Exkursion immer langs dem Feilbach und alten Staatsgrenzen -
2. "Schnatgang" des Altstadter Naturschutzbundes


Es war eine faustdicke Überraschung, die auf die Teilnehmer des Altstadter "Schnatgangs" wartete. So mir nichts, dir nichts war die geplante Route nämlich nicht zu bewältigen, denn: plötzlich war der Feldweg weg. Wo sich bis vor wenigen Tagen noch eine so genannte "Heufahrt" zwischen den Feldern befunden hatte, wo an den Wegrändern noch allerhand Blumen und Stauden blühten, war nun nur noch umgepflügte Erde. "Dieser Vorfall ist ein klassisches Beispiel dafür, warum diese Art Kontrollgänge früher an der Tagesordnung waren. Alle Grundbesitzer waren aufgefordert daran teilzunehmen, um die Entfernung von Grenzsteinen oder die Verletzung von Grenzen aufzudecken", resümierten die Teilnehmer ihre Beobachtung. Die gemeinsam vorgenommene Inspektion hatte eine wichtige soziale Funktion und natürlich wurden "Grenzfrevler" hart bestraft.
An der Woogsacker Mühle fiel der Startschuss zu der Natur- und Kultur-Tour, zu der der Altstadter Naturschutzbund im Rahmen des saarpfälzischen Umweltforums eingeladen hatte. Rund zwei Dutzend Interessierte ließen sich von dem Nieselregen nicht abhalten und waren mit von der Partie entlang der Bann-, Gemarkungs- und Flurgrenzen. Die alte Mühle, deren Historie schon mehr als ein halbes Jahrtausend zurückreicht, bot schon gleich zu Beginn jede Menge spannende Information. Dass zum Beispiel die Vorfahren von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker hier zu Hause waren dokumentiere in der bis heute noch gängigen Bezeichnung als "Wozacker Miel". Der Müller Balthasar Bach, der das heutige Gebäude 1842 errichtete, hinterließ eine Menge Rätsel - so unter anderem an dem schwer entzifferbaren Text, der kreuz und quer über der Eingangstür eingemeißelt ist und der nach mühsamer Dechiffrierung mit der schadenfrohe Zeile "Guk - der Esel lest als noch" endet.
Obwohl nur einen Katzensprung von Altstadt gelegen, gehört die Woogsacker Mühle seit jeher zu Niederbexbach - und war für die Altstadter vor 250 Jahren Ausland. 1756 wurde die Grenze zwischen dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und dem Fürstentum Nassau-Saarbrücken in der Talaue des Feilbaches gezogen. Und die alten Grenzsteine aus jener Zeit, die bis heute noch die Grenze wischen der Gemeinde Kirkel und der Stadt Bexbach markieren, bildeten quasi die Wegweiser für den knapp zweistündigen Schnatgang. Im Dickicht am Wegesrand oder unter alten Bäumen an Böschungen wurden eine ganze Reihe dieser großen Sandsteine ausfindig gemacht und unter die Lupe genommen. Der Jahreszahl, den Insignien der beiden Herrschaften wie etwa die eingravierte Wolfsangel oder der fortlaufenden Nummerierung galt dabei das besondere Augenmerk. Gesucht wurde auch nach Spuren der zahlreichen Weiher, zu denen der Feilbach einst zwischen der Woogsacker Mühle und Oberbexbacher Hochwiesmühle angestaut worden war. Die Staudämme, über die bis heute Wege verlaufen, waren die auffälligsten Belege dafür. Nichts mehr zu sehen war freilich von jenem "Eichpfahl", den ein alter "Situations=Plan" ausdrücklich verzeichnete. Über eine Markierung an diesem Pflock wurde früher die maximale Anstauhöhe der Weiher festgelegt, um den Antrieb der Mühlräder zu gewährleisten.

Martin Baus

 


Versteck im Dickicht am einstigen Weiherufer: die 250 Jahre alten Grenzsteine zwischen Altstadt und Niederbexbach waren die Attraktionen des "Schnatgangs
Foto: Martin Baus

 


Wo plötzlich keine Feldweg mehr war: Zum wiederholten Male ist in Altstadt ein Feldweg verschwunden - die Naturschützer staunten nicht schlecht über derlei Dreistigkeit.
Foto: Martin Baus

 

 





 


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Letzte Änderung: 15.10.2006