Werner Dehn

10. Februar 2011

Als im Mai 1980 im Nebenzimmer des Gasthauses Naumann die Altstadter Ortsgruppe im damals noch so genannten „Deutschen Bund für Vogelschutz“ aus der Taufe gehoben wurde, war Werner Dehn eines der Gründungsmitglieder. Als Mann dieser „ersten Stunde“ war er über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg stets dabei, und zwar vor allem, wenn es um die praktische Arbeit ging. Obstbäume und Sträucher pflanzen, Kopfweiden schneiden, Nistkästen aufhängen und kontrollieren, Bach und Tümpel pflegen - immer war er zur Stelle und half mit großem Sachverstand, brachte sich mit Lösungsvorschlägen ein und ergriff nicht selten auch selbst einmal die Initiative, wenn es darum ging, ein Problem zügig aus der Welt zu schaffen. Jetzt ist Werner Dehn im 81. Lebensjahr verstorben; der Altstadter Naturschutzbund verliert mit ihm einen Helfer, der über Jahrzehnte hinweg eine verlässliche Stütze des Vereins war.

Ganz gleich, um welche Aktionen es in Sachen Umwelt- Natur- und Artenschutz ging, der gelernte Bergmann war stets engagiert bei der Sache. Bei der Gründungsversammlung übernahm er das Amt des Kassenprüfers, die Protokolle der frühen Jahre dokumentieren, dass er immer mit von der Partie war, ganz gleich, ob es sich um Arbeitseinsätze oder Sitzungen handelte. Bald übernahm Werner Dehn, der am 19. April 1930 in Kleinottweiler geboren wurde, die traditionelle Funktion die Vogelwartes, die er über mehr als ein Jahrzehnt hinweg inne hatte. Seine Aufgabe war es, Nisthilfen an geeigneten Stellen auf der Altstadter Gemarkung aufzuhängen. Jahr für Jahr ging es dann vor dem anbrechenden Frühling hinaus, um diese über 100 Kästen zu säubern und zu kontrollieren. Zusammen mit seinem Freund Erwin Wolf erfüllte er diese Funktion zuverlässig und eignete sich dabei ein reiches Wissen über die einheimische Vogelwelt an. Welche Vogelarten welche Nester bauen, wie sich die Brutstätten von Kohl- und Blaumeisen unterscheiden, wie der Kleiber das Einflugloch der Meisenhöhlen seinen Ansprüchen anpasst, das konnte Werner Dehn anschaulich vermitteln, auch und gerade bei der damals noch aktiven Naturschutzjugend. Als Kurt Wolf in seine Fußstapfen als Vogelwart trat, ging ihm Werner Dehn in der Anfangsphase ganz selbstverständlich zur Hand. Auch bei der großen Hilfsaktion für Fledermäuse in der „Siedlung“ Mitte der 1990er-Jahre oder bei der Installation der Nisthilfen für Mehlschwalben beispielsweise an der Schulturnhalle stand er in der ersten Reihe. Seine Werkstatt in der Schillerstraße sah dann zeitweilig so aus, als ob ein Naturschutzzentrum dort untergebracht ist. Und damit nicht genug: Als die Diskussionen darüber einsetzten, dass der NABU für seine Teilnahme an Festen eigentlich eine eigene Verkaufsbude bräuchte, war er es, der die Initiative ergriff, einen Plan machte und den massiven Stand binnen 14 Tagen mit einer Handvoll Helfern auf die Beine stellte. Sogar beim Umwelt- und Friedenstag in Homburg war dieser Pavillon schon im Einsatz.

Solange sein Gehör noch mitspielte, war er auch immer dabei, wenn vogelkundliche Wanderungen auf dem Kalender standen. Und wenn er mit seinem Fernglas am Höllengraben, auf dem Zollbahnhof oder den Grundstücken des NABU selbst auf seltene Vogelarten wie das Schwarzkehlchen, den Neuntöter oder die Nachtigall aufmerksam machen konnte, dann konnte man es Werner Dehn ansehen, dass diese Beobachtungen für ihn mithin die Bestätigung und Bestärkung seines Engagements waren.

Er wird uns fehlen.

Martin Baus, Vorsitzender



Fotos: Martin Baus

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Letzte Änderung: 10.02.2011