(B)Rotmilane beim Horstbau

30.06.2009

Seinen eigenen Beitrag zum „1. Saarländischen Brotmarkt“ am 4. Juli in Homburg hat ein Rotmilan-paar im nördlichen Saarpfalzkreis geleistet. Angezogen von der guten Qualität heimischen Brotes wurden kurzerhand mehrere Baguettes im Horst mitverbaut.

Ein ursprüngliches Krähennest wurde einige Jahre von Baumfalken bewohnt, dann von einem Bussard aufgearbeitet und dieses Jahr erstmals von einem Milanpaar besetzt. Gut sichtbar sind die hell-braunen Brotstangen zwischen trockenen Ästen, Wolle, frischen Getreidehalmen und anderen Materialien eingearbeitet. Maßgeblich war dem Fleischfresser hierfür wohl nicht so sehr die geschmackliche Qualität der Backwaren, sondern eher die Stabilität der braunen astdicken trockenen Stangen – wo immer er die offenbar ergiebige Quelle gefunden hat. Angesichts des trockenen Wetters blieben diese außergewöhnlichen Horststützen auch lange erhalten. Selbst das Gewitter am vergangenen Samstag konnte einem Großteil der geschickt verbauten Brote nichts anhaben; die optischen Highlights in der Milankinderstube werden bis zum Ausfliegen halten.

 

Danach werden andere Waldbewohner ihre Freude daran haben – die einen werden sich auf dem Boden daran gütlich tun, wenn die Backwaren morsch werden, abbrechen und herunterfallen – die anderen - Krähen, Spatzen oder andere Vögel - werden den verlassenen Horst direkt fleddern und so ihren Teil abbekommen. Den (B)rotmilanen wird’s dann egal sein.

In dem solchermaßen ausgestatteten Horst sitzen derzeit zwei kräftige Jungvögel, denen nun kurz vor dem Ausfliegen noch die letzten Dunen ausfallen. Wenn sie neugierig über den Horstrand schauen, zeigen allein die dunkleren Augen und der dunklere Schnabel dem Beobachter, dass es sich um Jungvögel handelt. Anfang Juli werden sie dann mit ihren Eltern über dem Horstgebiet kreisen.

Rotmilane sind bekannt dafür, dass sie ihre Nester mit Papier, Plastik, Lumpen, Fellstücken und andern Fundgegenständen auskleiden. Die Sache mit dem Brot als Mobiliar ist wohl neu.

Etwa 55% des Weltbestandes an Rotmilanen brüten in Deutschland. Auch im Saarland wurden im Rahmen der letzten Kartierung 1996-2000 für den saarländischen Brutvogelatlas 61 Paare festgestellt. Somit trägt auch das Saarland mit an der besonderen Verantwortung zum internationalen Schutz des eleganten Greifvogels bei, der im Flug an seinem gegabelten Schwanz leicht zu erkennen ist.

Als ein Beitrag zum Schutz des Milans wurde 2004 zwischen dem NABU und dem Saarforst Landesbetrieb eine „Vereinbarung zur Errichtung von Horstschutzzonen“ getroffen, die die Nutzung der im Verantwortungsbereich des Saarforst befindlichen Waldflächen einschränkt.
Dort wo sich Brutpaare aufhalten, sollen während der Paarbildungszeit sowie der Brut und der Jungenaufzucht (Anfang Februar bis Ende August) im Horstumfeld störende Maßnahmen durch Holzeinschlag oder Freizeitveranstaltungen vermieden werden. Holz- und forstwirtschaftliche Maßnahmen sollen der Ungestörtheit von Bruthabitaten und Horstbäumen in angemessener Weise Rechnung tragen.

Text und Foto M. Geib


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Letzte Änderung: 30. Juni 2009