Altstadter Naturschutzbund bei der Beringung von Steinkäuzen in Pinningen

In Reih und Glied auf einem Ast platziert, ließ sich der Steinkauz-Nachwuchs in Pinningen geduldig anschauen. Derweil wurde die künstliche Nisthilfe gereinigt.

 

Fachmännisch ging Peter Mende bei der Beringung der jungen Steinkäuze zu Werk. Mit dieser Markierung lässt sich auch nachvollziehen, welche Wege die kleinen Eulen zurücklegen.

 

Peter Mende mit Kauzsprössling: Der engagierte Naturschützer aus Wattweiler betreut im Bliesgau rund 60 Brutstätten und 150 potenzielle Nester der seltenen kleinen Eule.

Fotos: Martin Baus

20. Juni 2011

In die Röhre mussten die Naturkundler schauen, und das mit wachsender Begeisterung: An die Fersen der Steinkäuze hatten sie sich geheftet, und um der Nachteule im putzigen Miniaturformat gewahr zu werden, war es nun einmal unumgänglich, die künstlichen röhrenartigen Nisthilfen genau zu inspizieren. Das geschah natürlich behutsam und unter der sachkundigen Federführung eines ausgewiesenen Fachmannes. Peter Mende, der nicht weniger als 160 potenzielle Nistplätze für den kugelförmigen Vogel mit den großen Augen betreut, führte die Teilnehmer der Exkursion zu den versteckten, aber kauzträchtigen Winkeln der Region. Schauplatz der Natur-Tour, die vom Altstadter Naturschutzbund in Zusammenarbeit mit der saarpfälzischen Volkshochschule durchgeführt wurde, war der Bliesgau, Pinningen genauer gesagt.

"Der Bliesgau ist ingesamt ein nahezu idealer Lebensraum für den Steinkauz", skizzierte Mende. Speziell uralte Obstbäume an den Rändern der Ortschaften sind seinen Ausführungen zufolge für die seltene Spezies unentbehrlich, und wenn diese sich dann noch in traditionellen Streuobstwiesen befinden, bieten sich für den Vogel nahezu paradiesische Verhältnisse - Bliesmengen-Bolchen, Utweiler oder Walsheim nannte er dafür exemplarisch. Der Kauz-Experte aus Zweibrücken-Wattweiler demonstrierte eindrucksvoll, dass er mit dieser Spezies in der Tat auf Du und Du steht: Flugs öffnete er die ausgeklügelte Röhre und holte mit geübter Hand den noch flaumigen und nicht ganz flüggen Besatz heraus. Nachwuchs frisch aus dem Ei gepellt oder schon im ersten Federkleid - wem danach war, der konnte die kuscheltierähnlichen Knäuel auch in die Hand nehmen. Die ließen sich die Streicheleinheiten auch gerne gefallen und blieben wie angewurzelt dort sitzen, wo sie gerade platziert worden waren. Der Exkursionsleiter nutzte die Gelegenheit zudem, um den Nachwuchs zu beringen und zum Frühjahrsputz der Nisthilfen.

Freilich war der Ausflug des Altstadter Umweltverbandes nicht als Schmusekurs gedacht, sondern als Anschauungsunterricht. Nachdem auf einer vereinseigenen Streuobstwiese unter Anleitung von Peter Mende Kauzröhren installiert worden waren, sollten nun Lebensraum und Funktionsweise dieser künstlichen Behausungen in Augenschein genommen werden. Und so stellte sich vor Ort denn zwangsläufig auch die Frage, ob es denn überhaupt realistisch sei, an eine natürliche Ansiedlung der Miniatureule in Altstadt zu denken. Schließlich sei der binnen vielen Jahren wieder aufgepäppelte Bestand im Bliesgau doch ein gutes Stückweit entfernt von der Ortschaft westlich von Homburg, und auch die typischen Biotope sind eher die Ausnahme. Peter Mende berief sich dabei auf die Erfahrungen, die er im Laufe der Jahrzehnte gemacht hat. „Als ich vor elf Jahren wieder begonnen habe, mich für den Steinkauz einzusetzen, gab es im ganzen Bliesgau gerade noch fünf oder sechs Paare. Heute hat sich der Bestand gut verzehnfacht - warum sollte es also nicht möglich sein, dass der Steinkauz einmal in Altstadt heimisch wird. Der Lebensraum muss aber passen, das ist das A und O“. Und in Geduld müsse man sich schon üben.   

    

Martin Baus


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Letzte Änderung: 30.06.2011