Altstadter Naturschutzbund mit zwei Förstern im Altstadter Wald

Mit den Förstern im Altstadter Wald: Roland Wirtz (2.v.l) und Fabian Weiskopf (r.) erläuterten den gut zwei Dutzend Teilnehmern der NABU-Exkursion die Ziele ökologischer Waldwirtschaft.  
26. August 2013   


Die Zeiten des Kahlschlags seien vorbei und erst recht jene, in denen es einen „aufgeräumten Wald“ gab. Vielmehr sei es ausdrückliche Zielsetzung, auf lange Frist eine Art „bewirtschafteten Urwald“ entstehen zu lassen, in dem behutsame Nutzung und ökologische Aspekte nebeneinander stehen: „Waldwirtschaft und Naturschutz“ lautete das Thema der Informationsveranstaltung, zu der der Altstadter Naturschutzbund in Zusammenarbeit mit der saarpfälzischen Kreisvolkshochschule eingeladen hatte. Roland Wirtz von der „Waldarbeitsschule“ des Saarforst-Landesbetriebs in Eppelborn sowie Fabian Weißkopf als der für das Altstadter Revier zuständige Förster waren zu Gast, um zunächst in einem Einführungsvortrag über die Problematik zu informieren und sodann in einer Exkursion einige Stellen im Wald anzusteuern, an denen die Bestrebungen vor Ort in Augenschein genommen wurden.
Anlass für die Veranstaltung waren mithin auch die Forstarbeiten des vergangenen Frühjahres, bei denen ein kleiner Teich in Mitleidenschaft gezogen worden war. Den „Saupfuhl“ hatte der Altstadter Naturschutzbund vor über 30 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Forst hergerichtet und auch dafür gesorgt, dass der Wasserabfluss dieses einzigen Gewässers im Altstadter Wald ohne Beeinträchtigung des vorbeiführenden „Widder-Wanderwegs“ sichergestellt blieb. Bei den jüngsten Arbeiten waren nun die Verrohrungen beschädigt worden. Die beiden Forstmänner gestanden den Fehler am Schauplatz des Geschehens ein und sicherten die baldige Wiederherstellung und Anlage eines weiteren kleinen Tümpels zu.
Absicht sei es, künftig auf die Entwicklung eines Laubwaldes hinzuarbeiten, wie er von Natur aus sich selbst entwickeln würde. 20 bis 30 Prozent Nadelholzanteile würden darin aus wirtschaftlichen Gründen geduldet, insgesamt würden je Hektar aber lediglich 30 bis 40 Bäume genutzt, wenn sie ihr optimales Nutzungsalter erreicht haben. „Bei der Buche, die ein Lebensalter von etwa 250 Jahren erreichen kann, ist das etwa nach 120 Jahren der Fall“, skizzierte Roland Wirtz.

"Wenn die Politik 100 Hektar Wald für Industrie und Straßen roden will, dann haben wir keine Möglichkeit der Mitsprache" (Roland Wirtz vom Saarforst-Landesbetrieb) auf die Frage des NABU-Vorsitzenden Martin Baus, ob der Forst denn gefragt werde, wenn wie jetzt im Umfeld von Homburg große Flächen gefällt werden.

Die beiden Forstleute erinnerten daran, dass es im Saarland im Moment kaum mehr ältere Waldflächen gebe. Eine seit der Antike und insbesondere im Mittelalter intensive Nutzung des Waldes habe dazu geführt, dass noch maximal vier Prozent der Waldflächen über 160 Jahre alt sind; diese befänden sich an schwer zugänglichen Stellen wie beispielsweise Schluchten. Dem Wald die Chance zu geben, in 200 bis 250 Jahren die Struktur eines Urwalds zu entwickeln und so ein Biotop für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entstehen zu lassen, sei Ziel dieser Vorgehensweise. Mischwald mit vielen unterschiedlichen Baumarten, der gezielte Schutz von Einzelbäumen („Dicke-Buchen-Programm“) seien ebenso Mosaiksteine der Strategie wie das Belassen von umgefallenen und gefällten Bäumen im Wald. Bei Forstarbeiten anfallendes Holz bis zehn Zentimeter Durchmesser verbleibe ebenso an Ort und Stelle: als Lebensraum für viele Arten bei der Zersetzung und zur gleichen Zeit zur Bodenverbesserung. Von der Motorsäge unbehelligt bleiben Bäume, die Vogelarten wie Rotmilan, Habicht oder Schwarzspecht als „Brutbäume“ dienen. „Dazu brauchen wir aber Informationen, und wir bitten die ehrenamtlichen Naturschützer um entsprechende Hinweise“, appellierten Wirtz und Weiskopf – passend vor der Kulisse einer imposantem, etwa 140 Jahre alten Fichte am „Saupfuhl“, an der in der Höhe das Einflugloch eines Schwarzspechtes zu sehen war.


Text und Foto: Martin Baus


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