Schnatgang des Altstadter Naturschutzbundes führte zum Dreiorteeck und alten Steinen

Steine gab es und zwar ziemlich große, uralte Grenzsteine genauer gesagt. Teilweise über 400 Jahre zählten die Kulturdenkmäler in Gestalt von Quadern aus Buntsandsteinen, die beim "Schnatgang" entlang der Altstadter Gemarkung in Augenschein genommen wurden. Jedes Jahr zum Herbstanfang lädt der örtliche Naturschutzbund zusammen mit der Volkshochschule zu dieser "Grenzbegehung" nach historischem Muster ein. Eingebettet in die Reihe "Umweltforum" des Saarpfalz-Kreises, werden im Rahmen dieser Natur- und Kultur-Tour auch abgelegene und nur schwer zugängliche Areale der Altstadter Flur angesteuert. Speziell jenes "Dreiorteeck", an dem Kleinottweiler und Niederbexbacher Bann mit Altstadter Terrain zusammentreffen, stand heuer auf der Tagesordnung der Exkursion.
Zu allgemeinen Überraschung gab es über jener Talaue, in welcher der Feilbach vor Jahrzehnten in eine schnurgerade Betonrinne gezwängt wurde, einen stattlichen Schwarm Kraniche zu beobachten. Allerdings waren die auffälligen Vögel nicht etwa unterwegs in Richtung südlicher Gefilde zwecks Überwinterung, sondern flogen in ihrer typischen "1er"-Keilformation schnurstracks nach Norden - was die Wanderer zu der nicht verifizierbaren Vermutung veranlasste, die kalte Jahreszeit werde wohl noch ein Weilchen auf sich warten lassen. Ein anderer seltener Vogel, der mit lautstarkem Gejammer freilich Unmut über den ungebetenen Besuch in seinem Revier kundtat, war der Schwarzspecht. So genannte Neophyten waren es indes, die bei den Teilnehmern der Begehung für Missfallen sorgten: Pflanzen also, die aus ganz anderen Teilen der Welt stammen und sich, ohne natürliche Feinde fürchten zu müssen, nun in auch in saarpfälzischen Gefilden breit machen - etwa die gelb blühende Goldrute aus Kanada, die zunehmend die angestammten Pflanzen verdrängt. Noch schlimmer treibt es er Japanische Staudenknöterich, wie am Brückchen über den Schwarzenbach zu sehen war: Wo er einmal Fuß gefasst hat, wächst sonst gar nichts mehr. Die gut 2,50 Meter hohen Stämme bilden Dickichte, die keinen Sonnenstrahl mehr hindurch lassen.
Gut 250 Jahre alt war der jüngste Grenzstein, der am Wegesrand auszumachen war und der in die Erde kam, als Altstadt zusammen mit Homburg dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken zugeteilt wurde, während Niederbexbach eine andere Staatszugehörigkeit, nämlich jene zu Nassau-Saarbrücken behielt. "Dieser Tausch von Hoheitsgebieten machte den Bau von Schloss Karlsberg in Homburg erst möglich", wurde über die Bedeutung des historischen Ereignisses berichtet. In der Folge wurde dieser Abschnitt der Altstadter Gemarkung mit einem hohen Gatter umgeben - der "Wildzaun" sollte den herzöglichen Jagdgesellschaften große Strecken garantieren. Im "Zweibrücker Wegwald" gab es dann noch einen weiteren Grenzstein zu bestaunen, der Altstadt nunmehr als Bestandteil des Fürstentums Nassau-Saarbrücken auswies. Im Jahr 1604 wurde diese Markierung gegen Reiskirchen hin gesetzt - als Ergebnis des "Limbacher Abschieds", einem Gipelfeltreffen von gut einem Dutzend Landesherrscher, das in der Limbacher Kirche stattfand. Nicht wenig groß war das Staunen über die Ausdehnung der Altstadter Gemarkung: Dass vier Fünftel des ehemaligen Militärgebietes am Zunderbaum ebenso Altstadter "Revier" sind wie Teilabschnitte der Autobahnanschlussstelle an der Bundesstraße 423 war für viele Begeher Neuland.

Martin Baus



Versteckt im Wald, mehr als 400 Jahre alt: Einen historischen Grenzstein aus dem Jahr 1604 nahmen die Teilnehmer des Altstadter Schnatgangs in Augenschein
Foto:M. Geib


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Letzte Änderung: 11.10.2007