Landesentwicklungsplan Umwelt
Stellungnahme des Naturschutzbundes - NABU-Ortsgruppe Altstadt

Guten Tag, Herr Minister Mörsdorf,

zu dem von Ihrem Ministerium vorgelegten Entwurf zur Fortschreibung des Landesentwicklungsplanes Umwelt nimmt die NABU-Ortsgruppe Altstadt wie folgt Stellung:

Der von der Saarländischen Landesregierung nunmehr vorgelegte Entwurf zum Landesentwicklungsplan Umwelt berücksichtigt in seiner überarbeiteten zweiten Fassung erfreulicherweise eine Reihe von Einwänden und Bedenken, die der Naturschutzbund Altstadt zur Erstvorlage vorgetragen hatte. Vor allem die Einstufung des ehemaligen Zollbahnhofes als künftiges Vorranggebiet für Naturschutz trägt, im Vergleich zu der derzeit noch geltenden Festlegung und zum ursprünglichen Planentwurf, den Gegebenheiten und Erfordernissen Rechnung: Die besondere Biotop- und Artenvielfalt dieses Areals würde damit anerkannt. Die durch die bisherige Einstufung als Vorranggebiet für industrielle Großvorhaben drohende Zerstörung dieses Lebensraumes zahlreicher auch vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten wäre abgewandt, der Weg zu einem dauerhaften und effizienten Schutz- und Pflegekonzept offen.

Aus der Sicht des Naturschutzbundes Altstadt ist weiterhin auch die flächenmäßige Reduzierung des Bexbacher Industrie- und Gewerbegebietes - "Expansion BIG" - vernünftig. Die im Zweitentwurf dafür eingeplante Fläche betrifft nach der Überarbeitung die Altstadter Gemarkung nicht mehr; den Bedenken des NABU, die unter anderem eine nachhaltige Beeinträchtigung der Feilbachaue zum Gegenstand hatten, wurde Rechnung getragen. Die schon seit langer Zeit geforderten Maßnahmen zur Renaturierung und Pflege des Fließgewässers und der Biotopflächen im Umfeld haben nun eine realistischere Perspektive.

Umgesetzt wurde auch der Vorschlag des NABU Altstadt, das in absehbarer Zeit zur Disposition stehende Militärgelände "Am Zunderbaum" nicht aufzuforsten, sondern künftighin als Gewerbegebiet vorzuhalten, zumal dort eine gewisse Infrastruktur vorhanden ist und weitere Eingriffe in Natur und Landschaft überflüssig gemacht würden. Auch die Eintragung weiter Flächen der Bliestalaue als Vorranggebiete für Landwirtschaft ist zweckmäßig; allerdings wird weiterhin angemahnt, dem Umbruch von Grünland zu Ackerflächen bis in die Uferbereiche der Blies hinein endlich von behördlicher Seite offiziell entgegenzutreten.

Gleichwohl hat der Naturschutzbund Altstadt noch erhebliche Einwände und Bedenken zu zwei Vorgaben des Landesentwicklungsplans Umwelt im vorliegenden Entwurf:

1. Die Trasse der Umfahrungsstraße für Homburg bzw. Erschließungsstraße für neue Industriegebiete wird über Teilbereiche der Altstadter Gemarkung geführt. Ungeachtet der Tatsache, dass die geplante Straßenneubaumaßnahme erfahrungsgemäß keinerlei Verkehrsentlastung mit sich bringen, sondern zusätzliche Verkehrsprobleme an anderen Stellen verursachen wird, hätte diese Straße schwerwiegende nachteilige Konsequenzen für Mensch, Natur und Landschaft. Die bereits unerträgliche Verkehrssituation im Ballungsraum Homburg, so ist abzusehen, wird weiter eskalieren und damit auch die Lärmbelastung, die Luftverschmutzung, die Zersiedlung und Verbauung derzeit noch nicht in Anspruch genommener Landschaftsfragmente. Abgesehen davon, dass neue Industriegebiete ebenso wie die im Plan verzeichnete Umfahrungs- bzw. Erschließungsstraße per se, also zwangsläufig, zusätzlichen Verkehr produzieren - Belegschaften, Zulieferer, Transporte etc. - wird die ortsansässige Bevölkerung genötigt, zur "bzw. zur "Kurzzeiterholung" selbst weitere Wege im Fahrzeug zu diesem Zweck zurückzulegen, da in der unmittelbaren Umgebung der Wohnlage diese wichtigen Faktoren einer einigermaßen akzeptablen Lebens- und Umweltqualität nicht mehr ausreichend gegeben sind.

Schließlich weist der Naturschutzbund ausdrücklich darauf hin , dass gerade Altstadt von massiv frequentierten Verkehrsverbindungen massiv beeinträchtigt ist: Die Autobahn 8 im Süden, die Autobahn 6 im Norden und Westen, die Landstraße 119 (ehedem Bundesstraße 40) im Süden und die Bundesstraße 423 im Norden und Osten sowie die Bahnverbindungen Mannheim/Saarbrücken und Homburg/Neunkirchen umgeben den Ort in unmittelbarer Nähe mit allen ihren nachteiligen Folgen. Die Trassierung der eingeplanten Umfahrungs- bzw. Erschließungsstraße würde diese Zustände weiter dramatisieren.

Angemerkt sei zudem, dass die seit vielen Jahren vom NABU Altstadt mit hohem finanziellem und persönlichem Engagement im Bereich der geplanten Straßentrasse angelegten Hecken- und Streuobstflächen als einzigartige Brut- und Rückzugsflächen für Vögel und Kleinsäuger unwiederbringlich zerstört würden.

2. Das Homburger Gewerbegebiet soll nach dem vorgelegten Planungsentwurf auf die Altstadter Gemarkung ausgedehnt werden und über die o.g. Umfahrungsstraße offenkundig erschlossen werden. Der Naturschutzbund Altstadt wendet sich gegen dieses Vorhaben: Altstadt hätte mit der Bereitstellung des Areals "Am Zunderbaum" seinen Beitrag zur Bereitstellung von Gewerbeflächen mehr als hinreichend geleistet. Immerhin macht diese Fläche annähernd zehn Prozent des örtlichen Weichbildes aus. Eine weitere Inanspruchnahme wäre, auch im Kontext der weiterhin expandierenden Siedlungs- und Verkehrsverbauung nicht zu verantworten; die Lebens- und Wohnqualität würde durch zusätzlichen Verkehrslärm und Emissionen verschiedener Art aus dem Gewerbegebiet in Mitleidenschaft gezogen. Nicht zuletzt würde die im Landesentwicklungsplan vorgesehene Ausweisung des ehemaligen Zollbahnhofes als Vorranggebiet für Naturschutz aufgrund der räumlichen Nähe zu dem Gewerbegebiet zum großen Teil wieder zunichte gemacht. Über Jahrzehnte in diesem Bereich gewachsene wertvolle Ökosysteme würden zerstört, die heute hier weitgehend naturnah betriebene bäuerliche Landwirtschaft würde ernsthaft gefährdet.

Der Naturschutzbund Altstadt erwartet deswegen von der Saarländischen Landesregierung, dass der vorgelegte Entwurf erneut überarbeitet wird und den geäußerten Bedenken Rechnung getragen wird. Die Festlegung der besagten Flächen als Vorranggebiet für Landwirtschaft den angeführten Erfordernissen Rechnung tragen und wäre ein unverzichtbarer Beitrag für den unbedingt notwendigen, nachhaltigen Umgang mit den Naturgütern.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Baus


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Letzte Änderung: 2. Dezember 2001