Naturschutzbund Altstadt war dem Steinkauz und der Schleiereule
in Wolfersheim auf der Spur


18. Juni 2012



„Wenn der Bliesgau ein Wappentier hätte, dann wäre das mit Sicherheit der Steinkauz. Denn kein anderes Tier symbolisiert die Landschaft und ihre traditionelle Nutzung besser als diese Vogelart. Außerdem ist der Steinkauz hier noch flächendeckend heimisch, während er in den benachbarten Regionen eher selten ist oder gar nicht mehr vorkommt“: Dass der südliche Saarpfalz-Kreis also ein regelrechtes Paradies für die kleine Eule darstellt, unterstrich Peter Mende ausdrücklich im Rahmen der Exkursion, die dem von den antiken Griechen als Symbol der Weisheit hoch verehrten Tier galt. Auf Einladung des Altstadter Naturschutzbundes, der Zweibrücker Sektion des Alpenvereins und der saarpfälzischen Volkshochschule stellte der engagierte Experte in Sachen Vogelschutz den Steinkauz, seinen Lebensraum und seine Biologie vor. Riesig war die Resonanz der Exkursion, die im Blieskasteler Stadtteil Wolfersheim stattfand; über 40 Interessierte drängelten sich um die Brutstätte, die Mende zur Anschauung vor Ort ausgewählt hatte.

Um der putzigen Minieule gewahr zu werden, war es erforderlich, die künstlichen Nisthilfen zu inspizieren. Das geschah natürlich behutsam und unter der fachkundigen Regie von Peter Mende, der nicht weniger als 180 potenzielle Brutstätten für den kugelförmigen Vogel mit den großen Augen betreut. „Dieses Jahr ist der Steinkauz mit besonders viel Nachwuchs gesegnet. Das liegt daran, dass wir ein sogenanntes Gradationsjahr bei Mäusen haben. Das heißt: Weil es besonders viele Mäuse gibt, ist der Tisch für Eulen besonders reichlich gedeckt. Also steht auch dem Steinkauz ein reichliches Nahrungsangebot zur Verfügung, die Jungtiere werden deswegen sogar schneller flügge“, skizzierte Mende.

 

 

Er führte die Teilnehmer dann zu den versteckten, aber kauzträchtigen Bäumen und Scheunen. "Diese Gegend rund um Wolfersheim ist wie die Umgebung beispielsweise von Böckweiler oder Medelsheim ein nahezu idealer Lebensraum für den Steinkauz", skizzierte Mende. Speziell uralte Obstbäume seien für die seltene Spezies unentbehrlich, und wenn diese sich dann noch in traditionellen Streuobstwiesen befinden, bieten sich für den Vogel nahezu optimale Verhältnisse. Der für sein Kauz-Engagement 2009 mit dem saarländischen Verdienstorden dekorierte Pfälzer (aus Zweibrücken-Wattweiler) demonstrierte eindrucksvoll, dass er mit dieser Art in der Tat auf Du und Du steht: Flugs öffnete er die ausgeklügelte Röhre und holte mit geübter Hand den plüschtierähnlichen Besatz heraus. Den Nachwuchs im noch flaumdurchsetzten Federkleid präsentierte Mende nicht nur - wem danach war, der konnte die kuscheltierähnlichen Knäuel auch in die Hand nehmen. Die ließen sich die Streicheleinheiten auch gerne gefallen und blieben wie angewurzelt dort sitzen, ganz gleich, wohin sie auch gesetzt wurden.

 

Freilich war der Ausflug des Altstadter Umweltverbandes nicht als Schmusekurs gedacht, sondern als Anschauungsunterricht. Nachdem auf einer vereinseigenen Streuobstwiese in Altstadt unter Anleitung von Peter Mende Kauzröhren installiert worden waren, sollten nunmehr Lebensraum und Funktionsweise dieser künstlichen Behausungen in Augenschein genommen werden. Und so stellte sich vor Ort denn zwangsläufig auch die Frage, ob es denn überhaupt realistisch sei, an eine natürliche Ansiedlung der Minieule in Altstadt zu denken. Schließlich sei der derart wieder aufgepäppelte Bestand im Bliesgau doch ein gutes Stückweit entfernt von der Ortschaft westlich von Homburg. Der Exkursionsleiter hatte die lebendige Antwort dafür parat. Anhand der Beringung konnte er nachweisen, dass ein Kauzweibchen aus Medelsheim 2002 in der Nähe von Stuttgart zur Welt gekommen ist und ab 2003 in der "Parr" eifrig für Nachwuchs sorgte. "Wenn das Tier den Weg aus Schwaben hierher geschafft hat, warum sollte es ein anderes nicht von hier aus nach Altstadt schaffen?", sah er die Chancen eigentlich ganz optimistisch.      

Aber nicht nur um den Steinkauz kümmert sich Peter Mende, auch die Schleiereule liegt ihm am Herz. Und so gab es denn in einer Feldscheune auch den Nachwuchs dieser Art unter die Lupe zu nehmen, und der Ornithologe führte zudem vor, wie die Beringung der Tiere in der Praxis vonstatten geht.  

Text: Martin Baus
Fotos: Martin Baus und Marion Geib


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