Naturschutzbund heftete sich an die Fersen der Eidechsen im Zollbahnhof

Die grünlich-blaue Schlange, die dem Biologen urplötzlich behände durch Finger glitt, stellte er zwar als Exemplar der Spezies "Schlingelnatter" vor: Aber Jonas Lehmann und Vinzenz Schley ließen sich nicht an der Nase herum führen und erkannten gleich, dass es sich nur um eine Attrappe aus Kunststoff handelte.
Was Dr. Axel Didion den Exkursionsteilnehmern ansonsten aber präsentieren konnte, das waren in der Tat waschechte Reptilien. Trotz recht ungünstigen Wetters ließen sich auf dem Gelände des ehemaligen Zollbahnhofes zwischen Altstadt und Homburg einige interessante Tiere beobachten. An die Fersen der Kriechtiere geheftet hatte sich der Altstadter Naturschutzbund, der in Zusammenarbeit mit der örtlichen Filiale der Kreisvolkshochschule zu dieser ganz speziellen Wanderung in Sachen Naturkunde eingeladen hatte."Bei den Kriechtieren handelt es sich um eine uralte Tiergruppe.


Foto: Baus

Eidechsen gab es schon vor gut 250 Millionen Jahren, in der Kohlezeit genauer gesagt, und sie sind im Prinzip Zeitgenossen der Dinosaurier", führte der Experte aus Schwarzenacker in die Thematik ein. Noch heute gebe es auf der Erde sehr große Reptilien, Warane oder Krokodile etwa, deren kleinere Kollegen jetzt im Zollbahnhof unter die Lupe genommen werden konnten. Speziell die Mauereidechse war es, die den Wanderern in Sachen Naturkunde vornehmlich begegnete. In den zahlreichen wissenschaftlichen Gutachten, die über die "Biologie des Zollbahnhofes" in den letzten Jahren angefertigt wurden, wird gerade ihr Vorkommen hervor gehoben, gibt es linkerhand des Rheins doch kein anderes derart großes Vorkommen dieser Art, die in der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere als "stark gefährdet" eingestuft wird. "Die großen Schotterflächen hier sowie die vom Zahn der Zeit reichlich angenagten Betonüberreste der ehemaligen Bahnanlagen sind ein wahres El Dorado für die kaltblütigen Wegelagerer", skizzierte Dr. Didion. Dass diese Bezeichnung durchaus treffend war, konnten die Teilnehmer recht schnell selber in Erfahrung bringen - das rasche Rascheln am Wegesrand deutete nämlich darauf hin, dass sich gerade wieder ein Exemplar aus dem Staub gemacht hatte. "Wenn man aber ein bisschen Geduld aufbringt, dann kommen die Eidechsen ganz neugierig wieder aus ihrem Versteck hervor und lassen sich in Ruhe beobachten", gab der Biologe Tipps und Tricks. Und just so geschah es denn auch. Dass Reptilien eigentlich gefräßige Raubtiere seien berichtete er obendrein. Insekten vertilgen sie massenweise, darunter auch solche, die aus menschlicher Perspektive als "schädlich" eingestuft werden.
Im Saarland gebe es gerade mal sechs unterschiedliche Kriechtierarten, und alle kommen sie im Zollbahnhof vor, wenn auch in viel geringerem Ausmaß als die besagte Mauereidechse. Neben ihr gab es noch eine stattliche Blindschleiche zum Anschauen und zum Anfassen. Tot war indes die Ringelnatter: die ungiftige und harmlose Schlange, die einige Tage vor der Wanderung im Gelände gefunden worden war, brachte es auf beachtliche 1,15 Meter Länge.
Nicht heimisch ist nach Axel Didions Worten die griechische Landschildkröte, die unter einem Stein ebenfalls tot aufgefunden wurde. "Entweder wurde sie ausgesetzt oder sie ist ausgebüchst. Obwohl sie sich vergraben hat, hat sie den Winter nicht überlebt".

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Letzte Änderung: 15.10.2002