Trockenrasen

Dem Ginster geht es Jahr für Jahr an den Kragen - Nabu Altstadt betreibt (Trocken)Rasenpflege

Situation im Jahr 2001

"Mauer-Hungerblümchen", "Platterbsen-Wicke", "Nelkenhafer", "Dreifinger-Steinbrech", "Bauernsenf" oder "Kahle Gänsekresse": Lang ist die Liste jener Pflanzenarten, die auf dem Gelände des ehemaligen Zollbahnhofes zu finden sind. Das Besondere an ihnen ist, daß es sie sonstwo so gut wie nicht mehr gibt. Und weil sie eben vom Aussterben bedroht sind, stehen diese Spezies auf der "Roten Liste" und sind per "Artenschutzverordnung" auch besonders geschützt. Gemeinhin gehören diese ziemlich unscheinbaren Gewächse zu den "Trockenrasen", Gesellschaften von Pflanzen, die nährstoffarme und trockenheiße Böden besiedeln. Auf dem Gelände des ehemaligen Zollbahnhofes finden sich derartige Trockenrasen auf einer Fläche von etwa 100.000 Quadratmetern. "Mit dieser Ausdehnung dürfte das die größte zusammenhängende Fläche im gesamten Saarland darstellen", urteilt der Botaniker Peter Wolff, der gleichzeitig auch Mitautor des "Gefäß-pflanzenatlas des Saarlandes" ist.

 

Um nun eine weitere Ausdehnung dieser so seltenen Pflanzen zu ermöglichen, ist es der Altstadter Naturschutzbund (NABU), der alljährlich zwecks "Rasenpflege" ans Werk geht. Seit geraumer Zeit ist der Umweltverband Eigentümer von Grund und Boden im Bereich des Zollbahnhofes, so daß nunmehr gezielte Pflegemaßnahmen ohne größeren bürokratischen Aufwand wie etwa Genehmigungsverfahren möglich sind. An den Kragen oder besser: an die Wurzel ging es dabei insbesondere dem Ginster. Ihm wird mit Hacke und Astschere zu Leibe gerückt, um den besagten, viel selteneren Pflanzen neuen Lebensraum zu schaffen. Gleichzeitig wird der Sandboden aufgelockert, selbst wenn er leicht gefroren ist. Für die kleinen Blumen und Gräser der Trockenrasen wird die Ansiedlung auf offener Fläche dadurch einfacher.

 

 

Im übrigen sind es nicht allein Pflanzen, die von dem Pflegeeinsatz des Naturschutzbundes profitieren. Wer es wagt, im Sommer einen Beobachtungsgang zur jetzt bearbeiteten Fläche zu unternehmen, der wird sich wundern, was bei sengender Hitze dort alles kreucht und fleucht. Vor allen Dingen die ebenfalls vom Aussterben bedrohten Mauereidechsen sind es, die durch die Aktivitäten des Naturschutzbundes am Zollbahnhof zahlreicher geworden sind. Je höhere Temperaturen die Quecksilbersäule anzeigt, desto mehr von diesen flinken Reptilen kann man Baden in der prallen Sonne zuschauen.

 

Die entfernten "Bremmen" und sonstiges Geäst werden übrigens ganz naturnah entsorgt. An einer abseitigen Stelle aufeinander geschichtet, bieten sie wie eine Hecke allerlei Tieren wie dem Igel oder Vögeln und Insekten Zuflucht und Unterschlupf.

 


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Letzte Änderung: 30. September 2001