Altstadter Naturschutzjugend durchwühlt Bliesgau nach Fossilien

"Ihr müsst euch vorstellen, dass der Bliesgau einmal von einem Meer bedeckt war. Darin lebten alle möglichen Tiere und Pflanzen. Dann hat sich das Wasser zurückgezogen und mit der Zeit sind die toten Lebewesen versteinert": Zig Millionen Jahre Erdgeschichte im Schnelldurchgang präsentierte Christiane Nagel der Altstadter Naturschutzjugend während deren Expedition in die Geologie. Die Suche nach Fossilien stand im Mittelpunkt, und Schauplatz dazu war ein alter Steinbruch bei Rubenheim in der Gemeinde Gersheim. In Hülle und Fülle fündig wurden die Jungen und Mädchen, die mit entsprechendem Equipment wie Hammern und sogar Schutzbrillen mit Feuereifer bei der Sache waren. "Hurra, ein Ammonit", schallte bsiweilen der Jubelschreiei aus der einen Ecke des Steinbruchs, und gleich darauf kam von der anderen Seite das Echo: "Ich habe Muscheln gefunden".


Foto:Baus
"Ihr müsst euch vorstellen, dass das schon 200 Millionen her ist, dass diese Tiere hier gelebt haben", versuchte die Jugendleiterin zu verdeutlichen, in welch langen Zeiträumen sich Erdgeschichte abspielt. Damals hätten auf der Erde noch Dionosaurier das Sagen gehabt, während die Säugetiere noch in den Kinderschuhen steckten. "Aber Dinos werden wir hier im Muschelkalk keine finden", machte Christiane Nagel keine Versprechungen auf so große Funde. Seelilien, verschiedene Muscheln, Armfüßer ("Brachiopoden"), Fischzähne, Krebse und schließlich die schneckenartigen Ammoniten seien die Relikte aus der Urzeit, die heutzutage mit etwas Glück und dem gewissen Blick dafür ausfindig zu machen seien - "eben alles, was in dem damaligen sehr flachen Meer hier kreuchte und fleuchte".

Und die Ausbeute an derlei Relikten aus Urzeiten konnte sich durchaus sehen lassen. Nach anderthalb Stunden begeisterter Suche war jedenfalls allerhand zusammengekommen, der Abtransport mit der Hand und zu Fuß zu den weitab geparkten Autos gestaltete sich dann doch recht schweißtreibend. "Es gibt zwei Möglichkeiten, wie die Fossilien deutlicher heraus kommen", informierte Beatrix Schons über die Tricks, die passionierte Sammler zur Bearbeitung "drauf haben". "Entweder man behandelt das Gestein mit einer speziellen Säure, dann geht das ganz schnell. Oder man legt es ein paar Monate hinaus ins Freie, und mit der Zeit hat der Regen die gleiche Wirkung, aber natürlich langsam". Dass die Ausbeute des Nachmittags Ehrenplätze in den Kinderzimmern bekommt, darüber gab es dann Einhelligkeit. Dass die Fossiliensuche im schweren und lehmigen Bliesgauboden aber nicht ganz ohne Nebenwirkungen blieb, zeigte sich an Schuhen und Kleidung der jungen Forscher: Bis unter die Halskrause reichte bisweilen der langsam trocknende Kalkschlamm, den der Nachturschutz-Nachwuchs mit Enthusiasmus durchwühlte.

Martin Baus


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Letzte Änderung: 21.10.2001