Am Höllengraben: Größere Teiche, die Kühe, der Storch und der Müll

"Jetzt, über die Wintermonate, ist die ideale Zeit, um noch bessere Lebensbedingungen für den Weißstorch zu schaffen. Eine ganze Reihe von Maßnahmen wird gerade jetzt im Umfeld des Höllengrabens in Angriff genommen": Christoph Braunberger, Mitarbeiter beim Umweltdezernat des Saarpfalz-Kreis, begründet so, warum am Naturschutzgebiet zwischen Altstadt und Beeden augenblicklich der Bagger im Einsatz ist und auch sonst noch "so allerhand andere Arbeiten" zugange" sind. Und: nicht nur Adebar, sondern auch andere seltene, aber weniger spektakuläre Vogelarten sollen in dem großen Feuchtgebiet zwischen Altstadt und Beeden eine neue Heimat finden. "Von den Projekten, die wir hier jetzt in die Wege geleitet haben, werden zum Beispiel die langschnäblige Bekassine, der Kiebitz oder der Wiesenpieper profitieren", erläutert der passionierte Ornithologe die Pläne, die derzeit in der Tat umgesetzt werden. Damit werde das Naturschutzgebiet "Höllengraben", das aus vogelkundlicher ohnehin zu den wichtigsten Biotopen im Saarland gehört, noch weiter aufgewertet.
Der Bagger am Naturschutzgebiet: Um die Lebensbedingungen für den Storch, aber auch für andere Vogelarten zu verbessern, finden derzeit Arbeiten am Naturschutzgebiet "Höllengraben" statt. So werden die bestehenden Teiche entschlammt, "entmüllt" und vergrößert. Im nächsten Jahr soll vor Ort erstmals ein "Storchenfest" stattfinden.
Foto: Baus
Da in der frostigen Jahreszeit "die Natur ruht", sei jetzt die beste Gelegenheit für den Einsatz der Baggers. Der vergrößert gerade die Teiche, mit deren Anlegung schon vor anderthalb begonnen worden war. Auf immerhin 2000 Quadratmeter Oberfläche kommen die Tümpel schon, die sich in vielfältiger Weise bewährt haben. "Im Sommer hatten wir darin mehrere Tausend Grünfrösche, und im Herbst konnte ein Vielzahl von Vogelarten hier beobachtet werden, die hier auf ihrem Zug ins Winterquartier Station machten", berichtet Braunberger. Löffelente, Spießente und Pfeifente seien in großer Individuenzahl beobachtet worden, und sogar Silberreiher waren da. Aber nicht nur die Ausdehnung der Wasserfläche hat der Baggerführung zum Arbeitsauftrag: Er muss die schon länger bestehenden Teiche auch "entschlammen und entmüllen". Christoph Braunberger dazu: "Durch die vielen Hochwasser der Blies im letzten Winter wurden große Mengen Erdboden eingeschwemmt. Offenkundig stammen diese Erdmassen von jenen Wiesen entlang des Bliesufers, die in Altstadt umgepflügt und als Ackerland genutzt werden. Wenn die Blies überschwemmt, wird die Ackerkrume abgetragen und unter anderem hier im Beeder Bereich wieder abgelagert". Auch der Müll komme mit dem Hochwasser. "Wir haben ja vor, ab dem kommenden Sommer Teile des Naturschutzgebietes wieder zu beweiden. Bevor die Rinder im Hochsommer hier grasen können, wird eine erste Mahd im Juli stattfinden. Wir müssen nun dafür Sorge tragen, dass das Mahdgut frei von Plastikabfällen ist, denn durch die Silagenutzung können diese klein gehäckselt ins Tierfutter hinein gelangen. Das kann für den betreffenden Landwirte ganz schön zu Problemen führen, wenn die Tiere das mit der Silage fressen", skizziert Braunberger. Die Zivildienstleistenden des Saarpfalz-Kreises, Marko Jungfleisch und Stefan Hirsch seien derzeit "bei Wind und Wetter" vor Ort im Einsatz, um den Müll abzusammeln. Bezahlt wird der Bagger-Einsatz, dem die Beeder Störche aus bisweilen gar nicht weiter Distanz zuschauen, durch die Stadt Homburg und Spendengelder, die bei der "Weißstorch-AG" eingegangen sind. Und mit der Expansion der Tümpel und der Beweidung seien die Projekte am Höllengraben noch längst nicht alle in die Tat umgesetzt. Zwar sei die erste Phase der "Laubfrosch-Wiedereinbürgerung" abgeschlossen - die ersten "Mollekepp" wurden im vergangenen Sommer ausgewildert - , und auch die Herrichtung alter Wassergräben sei erledigt. "Aber Ideen haben wir noch jede Menge, und das eine oder andere Vorhaben ist schon in der konkreten Planungsphase". Um die Finanzierung sicherzustellen, werde im nächsten Frühjahr im übrigen erstmals ein "Storchenfest" gefeiert.
Martin Baus

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Letzte Änderung: 18.12.2002