Botanische Exkursion am Zollbahnhof

"Wie will uns das Sprichwort weismachen: Keine Rose ohne Dornen. Aber das ist nur so dahin gesagt und eigentlich ausgemachter Unfug. Rosen haben keine Dornen, sondern Stacheln", sagte Willi Hammer und löste eine der dennoch ziemlich pieksenden Spitzen vom herrlich blühenden Strauch der Heckenrose. Das derlei Fortsätze an den Stengeln und Zweigen kein Selbstzweck sind, sondern wichtige Funktionen erfüllen, darauf verwies der pensionierte Studiendirektor aus Homburg ausdrücklich. "Ha Ha, die haben die Stacheln nämlich, um sich vor ihren Feinden zu schützen. Die Rosen wollen eben nicht gefressen werden".

Pflanzenkunde war also angesagt bei der Exkursion, zu der der Altstadter Naturschutzbund (NABU) in Zusammenarbeit mit der örtlichen Volkshochschule eingeladen hatte. In die Botanik des Zollbahnhofes ging die naturkundliche Tour, und dort standen vornehmlich Gewächse im Blickpunkt, die sich auf extreme Bedingungen eingestellt haben - extreme Trockenheit, extreme Sonneneinstrahlung, extreme Hitze. "Eine Temperatur von 50 Grad und mehr am Boden, Wassermangel und eine gnadenlos sengende Sonne, das sind die unwirtlichen Lebensbedingungen, denen Pflanzen wie Tiere auf diesem Areal ausgesetzt sind", skizzierte der Biologe den besonderen Standort zwischen Altstadt und Homburg. Die Exkursionsteilnehmer, so viele wie noch nie, erfuhren derlei Unbill am eigenen Leib: Gluthitze sorgte für schweißnasse Hemden und Gesichter. Dass gerade deswegen Blumen dort vorkommen, die es anderswo in Mitteleuropa höchst selten gibt, ist nach den Worten des ehemaligen Lehrers am Mannlich-Gymnasium die zwangsläufige Folge. Und so gab es denn eine ganze Reihe von Pflanzen in Augenschein zu nehmen, die unter derlei krassen Verhältnissen existieren können. "Sie haben sich eben angepasst", erläuterte Hammer die Überlebensstrategie. "Wenn meist unscheinbaren Blumen nicht verbrennen wollen, dann müssen sie spezielle Mechanismen entwickeln". Einer Vielzahl sei das auch gelungen: "Die Blätter sind dann schmal und klitzeklein, haben sogar Haare, über die sie die Verdunstung regulieren. Dafür verfügen diese Pflanzen über fantastische Wurzelanlagen, über die sie sich mit Nährstoffen und Wasser versorgen". Der fleischige Mauerpfeffer etwa, der in knallgelb den Blütenteppich des Zollbahnhofes charakterisiert, sei sogar in der Lage, auf dem dem nackten Gestein zu wachsen. "Er braucht keinen Sand, keinen humushaltigen Boden, aber er arbeitet wie eine Zuckerfabrik", erläuterte Willi Hammer die "Survival-Taktik" des auch "Fetthenne" genannten Dickblattes.

Zahlreiche andere Arten der Trockenrasen unterstrichen den Ruf des Zollbahnhofes als größtes Biotop dieser Pflanzen im Saarland, das "Steppengreiskraut", das "Mauerhungerblümchen" oder auch die großen Glatthaferbestände. Aber auch bei vermeintlichen Allerweltsarten konnte der Biologe interessante Eigenarten berichten. "Der Ginster zum Beispiel, der kommt nur links des Rheins vor. Auf der anderen Seite des Flusses gibt es ihn nicht, dort ist es ihm zu kalt. Eigentlich ist er ja aus der Bretagne bei uns eingewandert. Aber wenn es in unseren Gefilden mal stärkeren Frost gibt, dann stirbt er ganz schnell und großflächig ab", erklärte Hammer die vielen "Bremmen-Gerippe" im Gelände. Besen hätten die Menschen früher daraus gemacht, "deswegen heißt er ja auch Besenginster".

Dass es in der heimischen Pflanzenwelt aber ganz schön "multi-kulti" zugeht, das konnten die Wanderer im wahrsten Sinn des Wortes unter die Lupe nehmen: Japanischer Knöterich, Irisches Moos oder die Kanadische Goldrute gehörten zu jenen fremdländischen Gewächsen, "die wir Botanik-Fritzen eigentlich nicht so gerne sehen". Dass die Reichsbahn einst Akazien entlang der Bahnlinien pflanzte, um zu verhindern, dass durch die Dampfloks die Bahndämme in Brand gesetzt werden, oder Lupinen an Autobahnen gepflanzt wurden, um mit ihren langen Wurzeln die Hänge zu befestigen, gehörte zu den weiteren Kuriositäten der Hammerschen Exkursion in die Natur.

Vom gemeinen Besenginster und Trockenrasen, aber auch von Irischem Moos und kanadischer Goldrute berichtete der Homburger Biologe Willi Hammer den Teilnehmern der botanischen Exkursion. Deren Schauplatz war das Gelände des ehemaligen Zollbahnhofes zwischen Homburg und Altstadt, auf dem es noch viele seltene, vom Aussterben bedrohte Pflanzen gibt.
Fotos: Baus

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Letzte Änderung: 29. Juni 2002