Altstadter Naturschutzbund kritisiert reihenweise Fällung alter Bäume


Foto: Geib


Über eine Baumschutzverordnung für die Gemeinde Kirkel will der Altstadter Naturschutzbund in seiner nächsten Sitzung diskutieren. Die Mitgliederversammlung des Umweltverbandes wird sich deswegen mit einem solchen Instrument auseinandersetzen, weil es in Altstadt und Limbach in den letzten Wochen zu massiven Fällungen auch alter Baumbestände gekommen war. Eine Reihe alter Eichen am Friedhof, teilweise über 100 Jahre alte Eichen, Schwarzerlen und ein stattlicher Walnussbaum im Umfeld der Limbacher Mühle oder ein Gehölzsaum auf der Altstadter "Lehmekaut" mit nicht minder stämmigen Bäumen waren in den letzten Wochen der Motorsäge zum Opfer gefallen und Anlass für zahlreiche Proteste innerhalb der Bevölkerung. Kritisiert wurde vor diesem Hintergrund auch die zögerliche Haltung der Naturschutzbehörde, die Auffassung des Altstadter NABU massiver gegen solche Eingriffe vorgehen müsse. Mit einer Baumschutzverordnung nach Homburger Vorbild, die vom Gemeinderat zu erlassen wäre, könnten derlei Rodungen vielleicht eher ausgeschlossen werden.

Ins Visier der Naturschützer geriet aber auch die Deutsche Bahn AG, die noch Mitte März mit Rodungen von Hecken und Bäumen entlang ihrer Strecken beschäftigt war. Während das Naturschutzgesetz vorschreibe, dass derlei Maßnahmen wegen der beginnenden Brutzeit bis Mitte Februar abgeschlossen und Privatpersonen bei Zuwiderhandeln saftige Geldstrafen angedroht werden, kehre sich die Bahn keinen Deut um derlei Vorschriften. Proteste bei der Naturschutzbehörde wären wirkungslos - die Bahn könne machen was sie wolle und sei nicht an die Gesetze gebunden, verlautbare von dort.

Ansonsten hatten sich die Mitglieder des Naturschutzbundes mit den gewohnten Modalitäten einer Generalversammlung zu befassen, so etwa den Tätigkeitsberichten aus den einzelnen Bereichen. Einen guten Besatz der 110 künstlichen Nisthilfen, die der Naturschutzbund kreuz und quer auf der Altstadter Gemarkung aufgehängt hat, konnte beispielsweise Vogelwart Kurt Wolf vermelden. Zusammen mit Erich Dorner und Günther Kleis hatte er die Aufgabe erledigt, die "Vogelhäuschen" zu kontrollieren und den Frühjahrsputz zu erledigen. Auch einige Besonderheiten hatte er in seinem Bericht parat: "Hornissen hatten sich in einem Fledermauskasten einquartiert, und einer unserer riesigen Eulenkasten wurde von einem kleinen Kleiber bewohnt. Dieser hat dazu das große Einflugloch bis auf eine winzige Öffnung zugegipst", berichtete Kurt Wolf von seinen besonderen Beobachtungen. Eine stattliche Zugriffrate auf die Internetseiten des Naturschutzbundes skizzierte "Webmasterin" Marion Geib. 7400 Mal sei der Auftritt unter www.nabu-altstadt.de im vergangenen aufgerufen worden. Weniger erfreulich fiel die Mitgliederstatistik aus, die Schriftführer Joachim Schindelhauer-Deutscher vorbereitet hatte. Demnach verlor der Verband im letzten Jahr 31 Mitglieder, so dass derzeit noch 232 Namen und fünf Verbände in der Kartei stehen. "Meistens war es einfach so, dass der Mitgliedsbeitrag nicht bezahlt wurde und die Adressen deswegen von der Bundesgeschäftsstelle gelöscht wurden", berichtete er. Derzeit zähle der NABU in Altstadt 103 Frauen und 129 Männer, 113 Mitglieder seien in Altstadt wohnhaft, 98 in Limbach. Eher gegenteilig war indes der Trend, was die Beteiligung bei den zahlreichen Arbeitseinsätzen anbelangt.

"Ganz gleich, ob es sich um die Pflege von Trockenrasen, den Schnitt von Kopfweiden oder Obstbäumen sowie Arbeiten an Gewässern handelt, es findet sich inzwischen stets ein fester Stamm von bis zu 20 Helfern zusammen", freute sich Vorsitzender Martin Baus über den Eifer, mit dem die notwendigen Arbeiten in Feld und Flur in Angriff genommen werden. Kassierer Hans-Jürgen Sand konnte schließlich eine erfreuliche Finanzlage des Vereins erläutern, die auch durch die Teilnahme am Dorffest mit einer Weinlaube verbessert worden sei. Neuwahlen zur Vorstandschaft stehen turnusgemäß erst im nächsten Jahr auf der Tagesordnung. Dann wird der Altstadter NABU 25 Jahre alt.


Martin Baus


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Letzte Änderung:17.03.2004