Hecken und Bäume schneiden, Draht entfernen, Dosen sammeln - Letzter NABU-Arbeitseinsatz im Frühjahr

"Das Dosenpfand ist noch viel zu niedrig, zwei Euro fünfzig müsste es kosten, mindestens": Günther Kleis machte seiner Verärgerung gehörig Luft, nachdem die Säuberungsaktion abgeschlossen war. Obwohl der Altstadter Naturschutzbund bei seinem jüngsten Arbeitseinsatz nur eine Testfläche von 50 Metern im Quadrat abgesteckt hatte, um zu sehen, was auf einem solchen Areal alles an achtlos weggeworfenen Abfällen zusammenkommt, türmte sich der aufgelesene Unrat. Und in der Tat waren es vornehmlich die Getränkebüchsen, die rasant Müllsack um Müllsack> füllten. Nicht immer einfach war es für die Helfer des Umweltverbandes, diesen schmuddeligen Job zu erledigen, bisweilen mussten sie in dornigen Hecken herumkriechen, um den Abfällen habhaft zu werden. Binnen Stundenfrist waren so zwei Kombi-Kofferräume bis unter die Hohlziegeln voll. "Das hat aber nichts mit der Piccobello-Geschichte der Landesregierung zu tun. Um den Abfall der Schmutzfinken zu beseitigen, brauchen wir keine Extra-Einladungskarte", betonten die NABU-Helfer.
Vornehmlich Dosen aber auch anderen Müll sammelten die Helfer des Altstadter Naturschutzbundes bei ihrem Arbeitseinsatz. Binnen kurzer Zeit hatten Heinz-Günther Wolf, Kurt Wolf, Günther Kleis und Harald Pfeiffer (v.links) den Kombi-Kofferraum voll mit dem achtlos in die Landschaft geworfenen Abfall.
Foto: Baus
Sie hatten sich bei ihrem letzten Arbeitseinsatz über die Wintermonate allerdings noch ganz andere Aufgaben vorgenommen. Nach dem Rückschnitt der Kopfweiden am Bruchgraben, dem Bau einer Eidechsenmauer im Zollbahnhof oder der Säuberung des Wäschbachs standen nun die Obstbäume im Blickpunkt. Mehrere Hundert waren in den letzten Jahren auf verbandseigenem Grund und Boden gepflanzt worden. Während Kurt Wolf und Harald Pfeiffer die Scheren zum Pflegeschnitt ansetzten, übernahm Heinz-Günther Wolf den Auftrag, die Manschetten zum Schutz vor Wildschäden zu kontrollieren. "Immer wenn wir neue Bäume gepflanzt haben, wurden Rinde mit solchen Vorrichtungen aus dünn maschigem Hasendraht umgeben. Denn gerade die jungen Stämmchen fallen ganz besonders gern dem fegenden Rehbock zum Opfer", erläuterte Wolf, der als passionierter Jäger selbst auf die Pirsch geht. Inzwischen, nach zehn bis zwölf Jahren, seien die Bäume aber so stattlich, dass ihnen das Gehörn des Rehwildes nichts mehr anhaben kann. Statt dessen drohe die Gefahr nun vor den Manschetten selbst, zumal diese im Laufe der Jahre in den Stamm einzuwachsen drohen. Systematisch wurden deshalb alle Gatter
unter die Lupe genommen und die meisten auch entfernt. "Seit wir damit begonnen haben, diesen Obstbaumgürtel quer durch die ansonsten landwirtschaftlich genutzte Fläche anzulegen, haben sich schon viele Vogelarten hier angesiedelt, die ansonsten keine Chance hätten, in der leeren Feldflur zu überleben", berichtet Kurt Wolf über die positiven Auswirkungen der fast alljährlichen Pflanzaktionen. So seien auf jener Fläche, die jetzt im Mittelpunkt des Arbeitseinsatzes stand, Raritäten wie das Schwarzkehlchen, der Neuntöter oder die Goldammer zu beobachten.
Der Naturschutzbund verbinde mit diesem Band von Hecken, Obstbäumen und Wildäckern aber auch die Hoffnung, dass sich der Bestand des Rebhuhnes wieder erholt. "Leider sieht es um diesen kleinen Laufvogel nicht besonders gut aus, zwei oder drei Exemplare gibt es gerade noch. Vor zehn Jahren waren es noch einige stattliche Ketten", beschreibt Heinz-Günther Wolf den dramatischen Rückgang dieser Vogelart in Altstadt.
Martin Baus


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Letzte Änderung: 04.04.2004