Fußstapfen und umgenagte Bäume: Der NABU begrüßt den Biber in Altstadt

Staunende Gesichter gab es beim jüngsten Arbeitseinsatz des Altstadter Naturschutzbundes: Eigentlich stand ja auf dem Programm, den Wäschbach wie alljährlich vor dem Ausbruch des Frühjahrs von Laub, Geäst und anderen Abflusshindernissen zu befreien. Aber als die Pflegetruppe des Umweltverbandes just ins Naturschutzgebiet „Kühnbruch“ vorgedrungen war, gab es ein faustdicke Überraschung. Reihenweise waren dort entlang des Bachufers Bäume umgelegt worden, und die Spuren ließen keinen Zweifel daran, dass da Meister Bockert zugange war. Die Bäume, die in der ihm ureigensten „Sanduhrtechnik“ umgelegt worden waren, verrieten den Biber ebenso eindeutig wie die Nagespuren, die an der Baumrinde hinterlassen worden waren. Und im frischen Schlamm waren zudem die Fußstapfen der großen Hinterpfoten zu sehen, die das bis zu 30 und noch mehr Kilogramm schwere Tier hinterlassen hatte. verraten
„Vermuten wir mal, dass die im Herbst 1999 begonnene Auswilderung der Biber im Bliesgau nun auch bei uns, am nördlichen Rand des Biosphärenreservates, angekommen ist“, meinte Marion Geib vom NABU-Vorstand. Unmittelbar vo der Jahrtausendwende waren die ersten drei Chargen mit insgesamt acht Exemplaren der bis dahin ausgestorbenen Art zwischen Blieskastel und Breitfurt „ausgebürgert“ worden. Etwa ein Jahr darauf folgten drei weitere „Familien“ zwischen Ottweiler und Homburg im mittleren Bliestal. „Castor fiber“, wie der vermehrungsfreudige Kawentzmann im zoologischen Fachjargon firmiert, breitet sich seither munter aus. Wo sich freilich der kunstfertige „Bau“ des Vegetariers befindet, darüber rätseln die Altstadter Naturschützer noch. Nur jede Menge Spuren und Hinweise entlang der Blies selbst und bis in die Randbereiche ihrer Talaue hinein wie beispielsweise jetzt am Wäschbach belegen, „dass er da ist“. Die Beobachtung eines aktiven Tiers ist indes schwierig und selten, zumal Meister Bockert am liebsten nachts aktiv ist.
Ansonsten war es eine regelrechte Schlammschlacht, die sich der Altstadter Naturschutzbund bei seinem Arbeitseinsatz lieferte. In Schweiß treibender Handarbeit wurde der Wäschbach mit Rechen und Schaufeln auf Vordermann gebracht. Seit über 30 Jahren schaut der NABU an diesem vor Urzeiten eigentlich künstlich angelegten Graben, den er von der örtlichen Wässereigenossenschaft im Pachtverhältnis übernahm, nach dem Rechten. "Wir wollen den Graben unbedingt erhalten, weil er in vielerlei Hinsicht wichtige Funktionen im Naturhaushalt erfüllt", erläuterte Bernd Binkle, dessen Großvater schon im Auftrag der Gemeinde Altstadt den Bach in Ordnung gehalten hatte. "Allein schon der Umstand, dass der Bach ausschließlich von einer mächtigen artesischen Kesselquelle gespeist wird, ist einzigartig: Das Wasser ist absolut sauber und klar". Das weiß neben zahlreichen seltenen Vogelarten nun offenkundig auch der Biber zu schätzen. bam


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