Vogelkunde bei hochsommerlichen Temperaturen im Mai am "Zunderbaum"

Dem Schwarzspecht und einer Kolonie Dohlen auf der Spur: Gefiederte Raritäten gab es bei der Tour in Sachen Vogelkunde im Altstadter Wald am Zunderbaum zu sehen und zu hören. Die Exkursion fand unter Leitung von Christoph Braunberger (3.v.l.) statt.


Weite Flächen im Bereich des früheren Militärdepots "Zunderbaum" sind bereits gerodet worden, darunter ökologisch wertvolle Heckenzüge und alte Solitärbäume.


Auch Kulturgeschichte war bei der vogelkundlichen Exkursion am "Zunderbaum" angesagt. In Augenschein genommen wurde beispielsweise ein alter Grenzstein aus dem Jahr 1603, der damals Pfalz-Zweibrücken und Nassau-Saarbrücken markierte.  

27. Mai 2011

"Warum singen die Vögel überhaupt ? - Mit Gewissheit nicht, weil sie den Menschen gefallen wollen. Sie grenzen damit vielmehr ihre Reviere untereinander ab, und gleichzeitig wird auf diese Weise für die Paarung geworben". Wenn die Nachtigall, die eher in südlichen, mediterranen Gegenden verbreitet ist und in Deutschland nur in Gebieten unter 400 Meter vorkommt, bei der Brut und bei der Nachwuchsaufzucht ist, wird sie stumm und unauffällig“, erläuterte Christoph Braunberger. Der passionierte Ornithologe leitete die vogelkundliche Wanderung, zu welcher der Altstadter Naturschutzbund in Kooperation mit der saarpfälzischen Kreisvolkshochschule eingeladen hatte. Selbst versierte Beobachter, skizzierte Braunberger, haben in dieser Phase dann kaum noch eine Chance, dem flinken Kleinvogel gewahr zu werden.


Schauplatz der Wanderung waren der Staatsforst am Zunderbaum, dessen Ende allerdings besiegelt ist: Weite Teile des Waldes werden bzw. sind bereits für Industrieansiedlungen und Straßenbauten gerodet. Weitgehend kahl präsentierte sich den Teilnehmern der Begehung das frühere Bundeswehrdepot am Zunderbaum, das künftighin Industriegebiet genutzt werden soll. Dort waren die alten Gehölzstreifen zwischen den Gebäuden zu Beginn des Jahres gerodet worden. Entsprechend still war es vor Ort: Nicht eine einzige Vogelart ließ sich in dem Bereich sehen oder hören. Im Bereich jener Trasse, die von Altstadt aus als neue Zuwegung zu dem geplanten Industriegebiet vorgesehen ist, gab es hingegen einige Überraschungen. Unter den alten Buchen ließ sich nicht nur der Schwarzspecht vernehmen, in dessen alten Bruthöhlen hatte sich auch eine Dohlen-Kolonie häuslich niedergelassen. „Auf engem Raum finden sich hier also zwei bedrohte Vogelarten, die auf der Roten Liste stehen“, erläuterte Christoph Braunberger.


Insgesamt bekamen die Wanderer in Sachen Vogelkunde 35 verschiedene Arten "Piepmätze" ins Visier ihrer Feldstecher, weniger als es bei ähnlichen Touren bisher üblich war. Natürlich spiele auch die außergewöhnliche Hitze und Trockenheit in diesem Frühjahr eine Rolle: „Wenn es annähernd 30 Grad heiß ist, dann macht das auch der Vogelwelt zu schaffen“, erklärte der Ornithologe. Den Gesang der Nachtigall gab es deswegen nur zu hören, weil der Exkursionsleiter mittels Vogelstimmenimitationsgerät einen Rivalen zur Verteidigung seines Reviers provozierte. Gleichwohl gab es für die rund zwei Dutzend Teilnehmer unterwegs doch noch einiges zu sehen: Einen der ältesten Grenzsteine des Saarlandes aus dem Jahr 1603 beispielsweise. Das über 400 Jahre alte Baudenkmal kennzeichnete damals die Grenze zwischen Pfalz-Zweibrücken und Nassau-Saarbrücken und hat diese Funktion heute nach wie vor als Markierung zwischen Homburg und Kirkel. Und auf dem Rückweg gab es in den Bruchwiesen Fuchs und Hase zu beobachten, die keine Scheu voreinander hatten.                                                                                    

Martin Baus





Fotos: Martin Baus

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Letzte Änderung: 30.05.2011