auf der Stirn. In einer ganzen Reihe von Tümpeln und Teichen seien von unbekannter Hand nämlich Fische ausgesetzt worden, Sonnenbarsche genauer gesagt. Und Froschlaich sei eine der Leibspeisen dieses bis zu 30 Zentimeter langen Fisches, den es erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in europäischen Gefilden gibt. Natürlicherweise kommt der Sonnenbarsch in Binnengewässern zwischen Kanada und Texas vor. "Diese Tiere in der freien Wildbahn auszusetzen ist illegal", betont Braunberger. Weil dieser Fisch die Amphibien dezimiere, werde nun nach Möglichkeiten gesucht, ihn auszutricksen. "Wir werden über Winter neue Laichgewässer für den Laubfrosch schaffen, die austrocknen, wenn es besonders heiß wird. In diesen Tümpeln haben die Barsche dann keine Chance, zu überleben, während es den Fröschen nichts ausmacht". Fertige" Frösche stünden indes nicht auf dem Speiseplan der Fische, weswegen derartige Exemplare nun in die Natur entlassen wurden. Insgesamt waren es 40 an der Zahl. Geliefert hatte sie ein professioneller Züchter aus Hessen, der auch die Bescheinigungen und Zertifizierungen hatte, die nach dem Artenschutzgesetz vorgeschrieben sind. Dass alles abläuft wie es sich gehört, dafür sorgen neben Braunberger die Arbeitsgemeinschaft "Amphibienschutz" beim saarländischen Naturschutzbund und auch die Beeder Storchenfreunde. "Es wurden bei der Kontrolle im Frühjahr mindestens zehn verschiedene Individuen nachgewiesen. Unsere Bemühungen, den Laubfrosch wieder heimisch zu machen, scheinen sich also auszuzahlen", meint der Projektbetreuer. Immerhin dauere es gut drei Jahre, bis so ein Laubfrosch reif für die Fortpflanzung ist- erst dann macht er sich bemerkbar, und zwar gleich im Chor. Freilich quakt er nicht, wie es eigentlich von einen Frosch zu erwarten wäre; vielmehr gibt er die für ihn charakteristischen Töne im Abstand von vier bis sechs Sekunden serienweise von sich. Ansonsten führt "hyla arborea" - so sein zoologischer Name - ein ziemlich zurückgezogenes Leben, wobei ihm die ausgedehnten Feuchtflächen zwischen Altstadt und Beeden ebenso entgegen kommen wie die Gebüsche und Bäume dort - der Laubfrosch ist nämlich eigentlich ein Baumbewohner, der nur in der Paarungszeit das Wasser sucht. Der flinke Klettermaxe scheut nicht einmal senkrechte Wände. In Deutschland gilt der grasgrüne Lurch als akut vom Aussterben bedroht - weil sein Lebensraum, ausgedehnte Feuchtgebiete wie eben jenes am Höllengraben, weitgehend zerstört worden sind.



Martin Baus

 



Zum vierten Mal wurden jetzt Laubfrösche im Feuchtgebiet zwischen Beeden und Altstadt "ausgewildert". Im Gegensatz zu den vorhergehenden Aktionen wurden dieses Mal aber keine Kaulquappen, sondern bereits kleine Frösche ausgesetzt..
Foto Gerhard Mörsch





 


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Letzte Änderung: 22.08.2006