Brennpunkt: Schotterlager am Zollbahnhof

Das Vorhaben eines Subunternehmens der Bahn AG, auf dem Gelände des e-hemaligen Zollbahnhofes ein Zwischenlager für Schotter anzulegen, sorgte in der jüngsten Ver-sammlung des Umweltverbandes für Diskussionen. Zumal erst wenige Wochen zuvor vom saarländi-schen Umweltminister die Mitteilung gekommen war, dass der Zollbahnhof in seiner kompletten Ausdehnung zwischen Altstadt und Homburg nun offiziell als "Vorranggebiet für Naturschutz" im "Landesentwicklungsplan Umwelt" eingestuft worden sei, stieß das das Projekt der Bahn auf Unverständnis.

"Wie kann auf einem Gelände, das als ökologisch besonders hochwertig eingestuft ist und auf dem nachgewiesen sehr seltene Tier- und Pflanzenarten vorkommen, quasi in einer Nacht- und Nebelakti-on und ohne Beteiligung der Öffentlichkeit in eine Lagerfläche umgewandelt werden, auf der alles Le-ben durch riesige Schottermassen zunichte gemacht wird?", fragte Bernd Binkle, der stellvertretende Vorsitzende, in die Runde. Die Bahn sei bei der Aufstellung des Landesentwicklungsplanes doch be-teiligt und nach ihrer Haltung gefragt worden. Da der Landesplan mit dem Zollbahnhof als Vorrangge-biet für Naturschutz seit Sommer des letzten Jahres in Kraft sei, müsse man doch davon ausgehen, dass sie dagegen keine Einwände hatte. Für Verärgerung sorgte zudem die Eile, mit der das Bahnun-ternehmen "Bahn-Log-und-Consulting" das Lager auf einer Fläche von einigen Hektar "durchpeit-sche": Noch nicht einmal die betroffenen Kommunen Kirkel und Homburg seien darüber informiert. "Und die Rodung einer Fläche von mehreren Hektar hat schon begonnen", berichteten Bernd Binkle und Heinz-Günther Wolf von ihren Beobachtungen vor Ort.

Aber nicht nur die Ungereimtheiten hinsichtlich des Landesentwicklungsplanes "Umwelt" wurden beim Altstadter NABU diskutiert. Dass auf dem betroffenen Areal seltene Tier- und Pflanzenarten vorkom-men, die nach der "Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie" (FFH) der Europäischen Union besonders ge-schützt sind, werde einfach nicht berücksichtigt. "Die Mauereidechse kommt hier in einer riesigen Po-pulation vor. Der Orpheusspötter, für dessen Vorkommen das Saarland eine ganz besondere Verant-wortung trägt, kommt häufig vor, ebenso der Schwarzmilan und nicht zu vergessen die Nachtigall, die gerade in dem jetzt betroffenen Gelände einen sehr großen Bestand hat", skizzierte Hans-Joachim Schindelhauer-Deutscher.

Und auch das Grundwasser sieht der Altstadter Naturschutzbund durch die Schotterlagerung gefähr-det. Da es sich um Material handele, das von abgebauten Bahnstrecken stamme, müsse von einer hochgradigen Belastung ausgegangen werden. "Nach allen verfügbaren Informationen ist dieses Ma-terial mit Ölen, Herbiziden, Schwermetallen und Abrieb vom Schienenverkehr belastet. Das Gelände liegt in der Wasserschutzzone 3, keine 100 Meter von den nächsten Wasserförderanlagen entfernt", skizzierte Bernd Binkle. Der Schotter werde ohne Abdichtung und Sicherung des Untergrundes auf der offenen Erde gelagert, so dass durch Auswaschungen die Gefahr bestehe, dass das Grundwasser in Mitleidenschaft gezogen werde. Die Bahn müsste eigentlich wissen, welches Risiko sie hier ein-geht. Schließlich trage sie die Verantwortung dafür, dass die Mehrzahl der Brunnen im Bereich des Wasserwerks "Beeden" an der Kaiserstraße seit mehr als 15 Jahren durch das Totalherbizid "Broma-zil" verseucht seien.


Martin Baus


 


 

 

 

Offener Brief an den Umweltminister


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Letzte Änderung: 10.03.2005