Altstadter Gemarkung hinein ins Biosphärenreservat

NABU diskutierte mit Dr. Budell über das Naturschutzgroßvorhaben

"Es ist gar keine Frage, dass über die Abgrenzung des geschützten Gebietes noch eingehend gesprochen werden muss. Dass die vorgeschlagene Grenzziehung unausgegoren ist, steht außer Zweifel. Es wird an uns und an ihnen liegen, Umweltminister Stefan Mörsdorf dahingehend zu bearbeiten, dass er etwa Altstadt und Limbach mit ins Biosphärenreservat aufnimmt": Dr. Berthold Budell, der ehemalige saarländische Umweltminister und jetzige Vorsitzende des "Fördervereins Biosphärenreservat Bliesgau" betonte ausdrücklich, dass das letzte Wort für dieses Projekt noch lange nicht gesprochen sei, im Gegenteil: Die Gremien befänden sich gerade mal im Vorstadium einer konkreten Planung. "Aber das ist natürlich auch die Chance, noch Einfluss auf die Eckdaten zu nehmen", betonte Dr. Budell in der Informationsveranstaltung, zu der der Altstadter Naturschutzbund eingeladen hatte.


Dass nachgerade Altstadt durchaus begründet Anspruch auf die Zugehörigkeit zum Reservat erheben könne, stehe für ihn außer Zweifel. "Mit den Naturschutzgebieten Höllengraben und Kühnbruch verfügt der Ort unmittelbar im Tal der Blies über eine vielfältiges Spektrum seltener Tier- und Pflanzenarten. Dass das Areal des ehemaligen Zollbahnhofes darüber hinaus ein Refugium für vom Aussterben bedrohte Spezies wie etwa die Mauereidechse darstellt, untermauert diesen Anspruch", stellte der Ex-Minister klar.

Aber auch eine funktionierende Einrichtung wie die Wässergenossenschaft in Niederbexbach sei "traditionelles Kulturgut", das durchaus die Berechtigung habe, in ein "Biosphärenreservat" aufgenommen zu werden, sagte Dr. Budell in Richtung Karl Trautmann, der als Vorsitzender der Niederbexbacher Genossenschaft teilnahm.

"Sie brauchen keine Angst zu haben, wir werden dann nicht wie die Sioux oder die Apachen in den USA in einem abgegrenzten Reservat leben müssen. Dennoch gefällt mir die inoffizielle Bezeichnung "Biosphärenregion" besser, weil sie von vornherein jeden Verdacht einer Ausgrenzung ausschließt". Die UNESCO sei es, die derlei geschützte Gebiete anerkenne. Die Folge davon: Massiv fließen Fördergelder für bestimmte Programme in die jeweiligen Regionen, der Tourismus und die ökologische Landwirtschaft würden gezielt gefördert, gleichermaßen würden Einrichtungen durchdacht unterstützt, die die regionale Identität, die Traditionen, Eigenheiten und charakteristischen Merkmale der betreffenden Landschaft pflegen - Museen und Informationszentren etwa, aber auch die Erhaltung von Baudenkmälern und insbesondere der typischen Landschaft.

"Eine tragende Säule im Biosphärenkonzept sind zweifelsohne die Landwirte. Mit ihrer Arbeit tragen sie zur Pflege und zur Erhaltung der Kulturlandschaft bei. Und unter dem Markenzeichen Biosphärenreservat können sie ihre Erzeugnisse fraglos auch werbewirksamer vermarkten. Aber wer von den Landwirten nicht mitmachen und weiter wie bisher konventionell wirtschaften will, der kann das machen. Es wird keiner gezwungen, aber für die, die nicht auf die ökologische Karten setzen, gibt es auch keine Fördergelder aus den Biosphäretöpfen", stellte Dr. Budell klar.

Offen blieb die Frage, ob der Altstadter Naturschutzbund dem Förderverein beitreten wird. In einer der nächsten Mitgliederversammlungen soll diese Frage diskutiert werden. In der Pflicht sieht der Umweltverband auf jeden Fall die politischen Gremien. Dass der Ortsteil Kirkel-Neuhäusel, obwohl fernab der Blies, wegen seines großen Waldanteils Element des Bliesgau-Reservates sein soll, Altstadt mit seinen Feuchtbiotopen im Tal der Blies aber außen vor bleibt, das wollte den Naturschützern dann noch nicht einleuchten - zumal nach Worten von Dr. Budell ausgerechnet die Autobahnen als "natürliche Grenzen" des Biosphärenreservates ausgewiesen seien.

(M. Baus)

 

Biosphärenreservate in Deutschland

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Letzte Änderung: 22.09.2001