Auf der Spur von Steinkauz und Schleiereule
Exkursion des NABU-Altstadt im Bliesgau


21. Juni 2010

Auf die Spuren des Steinkauzes im Bliestal hatten sich die große Schar der Naturkundler gemacht, und um der Nachteule im putzigen Miniaturformat gewahr zu werden, war es nun einmal unumgänglich, die künstlichen Nisthilfen zu inspizieren. Das geschah natürlich behutsam und unter der fachkundigen Regie eines ausgewiesenen Fachmannes. Peter Mende, der nicht weniger als 170 Brutstätten für den kugelförmigen Vogel mit den großen Augen betreut, führte die Teilnehmer der Exkursion zu den versteckten, aber kauzträchtigen Winkeln der Region. Schauplatz der Natur-Tour, die vom Altstadter Naturschutzbund in Zusammenarbeit mit der saarpfälzischen Volkshochschule und dem Zweibrücker Alpenverein durchgeführt wurde, war der Bliesgau, die Umgebung von Walsheim genauer gesagt.

"Der Bliesgau ist ein nahezu idealer Lebensraum für den Steinkauz, und speziell in der ‚Parr’ gibt es die meisten Brutpaare. Im restlichen Saarland freilich finden sich keine Steinkauz-Vorkommen", skizzierte Mende die Konzentration der Art im Biosphärenreservat. Speziell uralte, knorrige Obstbäume sind seinen Ausführungen zufolge für die seltene Spezies unentbehrlich, und wenn diese sich dann noch in traditionellen Streuobstwiesen befinden, bieten sich für den Vogel nahezu paradiesische Verhältnisse. Der für sein Kauz-Engagement zuletzt mit dem saarländischen Verdienstorden dekorierte Pfälzer (aus Zweibrücken-Wattweiler) demonstrierte eindrucksvoll, dass er mit dieser Art in der Tat auf Du und Du steht: Flugs öffnete er die ausgeklügelte Röhre und holte mit geübter Hand den flaumigen Besatz heraus. Frisch aus dem Ei gepellt und schon im ersten Federkleid, ließen sich die kuscheltierähnlichen Knäuel auch in die Hand nehmen und Streicheleinheiten auch gerne gefallen. Wie angewurzelt blieben die Eulchen just dort sitzen, wo sie gerade platziert worden waren.

Natürlich gab es obendrein auch eine ganze Menge Informationen über den Steinkauz und seinen Lebensraum. Den Bestand im Bliesgau schätzte Mende auf aktuell 60 Brutpaare, wovon 43 in den eigens installierten Röhren zu Hause sind, während der Rest natürliche Baumhöhlen bewohnt. Und dann demonstrierte er, wie die Beringung der Vögel vor sich geht. „Sie bekommen so quasi ihren Personalausweis, mit dem sich nachvollziehen lässt, wo die Vögel herumkommen“. Anhand der Beringung konnte er beispielsweise nachweisen, dass ein Kauzweibchen aus Medelsheim 2002 in der Nähe von Stuttgart zur Welt gekommen ist und seit 2003 in der "Parr" eifrig für Nachwuchs sorgt. Am erfolgreichsten für Nachwuchs habe in diesem Jahr ein Kauzpärchen in Rubenheim gesorgt - sieben Junge habe er dort beringt. Aber nicht nur um den Steinkauz kümmert sich Peter Mende, auch die Schleiereule liegt ihm am Herz. Und auch deren Sprösslinge und zwar ebenfalls gleich sieben auf einen Streich konnte er im Rahmen der Exkursion präsentieren und beringen. Dass die beiden Altvögel alle Hände voll zu tun haben, um die Nachkommenschaft satt zu bekommen, erläuterte Mende. „Jedes Junge braucht pro Tag drei bis fünf Mäuse, und die Eltern müssen sich auch selbst ernähren. Bei so einer Großfamilie sind also ganz schön viele Mäuler zu stopfen, die ganze Nacht dreht sich nur um die Beschaffung des Futters“. Um sich von diesen Strapazen zu erholen, werde der Nachwuchs im eigens angebrachten Kasten tagsüber sich selbst überlassen.

Martin Baus

 




zurück zur Übersicht
Letzte Änderung: 15. Juli 2010