Höchstens eine Handvoll Pilze ist wirklich richtig heftig giftig - Altstadter Naturschutzbund auf Pilzejagd

Kaum dass der Fachmann in Sachen Pilze das Startsignal zur Suche gegeben hatte, kam Gerhard Schneider schon fündig aus dem Dickicht zurück. Seine Beute: Ein kolossaler Steinpilz, der gut und gerne ein Pfund auf die Waage brachte. Zur Pilzexkursion ins Unterholz hatte der Altstadter Naturschutzbund in Zusammenarbeit mit der örtlichen Volkshochschule eingeladen. Die Resonanz war enorm, ja so riesig, dass Thomas Brandt, der Leiter der Naturkundetour, sich außer Stande sah, einen geregelten Ablauf zu organisieren. Deshalb schickte er die Teilnehmer einzeln los auf die "Jagd", und nach gut einer Stunde wurden am Start die gesammelte "Beute" unter die Lupe genommen, auf ihre Art hin bestimmt und ihre Besonderheiten skizziert. Essbar oder giftig, das war natürlich die häufigste Frage, die der Experte aus Bexbach zu klären hatte.
"Es gibt bei uns zwischen 4000 und 5000 verschiedene Pilzarten, aber so richtig heftig giftig sind davon allenfalls zwei Handvoll", informierte Thomas Brandt, der von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie - will heißen: Pilzkunde - zum Sachverständigen offiziell bestellt ist. Viele davon seien freilich ungenießbar. Deshalb sei es unabdingbar, genau zu bestimmen, welche Pilze gesammelt wurden, ehe sie in den Kochtopf wandern. "Was wir sehen oder was wir sammeln ist übrigens nicht der Pilz, sondern sein oberirdischer Fruchtkörper. Dieser wird zur Fortpflanzung gebildet. Nicht sichtbar unter dem Erdboden befinde sich das eigentliche Geflecht der Pilze, die abhängig von ihrer Art in Symbiose mit bestimmten Bäumen leben: "Sie sind sogar so eng partnerschaftlich miteinander verbändelt, dass der eine ohne den anderen nicht leben kann", unterstrich Brandt. Andere Arten wiederum zersetzen organisches Material wie etwa tote Bäume, während eine dritte Gruppe als Parasit Pflanzen angreift und schädigt, führte der Experte in das Einmaleins dieser Kreaturen ein, die näher mit Tieren als mit Pflanzen verwandt sind.
Derart theoretisch vorbereitet und wie Roselinde Gräßer mit speziellem Pilzmesser versehen, machten sich die Sammler auf die Socken und im Altstadter Staatsforst auf die Suche. Auf dem Beton vor der Hugo-Strobel-Halle wurde das Sortiment der Funde nach einer guten Stunde in einer formidablen Ausstellung präsentiert. Und zu jeder Spezies hatte Thomas Brandt Informationen in Hülle und Fülle: Dass der Fliegenpilz giftig sei, aber in sehr geringer Dosis psychedelische Wirkung habe beispielsweise: "Schon die keltischen Druiden wussten das und sagten unter seinem Einfluss die Zukunft voraus. Leuchtend orange wie eine Koralle zeigte sich der "Klebrige Hörnling". Er sei essbar, aber könne nicht verdaut werden. Keine Delikatesse, dafür aber sehr dekorativ sei der "Vitrinenpilz", wie der Name schon sage. Der "Nebelgraue Trichterling" hingegen ströme einen penetranten, aufdringlichen Geruch aus: "Wer sich davor ekelt, für den ist der Pilz giftig. Wer den Duft aber angenehm findet, für den ist dieser Pilz eine wahre Gaumenfreude", erläuterte der Spezialist. Nicht minder schmackhaft sei der Parasolpilz, der Schirme mit einen Durchmesser von 40 Zentimetern bilden könne. Und erst die Namen: Violetter Lacktrichterling, Dickblättriger Schwärzfußtäubling, Samtfußkrempling, Stinkmorchel, Flockenstieliger Hexenröhrling, Wolliggestiefelter Schirmling ... "Pilzkunde hat ja fast etwas Literarisches an sich", meinte denn ein Teilnehmer der Exkursion frappiert.

Martin Baus


 

Informationen nach satter Ausbeute: Sachverständiger Thomas Brandt (rechts) erläuterte die Eigenheiten jener Pilze, die bei der Exkursion des Altstadter Naturschutzbundes gesammelt wurden.
Foto: Martin Baus

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Gerhard Schneider (links) war schnell fündig geworden und hatte schon gleich zu Beginn der Exkursion des Altstadter Naturschutzbundes einen gewaltigen Steinpilz aufgespürt. Sachverständiger Thomas Brandt (rechts) gab Informationen dazu.
Foto: Martin Baus


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Letzte Änderung: 20.09.2007