Störche, Kiebitze und ein Eisvogel, aber von der Bekassine keine Spur mehr

Vogelkundliche Wanderung am Höllengraben

7. Mai 2012

Eine vogelkundliche Wanderung unter Einsatz aktuell moderner Technik, das konnten jene Interessierten in Sachen Ornithologie erleben, die mit dem Altstadter Naturschutzbund entlang des Naturschutzgebietes am Höllengraben unterwegs waren. Nicht nur, dass Christoph Braunberger – unter seiner Leitung stand die Exkursion – Vogelstimmen via „Smartphone“ und passender „App“ erläuterte. Er unternahm mit dem gleichem High-Tech-Gerät zum Beispiel auch den Versuch, beispielsweise Nachtigallen zu ihrem großartigen Gesang zu provozieren. Freilich schienen die im Auwald nahe des Höllenbrunnens unsichtbar versteckten Exemplare der Stimme aus dem virtuellen Äther nicht so recht zu trauen. Jedenfalls antworteten sie allenfalls nur einsilbig und kurz auf die Lockrufe aus dem Händi.


Gerade 25 Jahre nach der offiziellen Ausweisung des Naturschutzgebietes unternahm der Altstadter Umweltverband in Kooperation mit der saarpfälzischen Kreisvolkshochschule die Begehung, nicht zuletzt auch um festzustellen, wie sich die Vogelwelt des Feuchtbiotops im Bliestal zwischen Altstadt und Limbach innerhalb dieser Zeitspanne verändert hat. Und auf die Vogelkundler wartete so manche Überraschung: Störche beispielsweise, die vor einem Vierteljahrhundert noch völlig undenkbar waren, stellten nunmehr ausgerechnet jene Art dar, die ihnen am Häufigsten vor die Fernstecher kam. beobachten war. Zehn Exemplare auf einen Schlag gab es zu sehen, was für Christoph Braunberger Anlass war, die „Erfolgsstory“ des Storchenprojektes in Beeden Revue passieren zu lassen. „Wir haben ja schon fast eine Storchenplage, da möchte man wirklich kein Frosch sein“, meinte einer der Teilnehmer angesichts des Vorkommens – natürlich und ausdrücklich nur im Scherz. Auch der Kuckuck rief aus allen Ecken und Winkeln seinen Namen; dass er so oft in den Schilfgürteln und Hochstaudenfluren des Höllengrabens zu finden ist, sei auf die gleichermaßen häufigen Teich- und Sumpfrohrsänger zurückzuführen. Diese benutzt er als „Wirtsvögel“ – er legt ihnen sein Ei ins Nest, lässt es ausbrüten und den Sprössling hernach sogar von den fremden Eltern großziehen.

Zu sehen gab es denn auch noch Kiebitze, die alle Hände voll zu tun hatten, ihr Gelege auf dem Boden gegen ständig attackierende Rabenkrähen zu verteidigen, den stahlblauen Eisvogel, der gemütlich auf einer Holzstange sitzend den Wasserbüffeln beim Plantschen zuschaute, und ein Schwarzkehlchen in genau jenem Revier, das die Art schon seit der Unterschutzstellung besetzt hält. Freilich fehlten unter den gut drei Dutzend Spezies auch einige, die früher gang und gebe waren und inzwischen sang- und klanglos verschwunden sind: Nach Wiesenpieper, Bekassine und Braunkehlchen hielten die Wanderer in Sachen Vögel nämlich vergebend Ausschau. „Sie gehören zu den Opfern der Klimaerwärmung“, konnte Christoph Braunberger zumindest eine von zweifelsohne mehreren Ursachen anführen. Am Verlust des Lebensraums zwischen Altstadt und Beeden könne es indes kaum liegen, zumal die unterschiedlichen Biotope nach vor wie vor vorhanden seien.       

 

Martin Baus


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