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Dritter Preis in Sachen Biotopvernetzung: NABU Altstadt ausgezeichnet


Foto: M. Geib

18. Oktober 2011

„Der Altstadter Naturschutzbund als Vorreiter der Bliesgau-Biosphärenidee gibt mit seinen Aktivitäten ein nachdrückliches Beispiel für unmittelbares Engagement zum Erhalt der biologischen Vielfalt“: So lautete das Urteil der Jury, die den 300 Mitglieder zählenden Umweltverband des Kirkeler Ortsteils jetzt zum dritten Sieger jenes Naturschutzpreises kürte, der von dem Unternehmen Möbel Martin jedes Jahr ausgeschrieben wird und der als wichtigster Umweltpreis im Saarland gilt. Mit der Vernetzung von Feldrainen entlang von Wegen und der „Förderung linienhafter Strukturen in der Kulturlandschaft“, so die weitere Begründung der Kommission, sei das „Projekt Biotopvernetzung“ der Altstadter Naturschützer mustergültig und nachahmenswert.

Aus den Händen der saarländischen Umweltministerin Simone Peter und der geschäftsführenden Gesellschafterin von Möbel Martin, Prof. Silvia Martin, konnte der NABU jetzt den mit 1500 Euro dotierten Preis entgegennehmen.
„Netzwerk Natur“ lautete das Thema des Umweltwettbewerbes, den das saarländische Unternehmen zum 27. Mal ausgeschrieben hatte. Der Aufbau eines Verbundes unterschiedlichster Lebensräume ist für den Altstadter NABU seit der Gründung vor mehr als 30 Jahren der Schwerpunkt der Aktivitäten schlechthin. Mehr als 70.000 Quadratmeter Grund und Boden wurden dazu erworben, weitere Flächen wurden hinzu gepachtet. So weit es möglich war, wurde jeder noch so kleine „Trittstein“, der auf der Gemarkung von Altstadt zu erwerben war, angekauft. So befinden sich im Eigentum des NABU Altstadt auch Parzellen, die beispielsweise nur zehn Quadratmeter groß sind. Für die anvisierte Biotopvernetzung als besonderer Glücksgriff erwies sich der Erwerb einer ehemaligen Bahntrasse, die seit Jahrzehnten nicht mehr für den Eisenbahnverkehr genutzt wurde und deren Gleiskörper komplett demontiert bzw. abgetragen ist. Kilometerlang schlängelt sich dieses nur knapp 25 Meter breite Band durch die landwirtschaftlich genutzte Fläche und bot sich deswegen als „Biotopachse“ an. Seit Erwerb dieses etwa zweieinhalb Hektar großen Gürtels wurden darauf zahlreiche biotopverbessernde Maßnahmen in die Wege geleitet. Mehrer Hundert hochstämmige Obstbäume alter Sorten wurden darauf gepflanzt, Heckenzüge einheimischer Sträucher angelegt, kleinere Areale wurden der Brache überlassen, weitere werden als extensive Mahdwiesen landwirtschaftlich genutzt, Solitärbäume wie Linde, Rosskastanie, Esche oder Eiche an geeigneten Standorten platziert. In dieser inzwischen durchgängigen Grünachse fanden zahlreiche seltene Arten neuen Lebensraum – Nachtigall, Neuntöter, Kuckuck, Schwarzkehlchen, Goldammer und Orpheusspötter siedelten sich unter anderem in dem neu geschaffenen Lebensraum an und breiteten sich davon ausgehend auf weiteren Flächen aus.

Das Preisgeld wollen die Naturschützer weiter in ihr Projekt Biotopvernetzung „investieren“, wie im Rahmen der jüngsten Zusammenkunft beschlossen wurde. Nicht nur der weitere Ankauf von geeigneten Arealen, sondern auch deren nachhaltige Pflege sind dabei zentrale Themen. „Was wir jetzt brauchen, ist ein leistungsfähiger und wendiger Balkenmäher“, skizzierte Bernd Binkle, der stellvertretende Vorsitzende des Umweltverbandes. Die Streuobstwiesen und Heckenzüge wollen schließlich unterhalten werden.

Martin Baus


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Letzte Änderung: 31.12.2011