Mispeln und Maulbeeren, Wein und Wildgemüse
Naturschutzbund war auf Botanik-Tour im Bliesgau


10.08.2009

"Ja, das ist Salbei, aber nicht der wilde, sondern die kultivierte Pflanze. Das macht aber gar nichts": Spontan und auf die ihm ureigene unnachahmliche Art unternahm Willi Hammer den Streifzug durch die Bliesgau-Botanik. Das Kulturlandschaftszentrum Haus Lochfeld in Wittersheim war Schauplatz der Natur-Tour, und der ehemalige Lehrer für Biologie und Chemie am Homburger Mannlich-Gymnasium hatte für jedes Gewächs am Wegesrand ein Bonmot parat. Eingeladen zu der pflanzenkundlichen Begehung, die binnen zwei Stunden etwa 100 Meter "weit" führte, hatte ein gemischter Kreis von Veranstaltern: Federführend der Altstadter Naturschutzbund, die saarpfälzische Kreisvolkshochschule, der Alpenverein Zweibrücken und Haus Lochfeld selbst.

Mit bester Bellevue auf die sonnenbeschienen Terrassen des Bliesgaus erläuterte der pensionierte Studienrat erst einmal dessen geologische Formation, den Muschelkalk. "Das ist eigentlich eine irreführende Namensgebung. Denn der Begriff erweckt den Eindruck, als ob Muscheln den Boden prägen würden. Dem ist aber überhaupt nicht so!". Vielmehr seien es so genannte Seelilien, die massenahft aus jenen fernen Zeiten übrig sind, in denen der Bliesgau noch von einem flachen Meer überflutet war. "Ja, und um es noch verwirrender zu machen . Seelilien waren keine Pflanzen, sondern Tiere, Trochiten auf Fachchinesisch."

Ganz besonders fruchtbar sei der mittlere Muschelkalk, wofür die Bezeichnung "Gau" ja speziell auch stehe. Für die Bestellung von ersprießlichen Getreidefeldern seit Alters her bestens geeignet, werde dieser auch als Düngemittel und für die Zementherstellung abgebaut. "Und es gedeihen hier Pflanzen, nach denen man beispielsweise im Buntsandstein des Homburger Raumes vergeblich sucht". Die erste derartige Spezies, die den Teilnehmern ins Auge stach, war der Mittlere Wegerich, der sich auf kalkhaltige Wuchsorte spezialisiert hat. "Nein, nicht der Breite und auch nicht der Spitze, sondern eben der Mittlere Wegerich. Aber gegen Husten hilft der genauso gut", skizzierte Hammer Unterschiede wie Gemeinsamkeiten.

Wildgemüse und Heilkräuter gab es rund um Haus Lochfeld in Hülle und Fülle: Sauerampfer, Beinwell, ein kunterbunt blühendes Potpourri verschiedener Schafgarben, Ysop, Herzgespann, Spießmelde, Odermennig - gleichermaßen als Apotheke wie als Feinkostladen erwies sich das Anschauungsareal.

"Hundsärsch" identifizierte dann ein Kenner den knorrigen Baum mit seinen sonderbaren Früchten, aus denen der eine am liebsten Schnaps, die andere unter Zuhilfenahme der "flotten Lotte" eher Gelée herstellt. Und unmittelbar neben diesem Mispelbaum gab es einen nicht minder stattlichen Maulbeerbaum zu bewundern, der schon seit der Zeit der alten Römer in Weinbergen gepflanzt wird, weil er den Trauben gut tut. Reben standen den botanischen Wanderern daneben in Reih und Glied Spalier und versprachen mit ihrer reichen Klotzlast eine üppige Lese im Herbst. "Der Bliesgau war über Jahrhunderte hinweg Weinanbaugebiet. Er ist eben nicht nur fruchtbar, sondern auch klimatisch begünstigt", resümierte Willi Hammer.

Martin Baus

 

 

Botanik zwischen Reben: Auch in den Wingerten von Haus Lochfeld konnte Exkursionsleiter Willi Hammer allerhand interessante Gewächse vorstellen.

 


Buntes Schafgarbe-Potpourri als Anschauungsobjekt: Wildgemüse und Heilkräuter stellte Exkursionsleiter Willi Hammer (Mitte) bei der botanischen Wanderung rund um Haus Lochfeld vor.

Fotos: Martin Baus

 


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Letzte Änderung:: 10. August 2009