Eine durchaus schon stattliche Wildbirne wurde auch gepflanzt

Allenfalls drei Zentimeter werden sie, und zwar gleichermaßen so lang wie dick. Kugelig-rundlich schauen sie aus, und warzig sind sie obendrein, was durch so genannte Lentizellen bedingt ist: Über diese linsenförmigen Ausstülpungen findet eine Art Stoffwechsel mit der Luft statt. Von der Wildbirne ist die Rede, und von dieser pflanzte der Altstadter Naturschutzbund jetzt bei seinem jüngsten Arbeitseinsatz eine ganze Reihe. Ein spezielles Exemplar von bereits stattlichen Ausmaßen bekam seinen Standort an exponierter Stelle, unmittelbar am Rande eines Feldweges. Der Hintergrund: Querbeet über die Altstadter Gemarkung platziert der Umweltverband seit geraumer Zeit einzelne Bäume, die im Laufe der Jahre als stattliche Riesen das Landschaftsbild neu prägen werden. Angefangen hatte alles mit einem Eschenbaum, inzwischen wurden unter anderem Linde, Eiche und Rosskastanie hinzugesellt.
Dass die Wahl der diesjährigen Pflanzaktion ausgerechnet auf "Pyrus pyraster" fiel - so der wissenschaftliche Name für die Wildbirne im Fachjargon der Botaniker - hatte mehrere Ursachen. "Üblicherweise ist uns daran gelegen, uns an die 'Baum des Jahres'-Kampagne zu hängen. wir pflanzen wenn möglich die jeweils auserkorene Art. Aber die Schwarzkiefer in diesem Jahr passt nun wirklich weder in unsere Region noch in unser Konzept", skizziert Erich Dorner, der auch die Beschaffung des Mulchmaterials für die Baumscheiben besorgte.
Die Wildbirne hingegen füge sich ganz ausgezeichnet in jenen Obstbaumbestand ein, der binnen bald zwei Jahrzehnten von dem Umweltverband angelegt wurde. Im Dreieck zwischen Lappentascherhof und Zollbahnhof wurden in dieser Zeit einige hundert Obstbäume auf Flächen gepflanzt, die der NABU sein eigen nennt. Kirschen, Äpfel, Mirabellen, Mispeln und Zwetschgen gedeihen auf dem langen grünen Band inmitten von Wiesen und Äckern inzwischen recht prächtig - "und die Birnbäume runden dieses Früchtepotpourri optimal ab", meint auch Hannes Sand, der jeden einzelnen Baum mit gehörigen Gaben an Algenkalk versah, des besseren Wachstums im nährstoffarmen, sauren Sandboden wegen. Freuen über die neuen Bäume können sich vor allem aber die Vögel. Sind die Früchte im frühen Herbst zunächst holzig und hart, so wird ihr Fleisch nach den ersten Frösten mürbe und weich. "Das ist dann ein gefundenes Fressen für eine ganze von Reihe von Singvögeln, denen solch breiiges Futter m!
undet. In Schwärmen machen sie sich dann über die Birnen her, die für den menschlichen Gaumen alles andere als ein Genuss sind", erklärt Bernd Binkle, der stellvertretende Vorsitzende. Nicht reichliche Obsternte, sondern der Naturschutz stehe eben im Vordergrund der Pflanzungen. Dass diese durchaus Wirkung zeigen, dokumentiere sich nicht zuletzt an jener Liste der Vogelarten die sich auf dem Areal des NABU auch als Brutvögel angesiedelt haben: Neuntöter, Nachtigall, Goldammer und Schwarzkehlchen seien beispielsweise recht seltene Spezies.

Martin Baus

 

 

 


Wildbirnbäume pflanzte der Altstadter Naturschutzbund bei seinem jüngsten Arbeitseinsatz. Das stattlichste Exemplar von etwa fünf Metern Höhe kam an exponierter Stelle in die Erde.

Foto: Martin Baus

 







 





 


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Letzte Änderung: 05.03.2007